E-Auto-Prämie freigeschaltet: 17.000 Anträge in ersten 24 Stunden
26.05.2026 - 09:14:31 | boerse-global.deSeit dem 25. Mai können Privatpersonen online bis zu 6.000 Euro Förderung für E-Autos beantragen. Das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) hat sein digitales Antragsportal für das neue Elektroauto-Subventionsprogramm freigeschaltet. Mit einem Gesamtvolumen von drei Milliarden Euro soll der Kauf von rund 800.000 Fahrzeugen zwischen 2026 und 2029 unterstützt werden.
So funktioniert die Antragstellung
Private Käufer können Zuschüsse von bis zu 6.000 Euro für den Kauf oder das Leasing neuer Batterie-elektrischer Fahrzeuge (BEV) und Plug-in-Hybride (PHEV) beantragen. Die Identitätsprüfung erfolgt digital über die BundID. Wichtig: Die Förderung gilt rückwirkend – auch Fahrzeuge, die seit dem 1. Januar 2026 gekauft oder zugelassen wurden, sind berechtigt.
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Rekordandrang und clevere Finanzierungsstrategien
Die Nachfrage ist enorm. Bereits Mitte Mai gingen innerhalb von 24 Stunden 17.000 Anträge ein. Finanzexperten von Verivox zeigen, wie sich die Prämie clever nutzen lässt: Wer ein Kompakt-E-Auto für 28.000 Euro kauft und die 5.000 Euro Förderung als Sondertilgung einsetzt, spart über 1.800 Euro Zinskosten. Bei einem Zinssatz von 5,29 Prozent verkürzt sich die Laufzeit um 17 Monate. Noch deutlicher fällt der Vorteil bei größeren Modellen wie dem VW ID.4 aus: Hier spart eine vierköpfige Familie mit 4.000 Euro Zuschuss über 1.500 Euro Zinsen.
Zusätzlich zur staatlichen Kaufprämie nutzen immer mehr Besitzer die Treibhausgasminderungs-Quote (THG-Prämie). Digitale Dienstleister wie Quotlix bieten eine vereinfachte Abwicklung dieser jährlichen Zahlung, die aus dem privaten CO?-Emissionshandel stammt – nicht aus Steuermitteln.
Autohandel kritisiert Umsetzung scharf
Trotz der hohen Antragszahlen hagelt es Kritik aus der Autobranche. Burkhard Weller, Präsident des Verbands der BMW-Händler (VAD), bezeichnet die Umsetzung als „Katastrophe". Die Neubestellungen für E-Autos lägen rund 20 Prozent unter den geplanten Zielen. Weller bemängelt, dass die Prämie bei Verbrauchern eher Verunsicherung schaffe – wegen unklarer Förderbedingungen und Fristen. Sein Vorschlag: Auch junge Gebrauchtwagen in die Förderung aufnehmen.
Der Zentralverband Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe (ZDK) zeigt sich versöhnlicher. Präsident Arne Peckruhn begrüßt die Portal-Aktivierung als wichtigen Schritt zur Marktstabilisierung. Allerdings fordert der Verband weiterhin einen Haftungsausschluss für Händler – aus Sorge, bei abgelehnten Anträgen wegen Formalien oder ausgeschöpfter Töpfe zur Kasse gebeten zu werden.
Gesellschaftliche Stimmung: Gespalten
Die öffentliche Meinung ist geteilt. Laut Umfragen halten 61 Prozent der Befragten die E-Auto-Prämie für sozial ungerecht – die Vorteile kämen vor allem Gutverdienern und ausländischen Herstellern zugute. 18 Prozent zweifeln am tatsächlichen Klimanutzen des Programms, 11 Prozent verweisen auf die unzureichende Ladeinfrastruktur und den aktuellen Strommix.
Günstigere Modelle kommen auf den Markt
Parallel zur Portal-Öffnung drängen Hersteller mit bezahlbaren E-Autos auf den Markt. Skoda präsentierte am 19. Mai in Zürich den neuen Epiq – Einstiegspreis: 25.900 Euro, Reichweite: bis zu 440 Kilometer. Marktstart ist September 2026, die günstigste Variante kommt jedoch erst später. Aktuell bestellbare Versionen starten bei 32.100 Euro.
Stellantis plant ein „E-Auto" für rund 15.000 Euro. Die Produktion soll 2028 im italienischen Pomigliano d'Arco anlaufen – eine direkte Reaktion auf die geplante EU-Fahrzeugklasse M1E für kleine, umweltfreundliche Autos und den wachsenden Druck chinesischer Hersteller.
In Schleswig-Holstein steigt die E-Auto-Nachfrage bereits seit Ende März – Händler führen das jedoch eher auf hohe Spritpreise zurück als auf die neue Bundesförderung. Im April erreichten alternative Antriebe 65 Prozent der Neuzulassungen – ein Anstieg von 55 Prozent im Vorjahreszeitraum.
Internationale Vergleiche und lokale Widerstände
Auch andere EU-Staaten fördern den E-Auto-Kauf. Portugal öffnet sein Antragsportal am 11. Juni 2026. Dort gibt es 4.000 Euro pro Fahrzeug, wenn Käufer einen mindestens zehn Jahre alten Verbrenner verschrotten. Die Förderung gilt rückwirkend zum 1. Januar 2025, die Preisobergrenze liegt bei 38.500 Euro – für große Familien bei 55.000 Euro.
In Deutschland bleibt abzuwarten, wie schnell das BAFA die Anträge bearbeitet und ob die digitale Infrastruktur stabil läuft. Während der Bund Anreize schafft, bremsen manche Kommunen: In Halle lehnte die Stadtverwaltung kostenloses Parken für E-Autos ab – mit Verweis auf Kosten für neue Schilder und entgangene Parkgebühren.
Ob die drei Milliarden Euro und 800.000 geförderten Fahrzeuge ausreichen, um die Klimaziele zu erreichen, wird sich zeigen. Klar ist: Ohne strukturelle Verbesserungen beim Gebrauchtwagenmarkt und der Ladeinfrastruktur droht der Erfolg des Programms zu verpuffen.
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