E-Rechnung 2027: Neue Ausstellungspflicht für Millionen Betriebe
23.06.2026 - 10:49:51 | boerse-global.de
In Deutschland bearbeiten zwei Drittel der Betriebe eingehende E-Rechnungen noch manuell – obwohl die Pflicht bereits greift.
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Deutschland: Übergangsfristen und Realität klaffen auseinander
Seit dem 1. Januar 2025 müssen inländische Unternehmer E-Rechnungen empfangen können. Die Pflicht zur aktiven Ausstellung folgt gestaffelt: Ab Januar 2027 für Firmen mit über 800.000 Euro Vorjahresumsatz, ab Januar 2028 für alle Betriebe.
Eine Umfrage des Zentralverbands des Deutschen Handwerks (ZDH) unter knapp 2.000 Unternehmen zeigt die Lücke zwischen Vorgabe und Praxis. Nur ein Drittel der Befragten stellt selbst aktiv elektronische Rechnungen aus. Der häufigste Übermittlungsweg: E-Mail. Spezialisierte Netzwerke wie Peppol nutzen bislang wenige.
Fachleute warnen: Ein einfaches PDF gilt rechtlich nicht als E-Rechnung. Bei falschem Format droht der Verlust des Vorsteuerabzugs.
Belgien: Pflichtstart verfehlt die Erwartungen
Weiter ist Belgien. Seit Januar 2026 ist die E-Rechnung über Peppol für B2B-Transaktionen Pflicht. Eine iVox-Studie zeigt ein ernüchterndes Bild: Nur die Hälfte der Unternehmen spart Zeit. Fast jeder zweite Betrieb meldet, dass Zahlungen nicht schneller eingehen.
Die Vorbereitung lief schleppend: 54 Prozent der Firmen registrierten sich erst in den letzten sechs Monaten vor der Frist. Jeder fünfte Betrieb sogar erst nach dem Starttermin. Hauptprobleme: unzureichende Behördenkommunikation und mangelnde Integration in die Buchhaltungssoftware. Viele KMU verbuchten Rechnungen zeitweise doppelt.
Strategie für ein digitales Meldesystem
Der Verband elektronische Rechnung (VeR) legte im Mai 2026 ein Strategiepapier vor. Es geht um die Umsetzung eines digitalen Meldesystems für die EU-Initiative „VAT in the Digital Age" (ViDA).
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Der VeR empfiehlt, auf der bestehenden B2B-Infrastruktur und dem Peppol-Standard aufzubauen. Ziel: automatisierte Übermittlung steuerrelevanter Kerndaten an die Finanzverwaltung. Das Prinzip: Daten einmal erzeugen, mehrfach nutzen. Der Verband warnt vor Parallelprozessen „auf der grünen Wiese". Stattdessen soll ein stufenweiser, europaweit anschlussfähiger Roll-out kommen. Provider müssten dabei die Komplexität für Endanwender reduzieren.
Internationale Entwicklungen und verschärfte Pflichten
Auch andere EU-Staaten treiben die Digitalisierung voran. In Frankreich müssen Mikrounternehmer ab September 2026 E-Rechnungen empfangen können. Rund 70 Prozent sehen laut Verband UAE keinen Nutzen – sie fürchten steigende Kosten und Bürokratie. Die Slowakei plant eine Pflicht für 2027.
Flankiert wird die Umstellung durch strengere Rechtsprechung. Der Bundesfinanzhof (BFH) betonte in einem Urteil vom 24. März 2026: Betriebsausgaben müssen innerhalb von zehn Tagen einzeln und getrennt aufgezeichnet werden. Ein Verstoß führte im verhandelten Fall zum vollständigen Verlust des Abzugs.
Technologische Entwicklungen könnten helfen. KI-gestützte Systeme zur Dokumentenverarbeitung automatisieren Datenextraktion und Klassifizierung bereits heute. Branchenbeobachter sehen darin Potenzial – sofern die Integration in betriebliche Abläufe gelingt.
