E-Akte: Thüringens Gerichte vollständig digital ab Juli
15.06.2026 - 06:39:21 | boerse-global.de
Damit ist die E-Akte an allen Gerichten des Freistaats eingeführt. Die Digitalisierung der Justiz erreicht damit einen wichtigen Meilenstein.
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Papierakten laufen schrittweise aus
Thüringen stellt nach und nach auf das digitale System um. Die Praxis zeigt: Schon heute werden 95 Prozent aller Verfahren bei Zivil- und Verwaltungsgerichten digital eingereicht. Anders sieht es bei Strafsachen aus – dort liegt die Quote bei maximal 25 Prozent.
Seit Juni 2026 gibt es zudem eine KI-basierte Recherchefunktion für die digitalen Dokumente. Justizministerin Beate Meißner (CDU) spricht von einem „erheblichen Kraftakt“. Sie dämpft aber auch die Erwartungen: Kurzfristig spare die Umstellung kein Geld.
Kritik aus der Anwaltschaft
Die Rechtsanwaltskammer zeigt sich unzufrieden. Der aktuelle Zustand sei teilweise nur „digitalisierter Postverkehr“. Ein Symbol für die unvollständige Transformation: das Faxgerät. Es wird weiter genutzt – etwa um elektronische Schriftsätze vorab anzukündigen.
Auch die allgemeine Verwaltungslast belastet die Justiz. Verzögerungen bei der Bearbeitung von rund 13.000 offenen BAföG-Anträgen (Stand Ende Mai 2026) haben indirekt Folgen: Rund 770 gerichtliche Verfahren sind deswegen anhängig.
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Hessen als Blaupause?
Das Nachbarland Hessen führte die E-Akte bereits am 1. Januar 2026 flächendeckend für alle Gerichte und Staatsanwaltschaften ein. Die Erfahrungen sind gemischt. Das Landgericht Gießen berichtet von echter Entlastung und schnellerer Aktensicht durch parallele Zugriffsmöglichkeiten.
Ganz anders das Amtsgericht Frankfurt: Dort klagen Beteiligte über Mehrbelastung durch häufige Systemausfälle, Softwareprobleme und zu geringe Serverkapazitäten. Der Richterbund bestätigt die Schwierigkeiten an großen Gerichten, bezeichnet die E-Akte aber grundsätzlich als Hilfe – sofern die Systeme weiterentwickelt werden.
Ein neues Problem zeigt sich ebenfalls: Durch die digitale Übermittlung erreichen Gerichte vermehrt kurzfristige Anträge außerhalb der Bürozeiten.
Ob Thüringens Systeme der flächendeckenden Belastung besser gewachsen sind, wird sich ab Juli 2026 zeigen.
