DVV-Affäre: Kronzeuge meldet rund 30 Verdachtsfälle bei den Stadtwerken Duisburg
Veröffentlicht am: 05.11.2026 um 22:44 Uhr | Redaktion boerse-global.deBei den kommunalen Versorgungs- und Verkehrsbetrieben in Duisburg weiten sich die juristischen Auseinandersetzungen um mutmaßliche Unregelmäßigkeiten bei Gehältern und interner Vorteilsgewährung aus.
Wie die Westdeutsche Allgemeine Zeitung (waz.de) am 5. November 2026 berichtete, führt die Staatsanwaltschaft Duisburg bereits seit Januar 2026 umfassende Ermittlungen im Umfeld des DVV-Konzerns, zu dem neben der Holding Duisburger Versorgungs- und Verkehrsgesellschaft auch die Stadtwerke Duisburg sowie die Duisburger Verkehrsgesellschaft (DVG) zählen. Im Zentrum des Verfahrens stehen der Verdacht der Untreue sowie mögliche Verstöße gegen Bestimmungen des Betriebsverfassungsgesetzes.
Ermittlungen gegen frühere Führungskräfte und Mitarbeiter
Nach Angaben der Ermittlungsbehörden richten sich die strafrechtlichen Nachforschungen gegen mehrere Personen aus den Führungsetagen und der Belegschaft. Zu den Beschuldigten zählen der ehemalige Konzernchef Marcus Wittig sowie der frühere Arbeitsdirektor Axel Prasch.
Darüber hinaus führt die Staatsanwaltschaft sechs weitere aktuelle beziehungsweise ehemalige Beschäftigte des Konzerns in dem Verfahren als Beschuldigte. Den Verantwortlichen wird vorgeworfen, betriebliche Vorgaben und gesetzliche Regelungen bei der Vergütung missachtet und dadurch das Vermögen der kommunalen Gesellschaften geschädigt zu haben.
Die Thematik der Betriebsratsvergütung gilt im deutschen Gesellschafts- und Arbeitsrecht seit Langem als sensibler Prüfstein für die unternehmensinterne Compliance. Das Betriebsverfassungsgesetz verbietet eine Bevorzugung oder Benachteiligung von Belegschaftsvertretern aufgrund ihres Amtes.
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Werden Funktionsträgern Gehälter gezahlt, die in keinem angemessenen Verhältnis zu deren betrieblicher Qualifikation und bisheriger Laufbahn stehen, drohen den zuständigen Organen strafrechtliche Konsequenzen wegen Untreue gegenüber der Gesellschaft.
Schadenersatzklagen und Aussagen eines Kronzeugen
Die Affäre hatte im Verlauf des Herbstes 2026 durch mehrere Vorkommnisse weiter an Brisanz gewonnen. Am 2. Oktober 2026 kündigte die DVV an, Schadenersatzklagen in Millionenhöhe gegen Verantwortliche auf den Weg zu bringen, um finanzielle Ausfälle für das städtische Unternehmen abzuwenden.
Nur wenige Tage später ergaben sich neue Erkenntnisse für die Aufarbeitung: Am 4. Oktober 2026 lieferte ein Kronzeuge der Aufklärung rund 30 Verdachtsfälle im Unternehmen. Auch arbeitsrechtlich sorgt der Komplex für rechtliche Auseinandersetzungen. Am 16. Oktober 2026 wurde bekannt, dass ein ehemaliges Betriebsratsmitglied, das eine Vergütung in Höhe von 280.000 Euro erhalten hatte, seinerseits Klage gegen die DVV eingereicht hat.
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Aufsichtsratsgremium im Blickpunkt
Die anhaltenden Untersuchungen werfen zugleich Fragen bezüglich der internen Kontrollmechanismen in den kommunalen Gremien auf. Den Aufsichtsratsvorsitz bei der DVV sowie den Stadtwerken Duisburg hat Oberbürgermeister Sören Link inne, der dieses Kontrollamt bereits seit 2012 ausübt.
Für öffentliche Unternehmen gewinnen funktionierende Compliance-Systeme zunehmend an Bedeutung, da unzureichende Kontrollen bei der Festlegung von Entgelten und Zusatzleistungen erhebliche finanzielle Risiken für die öffentliche Hand und das kommunale Ansehen nach sich ziehen.
Die weiteren Ermittlungsschritte der Staatsanwaltschaft Duisburg werden Aufschluss darüber geben müssen, in welchem Umfang die strafrechtlichen Vorwürfe erhärtet werden können.
