Digitalisierung, Arbeitsplatz

Digitalisierung am Arbeitsplatz: Körperlich Beschäftigte haben 20 Prozent mehr Krankheitstage

Veröffentlicht am: 26.09.2026 um 16:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Bei körperlich Tätigen gehen digitale Umstellungen mit schlechterer Gesundheit einher; Schulungen und unterstützende Führung mildern die Belastung.

Digitalisierung belastet Gesundheit in körperlichen Berufen stärker
Ein moderner, aufgeräumter Arbeitsplatz in einer Werkstatt mit Maschinen und Werkzeugen bei natürlichem Licht. Illustration mit AI erstellt.

Eine stärkere Digitalisierung am Arbeitsplatz wirkt sich bei Beschäftigten mit vorwiegend körperlichen Tätigkeiten negativ auf die Gesundheit aus. Zu diesem Ergebnis kommt eine gemeinsame Untersuchung des ifo-Instituts, des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) sowie der Universität Konstanz.

Während bei Büro- und Wissensberufen kein nachweisbarer negativer Zusammenhang zwischen dem Einsatz digitaler Technologien und dem Wohlbefinden der Angestellten festgestellt wurde, verzeichnen Beschäftigte in körperlich fordernden Berufen eine schlechtere Gesundheit und rund 20 % mehr Krankheitstage pro Jahr.

Technostress als wesentlicher Belastungsfaktor

Als eine maßgebliche Ursache für diese gesundheitlichen Beeinträchtigungen führen die Forschenden des ifo-Instituts, des IAB und der Universität Konstanz sogenannten Technostress an. Dieser trete insbesondere dann auf, wenn den Arbeitskräften die notwendigen Kenntnisse und Erfahrungen im Umgang mit neu eingeführten Systemen fehlen.

Während Fachkräfte in Büroberufen oft bereits über entsprechende Vorkenntnisse verfügen und digitale Werkzeuge dort eher als Entlastung wahrgenommen werden, führt die Umstellung in handwerklichen oder industriellen Abläufen häufig zu Überforderung.

Bei Beschäftigten in wissensintensiven Tätigkeiten und Büroberufen ließ sich im Rahmen der Untersuchung entsprechend kein vergleichbarer negativer Effekt der Digitalisierung auf das Wohlbefinden nachweisen.

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Weiterbildung und Führung statt reiner Lohnerhöhung

Die Untersuchung zeigt zudem Ansätze auf, wie Unternehmen die Belastung für betroffene Arbeitskräfte verringern können. Gezielte digitale Trainings sowie eine unterstützende Führung schwächen die negativen Folgen der Digitalisierung für die Gesundheit spürbar ab.

Dagegen genügen finanzielle Anreize allein nicht: Höhere Löhne federn die Belastungen der Analyse zufolge offenbar nicht ab. Für betriebliche Verantwortliche bedeutet dies, dass technische Neuerungen im Betriebsalltag zwingend von Schulungskonzepten und aufmerksamer Mitarbeiterführung begleitet werden müssen, um Ausfallzeiten zu verhindern.

Datengrundlage und Grenzen der Ergebnisse

Die wissenschaftliche Basis der Studie bilden repräsentative Befragungen sowie amtliche Sozialversicherungsdaten aus den Jahren 2011 bis 2019. Der Gesundheitszustand der Beschäftigten wurde in diesem Zeitraum unter anderem über eine Selbsteinschätzung auf einer Skala von 0 bis 10 erfasst.

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Gleichzeitig verweisen die Studienautoren des ifo-Instituts, des IAB und der Universität Konstanz auf die Grenzen der Aussagekraft: Die ermittelten Ergebnisse lassen sich nicht unmittelbar auf neuere Technologien wie generative oder agentische Künstliche Intelligenz übertragen.

Da der Untersuchungszeitraum vor den jüngsten Durchbrüchen in diesen KI-Segmenten endet, beziehen sich die festgestellten Effekte vor allem auf traditionellere Formen der betrieblichen Prozess- und Arbeitsplatzdigitalisierung.

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