E-Rechnung ab 2027: Viele Unternehmen müssen ab Januar elektronisch versenden
Veröffentlicht am: 08.10.2026 um 18:09 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Softwarehäuser und IT-Dienstleister intensivieren ihre Zusammenarbeit, um Unternehmen bei der Umsetzung komplexer steuerlicher Compliance-Vorgaben und digitaler Rechnungsprozesse zu entlasten. Angesichts neuer gesetzlicher Vorgaben für elektronische Rechnungen und Meldesysteme setzen zahlreiche Anbieter auf vorgefertigte Schnittstellen und automatisierte Plattformen, um den manuellen Aufwand in den Finanzabteilungen zu verringern.
Partnerschaften für ERP-Integration und Umsatzsteuer
Ein Schwerpunkt der aktuellen Brancheninitiativen liegt auf der nahtlosen Einbindung von Steuer- und E-Invoicing-Funktionen in bestehende ERP-Landschaften. So fungiert delphi als zertifizierter Implementierungspartner für Avalara E-Invoicing und Live Reporting (ELR) im Umfeld von Oracle Fusion Cloud ERP.
Nach Angaben von delphi verwaltet Avalara die länderspezifischen Formate, Validierungen sowie Anbindungen an Steuerbehörden, während Belege in Oracle Payables und Receivables verbleiben und Statusmeldungen direkt an die Oracle-Transaktion zurückgeführt werden.
Benutzerdefinierte Schnittstellen seien dabei nicht erforderlich, und weitere Länder ließen sich ohne zusätzlichen Programmieraufwand ergänzen. Die bestehende dbic-Lösung des Dienstleisters deckt zudem die Erstellung und Verarbeitung deutscher Kunden- und Lieferantenrechnungen ab.
Parallel dazu vereinbarten Cudio und Taxwire eine Partnerschaft zur Unterstützung von Odoo-Nutzern. Während Cudio die Anbindung an das Odoo-System konfiguriert und testet, übernimmt Taxwire die laufende Steuerberechnung, die Prüfung von Pflichten, Befreiungsnachweise, Registrierungen sowie Steuererklärungen und deren Abführung.
Das Angebot zielt auf SaaS-Anbieter, Hersteller, Händler und E-Commerce-Unternehmen ab. Taxwire überwacht dabei entstehende Steuerpflichten bei grenzüberschreitender Expansion und deckt nach eigenen Angaben die USA sowie mehr als 80 Länder ab.
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Auch im Bereich globaler Personal- und Entgeltabrechnungen bündeln Dienstleister ihre Kapazitäten: Strada und EY schlossen eine strategische Allianz für integrierte Lohnabrechnungs- und Workforce-Lösungen.
Die Zusammenarbeit verknüpft Stradas Abrechnungstechnologie sowie Integrationen für Workday und SAP mit den Beratungsleistungen von EY in den Bereichen Steuern, Mobilität und Personal. Beide Partner planen den Einsatz künstlicher Intelligenz für Auswertungen und Prozessautomatisierung. EY ist in mehr als 180 Ländern aktiv, während Strada Lösungen in 180 Ländern bereitstellt.
Technologische Aufrüstung und internationale Vorgaben
Auf seiner Konferenz CRUSH Europe stellte Avalara softwarebasierte Lösungen für Steuer- und Compliance-Prozesse vor. Das System Avalara Aviator ist allgemein verfügbar und soll manuelle Arbeitsschritte auf kurze Kontrollzeiten reduzieren.
Das Werkzeug Versori by Avalara soll zudem Integrationskonnektoren in wenigen Tagen statt Monaten bereitstellen. Nach Unternehmensangaben verarbeitet Avalara jährlich mehr als 2,1 Billionen britische Pfund an Transaktionen und über 54 Milliarden Aufrufe der Schnittstelle AvaTax.
Der regulatorische Druck auf internationaler Ebene nimmt derweil zu. Während EU-weite digitale Meldungen für grenzüberschreitende B2B-Umsätze ab 2030 vorgesehen sind, erwartet Avalara die Umsetzungsbereitschaft in Deutschland im Januar 2027 und in Spanien im Oktober 2027. In der Slowakei müssen ab 2027 alle ansässigen, umsatzsteuerlich registrierten Firmen strukturierte Rechnungen für inländische B2B- und B2G-Geschäfte verpflichtend elektronisch übermitteln und empfangen.
Retarus tritt dort als zertifizierter Dienstleister auf und leitet im Peppol-5-Corner-Modell zusätzlich Steuerdaten nahezu in Echtzeit an die Finanzverwaltung weiter.
Standards und Praxishürden in deutschen Unternehmen
In Deutschland treiben Verbände einheitliche Kriterien voran. Der Verband elektronische Rechnung (VeR) präsentierte das Prüfsiegel „E-Rechnung bereit für den Handel“.
Der zugrundeliegende Mindeststandard umfasst 39 Datenfelder, darunter 11 allgemeine Pflicht- oder bedingte Angaben nach EN 16931 sowie 28 handelsbezogene Anforderungen wie Partnerkennungen, Bestelldaten sowie GLN und GTIN. Erste Lösungen wie das eBill Service E-Rechnungsportal, EU-Rechnung von net advisor, Sage 100 und Midoco Midoffice haben das Prüfverfahren bestanden.
Angesichts der kommenden gesetzlichen Anforderungen ist eine rechtssichere Umsetzung der E-Rechnungspflicht für deutsche Unternehmen unerlässlich. Ein kostenloser Experten-Ratgeber erklärt Schritt für Schritt, welche Formate und Archivierungsregeln wirklich zählen. E-Rechnung E-Book: Sicher und steuerkonform umsetzen
Dass die betriebliche Umstellung Herausforderungen birgt, belegen Erhebungen von Branchenverbänden. Laut einer Blitzumfrage der Deutschsprachigen SAP-Anwendergruppe (DSAG) von Anfang 2026 führte der Empfang strukturierter Rechnungen nur bei 29,3 Prozent der befragten Betriebe zu keinem zusätzlichen Personalaufwand.
Als wesentliche Hürden gelten die Formatvielfalt, fehlerhafte XML-Dateien und unzureichende Schnittstellen. Da viele Unternehmen ab dem 1. Januar 2027 Rechnungen elektronisch versenden müssen, raten Experten zur frühzeitigen Definition von Zielarchitekturen, intensiven Tests von Fehlerroutinen und einer engen Abstimmung mit Geschäftspartnern.
