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Digital Markets Act: EU bereitet Milliardenstrafe gegen Google vor

27.05.2026 - 23:50:15 | boerse-global.de

Die EU-Kommission plant eine Rekordstrafe gegen Google wegen Verstößen gegen den Digital Markets Act durch Bevorzugung eigener Dienste.

Digital Markets Act: EU bereitet Milliardenstrafe gegen Google vor - Foto: über boerse-global.de
Digital Markets Act: EU bereitet Milliardenstrafe gegen Google vor - Foto: über boerse-global.de

Der Konzern soll gegen den Digital Markets Act (DMA) verstoßen haben, indem er eigene Dienste in der Suche bevorzugt. Insidern zufolge könnte die Strafe im hohen dreistelligen Millionenbereich liegen – die bislang schärfste Maßnahme seit Inkrafttreten der neuen Regeln.

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Eigene Dienste bevorzugt: Was Google vorgeworfen wird

Im Zentrum des Verfahrens steht der Vorwurf des „Self-Preferencing“ – also der Bevorzugung eigener Angebote. Konkret geht es um Google Flights, Google Hotels und Google Shopping. Die Regulierer argumentieren, dass der Suchmaschinenriese seine marktbeherrschende Stellung nutzt, um Nutzer gezielt zu eigenen Produkten zu lenken, während Konkurrenzangebote weiter unten in den Suchergebnissen landen.

Die Untersuchung läuft seit März 2025, nachdem die EU den Google-Mutterkonzern Alphabet als sogenannten „Gatekeeper“ eingestuft hatte. Solche Unternehmen – mit einer Marktkapitalisierung von über 75 Milliarden Euro und mehr als 45 Millionen monatlichen Nutzern in der EU – müssen Drittanbietern gleichen Zugang und gleiche Sichtbarkeit gewähren.

Google hat zwar bereits Änderungen an seiner Suchoberfläche vorgenommen, doch die Kommission zeigt sich unbeeindruckt. „Ein Bußgeld allein wird die Wettbewerbsprobleme nicht lösen“, heißt es aus Brüsseler Kreisen. Weitere technische Anpassungen seien in der Diskussion.

Der Konzern selbst wehrt sich: Die geforderten Änderungen würden die Nutzerefahrung verschlechtern und die Suche weniger effizient machen. Anfang Mai 2026 gewährte die Kommission Google zusätzliche Zeit für Verbesserungsvorschläge – doch die bisherigen Zugeständnisse reichen offenbar nicht aus.

Transatlantische Spannungen: Der heikle Zeitpunkt

Die Frage des richtigen Zeitpunkts sorgt intern für hitzige Debatten. Denn die Strafe könnte die Beziehungen zu den USA massiv belasten. Schon in der Vergangenheit hatte Donald Trump nach einer 2,95-Milliarden-Strafe gegen Google im September 2025 mit Vergeltungszöllen gedroht.

Noch brisanter: US-Vizepräsident J.D. Vance soll signalisiert haben, dass eine anhaltende Regulierung amerikanischer Firmen die Sicherheitskooperation gefährden könnte – bis hin zu einem möglichen Austritt aus der NATO.

Die Kommission steht vor einem Drahtseilakt: Sie will europäisches Recht durchsetzen, ohne einen Handelskrieg oder eine sicherheitspolitische Krise auszulösen. Während Digitalexperten wie der Grünen-Sprecher Volkan Zorba auf eine rigorose Durchsetzung des DMA drängen, mahnen andere zur Vorsicht.

Der DMA als scharfes Schwert

Die anstehende Strafe ist ein Härtetest für den Digital Markets Act. Das Gesetz gibt der EU deutlich schärfere Werkzeuge an die Hand als das klassische Kartellrecht. Möglich sind Bußgelder von bis zu zehn Prozent des weltweiten Jahresumsatzes. Bei Alphabet – mit rund 400 Milliarden Dollar Umsatz – wären das theoretisch bis zu 30 Milliarden Euro.

Dass die tatsächliche Strafe weit darunter liegen dürfte, liegt an den bereits erfolgten Zugeständnissen Googles und den laufenden Verhandlungen. Zum Vergleich: 2025 verhängte die EU gegen Apple und Meta gemeinsame Strafen von rund 700 Millionen Euro.

Doch Google steht noch vor weiteren regulatorischen Hürden. Im November 2025 leitete die Kommission ein Verfahren zur Benachteiligung von Nachrichtenverlagen ein. Und seit Dezember 2025 läuft eine Untersuchung zu den KI-Übersichten „Gemini“ – die Befürchtung: KI-generierte Zusammenfassungen könnten den Traffic für unabhängige Websites weiter reduzieren.

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Eine Geschichte der Rekordstrafen

Die neue Strafe reiht sich ein in eine lange Serie von EU-Verfahren gegen Google. Seit 2017 hat Brüssel Bußgelder von over acht Milliarden Euro verhängt:

  • 2017: 2,42 Milliarden Euro wegen Bevorzugung des eigenen Shopping-Dienstes
  • 2018: 4,34 Milliarden Euro im Android-Verfahren
  • 2019: 1,49 Milliarden Euro wegen AdSense
  • September 2025: 2,95 Milliarden Euro im AdTech-Fall

Doch die Erfahrung zeigt: Geld allein ändert oft wenig am Marktverhalten. Die EU denkt daher zunehmend über strukturelle Maßnahmen nach – etwa die Zerschlagung von Geschäftsteilen oder grundlegende Änderungen der Unternehmensstruktur.

Der DMA wurde genau deshalb geschaffen: um jahrelange Gerichtsverfahren zu vermeiden und schneller eingreifen zu können. Doch Googles Widerstand zeigt, wie schwierig die Regulierung integrierter digitaler Ökosysteme ist.

Ausblick: Was kommt auf die digitale Wirtschaft zu?

Noch vor der Sommerpause will die Kommission die Strafe verkünden – samt Auflagen zur Änderung der Suchalgorithmen. Der Fall wird Präzedenzcharakter haben, auch für andere Gatekeeper wie Amazon und Apple.

Besonders spannend: die Entscheidung zu Gemini. Sollte die EU KI-Zusammenfassungen als Wettbewerbsverstoß werten, könnte dies eine grundlegende Neugestaltung von Suchmaschinen im europäischen Binnenmarkt erzwingen.

Für Google bleibt die Quadratur des Kreises: europäisches Recht einhalten, ohne die globale Produktstrategie zu gefährden. Das Unternehmen verhandelt weiter, hofft auf technische Kompromisse – und fürchtet eine Eskalation hin zur Zehn-Prozent-Umsatzgrenze.

Die internationale Wirtschaft schaut genau hin: Kann die EU ihre digitale Souveränität durchsetzen, ohne die transatlantischen Beziehungen nachhaltig zu beschädigen?

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