DSA-Strafe, Temu

DSA-Strafe: EU belegt Temu mit 200 Millionen Euro wegen Sicherheitsmängel

28.05.2026 - 16:29:05 | boerse-global.de

Temu muss wegen Verstößen gegen den Digital Services Act eine Rekordstrafe von 200 Millionen Euro zahlen. Die EU wirft dem Händler unzureichende Sicherheitskontrollen vor.

DSA-Strafe: EU belegt Temu mit 200 Millionen Euro wegen Sicherheitsmängel - Foto: über boerse-global.de
DSA-Strafe: EU belegt Temu mit 200 Millionen Euro wegen Sicherheitsmängel - Foto: über boerse-global.de

Die Europäische Kommission hat den chinesischen Online-Händler Temu mit einer Rekordstrafe von 200 Millionen Euro belegt. Grund sind schwerwiegende Verstöße gegen den Digital Services Act (DSA). Besonders brisant: Die Plattform soll systematisch versäumt haben, gefährliche Produkte von ihren europäischen Kunden fernzuhalten.

Gefährliche Mängel bei Sicherheitskontrollen

Die Brüsseler Behörde wirft Temu vor, seine Pflicht zur Risikobewertung nicht ernst genommen zu haben. Bei Testkäufen von Elektronikartikeln und Babyprodukten förderten die Ermittler alarmierende Ergebnisse zutage. Ein hoher Anteil der getesteten Ladegeräte fiel durch die Sicherheitsprüfungen. Bei Kinderspielzeug wurden Grenzwerte für Schadstoffe teils deutlich überschritten.

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EU-Vizepräsidentin Henna Virkkunen zeigte sich unzufrieden mit den Risikomanagement-Strategien des Unternehmens. Die Prüfungen seien zu vage gewesen, um die rund 130 Millionen europäischen Kunden zu schützen. Diese enorme Nutzerzahl war ein wesentlicher Faktor für die Höhe der Strafe.

Temu selbst wehrt sich gegen die Entscheidung. Das Unternehmen bezeichnet die Geldbuße als unverhältnismäßig und verweist auf eine eigene Risikoanalyse aus dem Jahr 2024. Die internen Kontrollsysteme habe man inzwischen deutlich verbessert.

Zweite große DSA-Strafe – und mögliche tägliche Zahlungen

Es ist bereits die zweite empfindliche Geldbuße im Rahmen des DSA. Im Dezember 2025 traf es die Plattform X mit 120 Millionen Euro – Grund waren irreführende Gestaltungen der Benutzeroberfläche. X reichte im März 2026 einen Abhilfeplan ein, der noch geprüft wird.

Für Temu könnte es noch teurer werden. Die Kommission verlangt einen umfassenden Maßnahmenplan bis zum 28. August 2026. Kommt das Unternehmen den Auflagen nicht nach, drohen tägliche Zwangsgelder.

Strengere Regeln für den gesamten Online-Handel

Der Fall Temu ist Teil einer umfassenden Verschärfung der Digitalregulierung in Europa. Erst am 27. Mai 2026 stellte die Kommission ein „Tech-Sovereignty-Package" vor. Es soll den Einsatz nicht-europäischer Cloud-Dienste für sensible öffentliche Daten in Bereichen wie Gesundheit, Finanzen und Justiz einschränken. Ein neues Cloud- und KI-Entwicklungsgesetz wird für den 3. Juni 2026 erwartet.

Während Temu in Europa unter Druck steht, zeigt sich das Geschäft in den USA zuletzt wieder stabiler. Nach Preissenkungen von bis zu 60 Prozent verzeichnete die Plattform im April 2026 rund 353 Millionen Besuche. Die Muttergesellschaft PDD Holdings kämpft jedoch mit Problemen: Der Aktienkurs fiel in diesem Jahr um 24 Prozent, die Gewinne schrumpften zwei Quartale in Folge.

Ab dem 1. Januar 2027 wird die DSA noch mehr Unternehmen betreffen. Dann sinkt die Umsatzschwelle für die Einhaltung der Regeln von 45 auf 10 Millionen Euro. Schätzungen zufolge werden rund 15.000 zusätzliche Online-Shops unter die strengeren Auflagen für Inhaltsmoderation und Transparenzberichte fallen.

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