Digitale Prävention: 82 Prozent der betrieblichen Angebote sind hybrid umsetzbar
Veröffentlicht am: 02.11.2026 um 16:48 Uhr | Redaktion boerse-global.deDie zunehmende Digitalisierung verändert die Gesundheitsförderung in Betrieben und im Alltag grundlegend. Am 30. Oktober 2026 stand diese Entwicklung im Mittelpunkt des 25. AOK-Forums Nürnberg, das unter dem Leitthema Vom Wissen ins Tun – Digitale Prävention für mehr gesunde Lebensjahre veranstaltet wurde.
Laut einem Bericht vom 2. November 2026 nahmen rund 80 Gäste vor Ort an der Fachtagung teil, während 190 Interessierte die Veranstaltung per Livestream verfolgten. Im Zentrum der Diskussionen standen die praktische Umsetzung digitaler Gesundheitsmaßnahmen sowie deren Reichweite in Unternehmen und Bildungseinrichtungen.
Wachsende Investitionen in digitale Gesundheitsformate
Nach Angaben der AOK Bayern lassen sich mittlerweile 82% der Angebote in der Betrieblichen Gesundheitsförderung digital beziehungsweise hybrid umsetzen. Die Nachfrage nach ortsunabhängigen Lösungen spiegelt sich auch in den Nutzungszahlen wider: Im Jahr 2025 verzeichnete die Kasse rund 85.000 Kursbuchungen in der Individualprävention, von denen knapp 10.000 auf Online- und Digitalkurse entfielen.
Insgesamt erreichten die Präventionsangebote der Krankenkasse im Jahr 2025 rund 1,35 Mio. Menschen. Das entspricht nahezu einer Verdopplung gegenüber dem Niveau von 2021.
Um diese Angebote weiter auszubauen, investiert die Kasse gezielt in digitale Infrastruktur. Von den gesamten Präventionsinvestitionen in Höhe von 41,8 Mio. Euro flossen gut 3% beziehungsweise rund 1,39 Mio. Euro in digitale Angebote.
Wer die betriebliche Prävention systematisch vorantreiben möchte, findet in diesem Leitfaden die passenden Instrumente für eine rechtssichere Umsetzung. Gefährdungsbeurteilung: So erstellen Sie GBUs, die Aufsichtsbehörden sofort anerkennen
Für 2026 sind mehr als 2 Mio. Euro für die Weiterentwicklung digitaler Lösungen eingeplant. Neben den Betrieben rücken auch Schulen in den Fokus: Die Initiative clever.gesund von Helmholtz Munich, die von der AOK Bayern gefördert wird, erreichte seit 2024 bereits mehr als 50 Schulen.
Begleitung von Unternehmen und Qualifizierung von Fachkräften
Neben rein virtuellen Formaten setzt die Kasse auf strukturierte Prozesse direkt in den Betrieben. Jährlich initiiert und begleitet die AOK Bayern in rund 2.000 bayerischen Unternehmen strukturierte Projekte im Betrieblichen Gesundheitsmanagement (BGM).
Um die Maßnahmen dauerhaft in den betrieblichen Strukturen zu verankern, bietet die Kasse die Ausbildung zur BGM-Gesundheitsfachkraft an. Zu den Inhalten zählen der strukturierte BGM-Prozess, dessen praxisnahe Anwendung sowie der Aufbau von Netzwerken.
Für die Absolventen werden regelmäßige Netzwerktreffen veranstaltet, um den fachlichen Austausch zu sichern. Wie praxisnah dieser Ansatz gelebt wird, zeigt sich unter anderem im Direktionsgebiet AOK Donau-Ries, wo eine Personalreferentin der Nördlinger Druckerei C.H.Beck diese Qualifizierung erfolgreich abschloss.
Neue Werkzeuge und methodische Ansätze in der Prävention
Flankiert wird der Trend zu systematischer Prävention durch Weiterentwicklungen auf Verbandsebene und in Forschungsinstituten. So veröffentlichte die Initiative Gesundheit und Arbeit (IGA) den sogenannten IGAcheck in einer überarbeiteten Fassung.
Moderne Präventionsarbeit im Betrieb erfordert praxiserprobte Hilfsmittel, die sowohl fachlich als auch vor Behörden standhalten. Warum erfahrene Sifas bei der Gefährdungsbeurteilung auf diese Vorlagen schwören
Das Instrument dient dazu, branchen- und berufsspezifische Anforderungs- und Belastungsprofile zu erstellen, Belastungsschwerpunkte aufzudecken und Präventionsmaßnahmen gezielt zu lenken.
Nach vier Jahren Praxiseinsatz hatten Rückmeldungen aus Unternehmen gezeigt, dass das bisherige Werkzeug die Erwartungen von Praktikern, beispielsweise im Rahmen der Gefährdungsbeurteilung, nicht in vollem Umfang erfüllte. Die Neuausgabe soll nun zusätzliche Einsatzmöglichkeiten erschließen.
Parallel dazu befasst sich die Forschung mit der Vermittlung von Präventionsinhalten. Das BGAG – Institut Arbeit und Gesundheit der DGUV untersucht im Rahmen der Initiative Arbeit und Gesundheit, inwieweit sich Erkenntnisse aus der Wirkungsforschung zur Produktwerbung auf Präventionsmedien übertragen lassen.
Während Fachleute vermehrt Methoden aus der kommerziellen Werbung einsetzen, äußern Kritiker die Sorge, unterhaltsame Formate könnten die Glaubwürdigkeit beeinträchtigen. Die bisherige Wirkungsforschung zu Präventionsmedien gilt jedoch bislang als wenig umfangreich.
