Spritpreise, Claudia Kemfert

DIW-Expertin Kemfert fordert Mobilitätsgeld gegen hohe Spritpreise

Veröffentlicht am: 14.09.2026 um 13:25 Uhr | dts-nachrichtenagentur, AD HOC NEWS

Die Energieökonomin Claudia Kemfert vom DIW fordert angesichts stark gestiegener Spritpreise gezielte staatliche Entlastungen für besonders betroffene Haushalte. Pauschale Steuersenkungen und eine Abschaffung des CO2-Preises lehnt sie als falsches und wenig treffsicheres Instrument ab.

DIW fordert staatliche Maßnahmen gegen hohe Spritpreise
Tankstelle (Archiv) - Bild: via dts Nachrichtenagentur

Die Energieökonomin Claudia Kemfert vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) warnt angesichts der hohen Spritpreise vor erheblichen Belastungen für viele Bürger und fordert schnelle staatliche Unterstützung. Besonders Haushalte mit niedrigen Einkommen, Pendler und Menschen im ländlichen Raum müssten gezielt entlastet werden, um Kaufkraftschocks zu vermeiden.

DIW-Expertin plädiert für Mobilitäts- und Klimageld

Als sinnvolle Instrumente nennt Kemfert gezielte Entlastungen für besonders betroffene Haushalte, etwa über ein Mobilitätsgeld oder Klimageld. Diese Maßnahmen könnten direkt bei den Bürgern ankommen und so die finanzielle Belastung durch hohe Benzin- und Dieselpreise abfedern. Die Leiterin der Abteilung Energie, Verkehr und Umwelt am DIW äußerte sich dazu in einem Interview mit dem "Handelsblatt".

Gleichzeitig stellt Kemfert klar, dass sie pauschale Eingriffe in das Steuersystem kritisch sieht. Eine allgemeine Senkung der Energiesteuer könne zwar kurzfristig an der Zapfsäule wirken, der Staat könne jedoch nicht sicherstellen, dass die Entlastung vollständig an die Verbraucher weitergegeben werde. Ein Teil der Entlastung könne in höheren Margen der Mineralölunternehmen hängen bleiben, während die öffentlichen Haushalte hohe Einnahmeausfälle verkraften müssten.

Skepsis gegenüber Steuersenkung und Abschaffung des CO2-Preises

Pauschale Steuersenkungen bewertet die DIW-Expertin daher als teuer und wenig zielgenau. Auch eine Abschaffung des CO2-Preises hält sie für den falschen Weg. Die aktuellen Preissprünge an den Tankstellen seien nach ihrer Einschätzung vor allem durch Entwicklungen auf dem Weltmarkt und durch geopolitische Risiken verursacht und nicht primär durch die nationale CO2-Bepreisung.

Der CO2-Preis soll aus ihrer Sicht weiterhin als klimapolitisches Steuerungsinstrument wirken und Anreize für einen geringeren Verbrauch fossiler Energien setzen. Ein Aussetzen oder Abschaffen dieser Komponente würde die langfristige Umstellung hin zu klimafreundlicher Mobilität und Energieversorgung erschweren und könnte Klimaziele gefährden.

Warnung vor Kaufkraftschock und Inflationsrisiken

Für Autofahrer könnten nach Einschätzung Kemferts weitere Spritpreissteigerungen empfindliche Folgen haben. Dieselpreise nahe drei Euro und Benzinpreise um 2,50 Euro wären ein erheblicher Kaufkraftschock. Kurzfristig könnten viele Menschen ihr Mobilitätsverhalten kaum ändern, sodass Preissprünge direkt auf die Haushaltsbudgets durchschlagen.

Besonders betroffen wären Pendler, Haushalte mit niedrigen Einkommen und Menschen im ländlichen Raum, die mangels Alternativen auf das Auto angewiesen sind. Gleichzeitig könnten hohe Ölpreise Transport- und Produktionskosten in vielen Branchen erhöhen. Dies würde die allgemeine Preisentwicklung weiter antreiben und damit Inflation fördern, während die wirtschaftliche Dynamik gebremst werden könnte.

Hohe Spritpreise als Belastung für Wirtschaft und Gesellschaft

Die von Kemfert skizzierten Risiken verdeutlichen, dass stark steigende Kraftstoffpreise sowohl soziale als auch wirtschaftliche Folgen haben. Neben den unmittelbaren Mehrkosten für Verbraucher stehen Unternehmen unter Druck, ihre Kalkulationen anzupassen und Preissteigerungen entlang von Lieferketten weiterzugeben. Damit wächst die Gefahr, dass hohe Energiepreise die Konjunktur schwächen.

Vor diesem Hintergrund drängt die Energieökonomin darauf, dass staatliche Maßnahmen schnell greifen und gleichzeitig zielgenau gestaltet werden. Neben kurzfristiger Entlastung für besonders betroffene Gruppen bleibt aus Sicht der Expertin wichtig, die klimapolitische Lenkungswirkung von Preisen zu erhalten und langfristig den Umstieg auf effizientere und klimafreundliche Mobilitätsformen zu fördern.

Die Warnung der Energieökonomin Claudia Kemfert kommt in einer Phase, in der die Spritpreise für viele Haushalte spürbar gestiegen sind. Steigende Ölpreise, politische Unsicherheiten auf den Weltmärkten und anhaltende geopolitische Spannungen wirken sich direkt auf die Kosten für Benzin und Diesel aus. Für viele Menschen, insbesondere Berufspendler und Bewohner ländlicher Regionen, sind diese Ausgaben kaum flexibel reduzierbar.

Sozialer und wirtschaftlicher Druck

Wenn Dieselpreise sich der Marke von drei Euro nähern und Benzinpreise um 2,50 Euro liegen, trifft das Haushalte mit niedrigen und mittleren Einkommen besonders hart. Mobilität ist für den Arbeitsweg, die Kinderbetreuung oder den Zugang zu medizinischer Versorgung oft unverzichtbar. Steigende Energiekosten verschärfen damit die ohnehin bestehenden Belastungen durch Wohn-, Lebensmittel- und Strompreise. Für Unternehmen bedeuten höhere Kraftstoff- und Transportkosten steigende Produktionskosten, die häufig zumindest teilweise an Kunden weitergegeben werden.

Debatte um Instrumente der Entlastung

In der politischen Diskussion stehen unterschiedliche Ansätze nebeneinander: gezielte Transfers wie ein Mobilitäts- oder Klimageld, klassische Steuerentlastungen oder Eingriffe in die CO2-Bepreisung. Fachleute wie Kemfert betonen, dass pauschale Steuersenkungen zwar kurzfristig entlasten können, aber teuer sind und oft nicht dort ankommen, wo der Bedarf am größten ist. Gezielte Zahlungen an besonders betroffene Haushalte könnten sozial treffsicherer sein und gleichzeitig die klimapolitischen Anreize der CO2-Bepreisung erhalten.

Ausblick für Verbraucher

Für Verbraucher stellt sich die Frage, ob und wann Politik auf weitere Preissprünge reagiert. Je länger hohe Spritpreise anhalten, desto größer wird der Druck, strukturelle Antworten zu finden – etwa durch die Förderung effizienter Verkehrsmittel, den Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs und sozial ausgewogene Entlastungsprogramme. Kurzfristig bleibt vielen Haushalten jedoch nur, die direkten Kostensteigerungen im Budget aufzufangen, während die Diskussion um geeignete Maßnahmen Fahrt aufnimmt.

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