E-Autos, München

E-Autos: TU München belegt 41% weniger CO2 als Verbrenner

Veröffentlicht am: 01.09.2026 um 22:04 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Eine TUM-Analyse sieht Elektroautos beim CO2-Ausstoß vorn, fordert aber eine umfassende Lebenszyklusbilanz und kritisiert EU-Vorgaben.

TUM-Studie: E-Autos mit weniger CO2, aber nicht klimaneutral
Moderne Ladesäule für Elektroautos auf einem minimalistischen Parkplatz in der Dämmerung. Illustration mit AI erstellt.

Die Technische Universität München (TUM) hat eine Untersuchung zu den CO2-Emissionen der Elektromobilität vorgelegt. Ein zentrales Ergebnis der Studie lautet, dass Elektroautos im Durchschnitt 41 Prozent weniger Kohlendioxid verursachen als vergleichbare Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor.

Dennoch dürften diese Fahrzeuge laut den Autoren nicht als klimaneutral eingestuft werden, da ihre Gesamtbilanz über den gesamten Lebenszyklus hinweg weiterhin signifikante Emissionen aufweise.

Kritik an der Bewertungspraxis der Europäischen Union

Die Forscher der TUM kritisieren in ihrem Bericht die aktuellen Klimavorgaben der Europäischen Union. Bisher berücksichtige die EU lediglich die sogenannten Auspuff-Emissionen, also jene Gase, die unmittelbar während der Fahrt ausgestoßen werden.

Da Elektroautos lokal emissionsfrei fahren, führt die EU sie in ihrer offiziellen Bilanz als zu 100 Prozent klimaneutral. Die Studienautoren fordern hingegen ein Umdenken und die Einführung einer Lebenszyklus-Betrachtung, die auch die Produktion und den Energieverbrauch einbezieht. Ein generelles Verbot von Verbrennungsmotoren fordern sie jedoch nicht.

Laut der Untersuchung verfehlt die Europäische Union ihr Klimaziel für das Jahr 2030 derzeit um etwa 100 Millionen Tonnen CO2. Ein wesentlicher Grund hierfür sei die Zusammensetzung der bestehenden Fahrzeugflotte, in der Verbrennungsmotoren mit einem Anteil von 78 Prozent weiterhin dominieren.

Thomas Hofmann, Präsident der TUM, sprach sich in diesem Zusammenhang für eine verpflichtende Berichterstattung über den gesamten Lebenszyklus von Fahrzeugen aus, betonte jedoch, dass die letztliche Entscheidung über die technologische Ausrichtung bei der Politik liege.

Politische Reaktionen und bürokratische Bedenken

Die Ergebnisse der Studie stießen auf unterschiedliche Reaktionen in der Politik. Die bayerische Staatsregierung unter Ministerpräsident Markus Söder begrüßte die Untersuchung als Beleg dafür, dass ein Ende der Verbrenner-Technologie überdacht werden müsse.

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Das Bundesumweltministerium verwies hingegen auf bereits bestehende Regelungen wie die EU-Batterieverordnung und das übergeordnete Ziel der EU, die CO2-Emissionen bis zum Jahr 2030 um 55 Prozent zu senken. Auf europäischer Ebene wird zudem erwartet, dass im November das sogenannte „Automotive Package“ beschlossen wird.

Kritiker der Studie merken unterdessen an, dass die zugrunde liegenden Daten zum Strommix aus dem Zeitraum von 2018 bis 2024 stammen und die spezifischen Bedingungen der Batterieproduktion nur unzureichend untersucht worden seien. Zudem wird die geforderte Lebenszyklus-Berichterstattung als potenziell zu bürokratisch eingestuft.

Deutsche Umwelthilfe bemängelt mangelnde Vorbildfunktion

Parallel zur wissenschaftlichen Debatte veröffentlichte die Deutsche Umwelthilfe (DUH) ihren aktuellen Dienstwagen-Check, der den schleppenden Umstieg auf Elektromobilität in der Politik verdeutlicht.

Von 249 untersuchten Dienstwagen deutscher Politiker sind lediglich 90 Fahrzeuge rein elektrisch betrieben. Der Anteil rein elektrischer Fahrzeuge sank laut dem Bericht auf 11 Prozent, während an anderer Stelle 36 Prozent der Flotte als vollelektrisch identifiziert wurden.

Die Untersuchung der DUH ergab zudem, dass 160 der 249 Dienstwagen die geltenden EU-Flottengrenzwerte überschreiten. Besonders Plug-in-Hybride, die 42 Prozent der untersuchten Flotte ausmachen, stehen wegen eines durchschnittlichen Ausstoßes von 179 Gramm CO2 pro Kilometer in der Kritik. Im Vergleich dazu kommen die 90 reinen Elektroautos auf einen Wert von 62 Gramm pro Kilometer.

Im bundesweiten Vergleich belegte Nordrhein-Westfalen den neunten Platz und erhielt von der DUH die „Rote Karte“. In Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern kommen demnach gar keine reinen Elektro-Dienstwagen zum Einsatz. Berlin, Baden-Württemberg und Schleswig-Holstein erhielten eine „Gelbe Karte“, während kein einziges Bundesland den „grünen Bereich“ erreichte.

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Spitzenwerte bei den Emissionen verzeichneten die Dienstwagen von Politikern wie Hendrik Wüst, Manuela Schwesig und Kai Wegner mit jeweils 262 Gramm CO2 pro Kilometer.

Die geringsten Emissionen wurden bei den Fahrzeugen von Reem Alabali-Radovan (64 Gramm) und Cem Özdemir (66 Gramm) gemessen. Die Deutsche Umwelthilfe fordert angesichts dieser Ergebnisse, bei Neubeschaffungen ausschließlich auf Elektroautos zu setzen und keine Plug-in-Hybride mehr zu nutzen.

Mehr zum Thema bei Süddeutsche Zeitung: „CO2-Emissionen - TU München wirft EU falsche Klimavorgaben für Autos vor - Bayern“

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