Drohnenabwehr, Bund

Drohnenabwehr: Bund investiert 10 Millionen in Technologiezentrum

Veröffentlicht am: 18.08.2026 um 15:10 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Bundesregierung und DLR starten in Cochstedt ein Technologiezentrum zur Drohnenabwehr. Geplant sind Investitionen von bis zu zehn Millionen Euro.

Bund und DLR eröffnen neues Zentrum für Drohnenabwehr in Cochstedt
Moderne Drohnen auf dem Rollfeld des Testgeländes am DLR-Standort Cochstedt bei Tageslicht. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Die Bundesregierung und das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) haben am Dienstag das neue Technologiezentrum Drohnensicherheit in Cochstedt eröffnet.

Bundesinnenminister Dobrindt und Forschungsministerin Bär nahmen die offizielle Inbetriebnahme in Sachsen-Anhalt vor, wobei zudem die Teilnahme von Forschungsministerin Schulze erwartet worden war. Das Vorhaben markiert einen zentralen Baustein in der Nationalen Sicherheitsstrategie zur Erprobung und Abwehr unbemannter Luftfahrtsysteme.

Forschung und Erprobung im Fokus

Das neue Zentrum verteilt seine Aktivitäten auf zwei Kernstandorte: Während in Braunschweig primär die Laborarbeit und die technologische Entwicklung angesiedelt sind, dient Cochstedt als zentrales Testgelände. Im Rahmen der Eröffnung wurde die Leistungsfähigkeit des Zentrums durch eine Vorführung mit 4 Drohnen demonstriert, die einen KI-gesteuerten Schwarmflug absolvierten.

Die Bundesregierung stellt für das Projekt eine Investition von bis zu 10 Mio. Euro bereit. Derzeit sind am Standort 40 Mitarbeiter beschäftigt, wobei ein Ausbau der Belegschaft auf 65 Stellen geplant ist.

Das DLR betreibt am Flughafen Magdeburg-Cochstedt bereits seit 2021 ein Nationales Erprobungszentrum. Der Standort selbst ist seit 2019 Teil des DLR-Netzwerks und verfügt über eine ausgewiesene Geozone mit den Abmessungen von 16x5 km für umfangreiche Flugtests.

Zu den zentralen Forschungsfeldern gehören die Ortung von Flugobjekten, die Erprobung von Störsignalen sowie der Einsatz spezieller Abfangdrohnen. Bereits im Juni nutzte die Bundeswehr das Gelände für eigene Testreihen.

Neben Sicherheitsaspekten steht die Entwicklung ziviler Anwendungen im Fokus, etwa der Test von Rettungsdrohnen wie der HAP-alpha. Dieses Modell weist eine Spannweite von 27m auf, wiegt 40kg und ist für Einsätze in einer Höhe von bis zu 20km konzipiert. Zudem wird der Einsatz von Drohnenschwärmen zur Erstellung präziser Lagebilder untersucht.

Reaktion auf wachsende Sicherheitsbedrohungen

Die Relevanz der Einrichtung wurde durch die politische Führung unterstrichen. Bundesinnenminister Dobrindt bezeichnete das Zentrum als bundesweit einzigartig. Er warnte vor den Herausforderungen eines Schattenkriegs des 21. Jahrhunderts und verwies auf ein globales Wettrüsten im Bereich der Drohnentechnologie. Forschungsministerin Bär mahnte zudem an, dass Deutschland bei der praktischen Anwendung dieser Technologien deutlich schneller werden müsse.

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Der Handlungsbedarf wird durch aktuelle Vorfälle verdeutlicht. Erst vor zwei Wochen kam es am Flughafen Leipzig/Halle zu einem schwerwiegenden Zwischenfall, als eine mit Sprengstoff bestückte Drohne ein Flugzeug vom Typ Antonow traf. Da der Zünder versagte, blieb ein größerer Schaden aus.

Die Bundesanwaltschaft hat die Ermittlungen aufgenommen und ordnet den Vorfall als schwerwiegenden Angriff ein. Angesichts von rund 800.000 registrierten Drohnen-Betreibern in Deutschland gewinnt die Kontrolle des Luftraums zunehmend an Bedeutung.

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Struktur der nationalen Drohnenabwehr

Die Eröffnung in Cochstedt ist Teil einer umfassenderen Strategie der Bundesregierung. Dazu gehört die bereits seit Dezember bestehende Drohnenabwehreinheit der Bundespolizei, deren Personalstärke perspektivisch auf 300 Kräfte aufgestockt werden soll. Ergänzend dazu ist ein gemeinsames Drohnenabwehrzentrum von Bund und Ländern vorgesehen.

Trotz der neuen Impulse gibt es innerhalb der Branche auch kritische Stimmen. Experten weisen auf die komplexen Zuständigkeiten hin, die zwischen der Bundeswehr, der Bundespolizei, den Landespolizeibehörden sowie privaten Anbietern verteilt sind. Dieses Nebeneinander der Verantwortlichkeiten beim Drohnenschutz führt immer wieder zu Kritik an einem drohenden Kompetenzchaos bei der operativen Abwehr von Bedrohungen.

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