Düngemittel-Krise, Hilfen

Düngemittel-Krise: EU stockt Hilfen auf 400 Millionen Euro auf

28.05.2026 - 22:09:27 | boerse-global.de

Die EU-Kommission verlängert Schutzmaßnahmen gegen hohe Düngemittelpreise und plant Finanzhilfen für Landwirte.

Düngemittel-Krise: EU stockt Hilfen auf 400 Millionen Euro auf - Foto: über boerse-global.de
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Am Donnerstag bestätigte die Behörde, dass der bestehende Rahmen zur Abfederung von Preisschocks bis zum 31. Dezember in Kraft bleibt. Die Entscheidung folgt auf die Verabschiedung eines umfassenden Düngemittel-Aktionsplans am Mittwoch.

Finanzhilfen aus der GAP-Krise

EU-Agrarkommissar Christophe Hansen arbeitet derzeit daran, rund 400 Millionen Euro für Landwirte freizumachen, die unter den hohen Betriebskosten leiden. Rund 200 Millionen Euro aus der ursprünglichen Krisenreserve von 450 Millionen Euro der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) stehen noch zur Verfügung.

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Um die verbleibenden 200 Millionen Euro zu beschaffen, hat der Kommissar mehrere Strategien vorgeschlagen. Dazu gehören die Nutzung nicht zugewiesener Mittel aus der zweiten Säule der GAP sowie die Vermeidung von Kürzungen bei Direktzahlungen. Ein neuer Nachtragshaushalt, der für den 12. Juni geplant ist, soll die Finanzierung absichern. Während Deutschland und Schweden auf weitere Import-Erleichterungen drängen, lehnt Österreich jede Kürzung der Direktzahlungen ab.

Zollaussetzungen und Handelsanpassungen

Bereits am Dienstag setzte die EU die Importzölle auf stickstoffhaltige Düngemittel – insbesondere Harnstoff und Ammoniak – für ein Jahr aus. Die Maßnahme soll Importeure um rund 60 Millionen Euro entlasten. Ausgenommen sind jedoch Produkte aus Russland und Belarus.

Der CO2-Grenzausgleichsmechanismus (CBAM) bleibt trotzdem in Kraft und beeinflusst weiterhin die Kostenstruktur der Importe. Zwar zeigen Daten aus Ende Mai, dass einige Preise leicht nachgeben, doch liegen sie weiter deutlich über dem historischen Durchschnitt. Kalkammonsalpeter (KAS) kostete am Mittwoch 435 Euro pro Tonne – ein leichter Rückgang binnen zwei Wochen, aber 60 Euro mehr als Mitte März. Die Harnstoff-Importpreise in Deutschland lagen bei 765 Euro pro Tonne, in Frankreich bei 730 Euro.

Globale Lieferketten unter Druck

Der anhaltende Konflikt im Iran erschüttert die globalen Lieferketten. Marktanalysten der Weltbank und der Rabobank warnten am Mittwoch, dass die weltweiten Düngemittelpreise 2026 um insgesamt 30 Prozent steigen könnten – mit entsprechenden Folgen für die Lebensmittelpreise zum Jahresende. Die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation (FAO) wies darauf hin, dass rund ein Drittel des globalen Seetransports von Düngemitteln durch die Straße von Hormus verläuft – ein enormes Risiko bei regionalen Spannungen.

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China hat am Mittwoch neue Exportquoten für Harnstoff freigegeben, nachdem seit März Exportverbote galten. Branchenkreise schätzen die neue Zuteilung auf rund 1,5 Millionen Tonnen. Das ist besonders für Großimporteure wie Indien bedeutsam, das in den letzten Jahren mehr als 40 Prozent seiner Harnstoffversorgung aus dem Nahen Osten bezog.

Wirtschaftliche Aussichten für die Landwirtschaft

Das gesamtwirtschaftliche Umfeld belastet die Branche zusätzlich. Der Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung senkte am Mittwoch seine Prognose für das deutsche BIP-Wachstum 2026 auf 0,5 Prozent – von zuvor 0,9 Prozent. Hauptgründe: hohe Energiepreise und die geopolitische Lage. Die Inflation soll 2026 bei 3,0 Prozent liegen.

In Südamerika entstehen neue Projekte, um Versorgungslücken zu schließen. Das Unternehmen Aguia Resources erhielt eine Verkaufslizenz für sein Phosphatprodukt in Brasilien, die Lieferungen bis Ende 2026 garantiert. Die EU plant unterdessen neue Umweltklassifizierungen: So soll Soja bis 2030 als Hochrisiko-Rohstoff für Entwaldung eingestuft werden. Das könnte die Nutzung von Sojaöl im Biokraftstoffsektor einschränken und Millionen Hektar Agrarfläche in Österreich, Ungarn, Polen und Rumänien betreffen.

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