Druckbranche: Verdi fordert sieben Prozent mehr Lohn für 99.000
03.06.2026 - 11:06:45 | boerse-global.de
000 Beschäftigte der deutschen Druckbranche. Die Tarifkommission beschloss den Auftakt zur Tarifrunde 2026 am 2. Juni in Kassel. Die Verhandlungen mit dem Bundesverband Druck und Medien (BVDM) beginnen am 6. Juli in Berlin.
Wirtschaftskrise setzt Druckereien massiv zu
Die Branche steckt in schwerem Fahrwasser. Der Geschäftsklimaindex des BVDM fiel im Mai 2026 auf 86,4 Punkte – ein Rückgang um 1,4 Prozent zum Vormonat. Nur fünf Prozent der Unternehmen bewerten ihre Lage als positiv, 27 Prozent dagegen negativ. Der Produktionsindex lag 2025 ganze 36 Prozent unter dem Vorkrisenniveau von 2019.
Betriebsbedingte Kündigungen und wirtschaftlicher Druck belasten derzeit viele Belegschaften in der Druckbranche. Dieser kostenlose Ratgeber zeigt Betriebsräten, wie sie bei Sozialplänen und Interessenausgleichen das Beste für die betroffenen Kollegen herausholen. Kostenlosen Ratgeber für faire Sozialpläne herunterladen
Die Kosten explodieren: Die Erzeugerpreise für grafische Papiere stiegen 2025 um 32 Prozent im Vergleich zu 2019. Die Importe legten im selben Jahr um 20 Prozent zu. Kein Wunder also, dass 81 Prozent der Firmen Auftrags- und Umsatzrückgänge als ihr größtes Geschäftsrisiko nennen.
Alteingesessene Betriebe schließen
Der wirtschaftliche Druck fordert Opfer. Die ADV-Augsburger Druck- und Verlagshaus – immerhin 175 Jahre alt – gibt auf. Nach erfolgloser Investorensuche wurde Ende Mai 2026 das Insolvenzverfahren eröffnet. Die Produktion läuft nur noch bis Ende August. Rund 100 Mitarbeiter verlieren ihren Job. Die Töchter Franz Schoder Druck GmbH und ADV Mediendienste GmbH sind nach Angaben des Unternehmens nicht betroffen.
Ein weiteres Traditionshaus steht vor der Abwicklung. Nach gescheiterten Sanierungsbemühungen droht 66 Beschäftigten die Kündigung. Branchenvertreter machen den ruinösen Preiskampf sowie steigende Energie-, Papier- und Logistikkosten dafür verantwortlich.
Wenn Standorte schließen oder Stellen abgebaut werden, müssen Arbeitnehmervertreter schnell und rechtssicher handeln. Erfahren Sie in diesem Gratis-Report, welche Mitbestimmungsrechte Ihnen beim Interessenausgleich zustehen und wie Sie Abfindungen sichern. Gratis PDF-Report zur Sozialauswahl sichern
Lichtblicke trotz Krise
Doch nicht überall herrscht Stillstand. Die German Print Group (GPG) baut ein neues Werk in Koblenz. Auf über 3.000 Quadratmetern entsteht eine Produktionsstätte für Großformat-Digitaldruck – Zielgruppe: Messebau und Einzelhandel. Der Einzug ist für den 30. Juni 2026 geplant.
Auch die Technik entwickelt sich weiter. Konica Minolta bringt die AccurioPress C5080-Serie auf den Markt. Die neuen Modelle bieten automatische Qualitätskontrolle und drucken bis zu 81 Seiten pro Minute. Vorgestellt werden sie auf der Print & Digital Convention am 16. und 17. Juni in Düsseldorf.
Tarifkonflikte als Teil eines größeren Bildes
Die Druckindustrie ist nur ein Schauplatz der aktuellen Arbeitskämpfe. Verdi-Chef Frank Werneke hat sich klar gegen geplante Sozialreformen positioniert. Vor einem Treffen mit Kanzler Merz am 10. Juni zog er „rote Linien": Die Verlängerung der täglichen Höchstarbeitszeit und Änderungen beim Renteneintrittsalter lehnt die Gewerkschaft strikt ab.
Parallel dazu drängen 14 Wirtschaftsverbände auf eine Modernisierung des Arbeitsrechts. Sie fordern die Umstellung von täglichen auf wöchentliche Höchstarbeitszeiten. Das Bundesministerium für Arbeit will noch vor der Sommerpause 2026 einen Gesetzesentwurf vorlegen.
Wirtschaftsnachrichten lesen ist gut - trading-notes lesen ist besser!
Für. Immer. Kostenlos.
