Digital Markets Act: AWS und Microsoft als Gatekeeper eingestuft
25.06.2026 - 10:55:00 | boerse-global.de
Die Europäische Kommission hat die Cloud-Sparten von Amazon (AWS) und Microsoft vorläufig als Gatekeeper im Sinne des Digital Markets Act eingestuft. Damit unterstellt Brüssel die beiden Marktführer strengen Wettbewerbsregeln.
Die Entscheidung ist das Ergebnis einer längeren Prüfphase. Bereits im November 2025 leitete die Kommission Marktuntersuchungen zu Microsoft Azure und AWS ein. Ziel war es, deren Rolle als zentrale Plattformen für den digitalen Markt zu bewerten. Eine erste Evaluierung des DMA Ende April zeigte: Das Gesetz entfaltet Wirkung, schöpft sein Potenzial aber noch nicht voll aus. Mit der Einstufung der Cloud-Dienste soll genau das nachgeholt werden.
Hohe Strafen bei Verstößen
Die vorläufige Einstufung verpflichtet beide Unternehmen zur Einhaltung strenger Verhaltensregeln. Eine endgültige Entscheidung über den Gatekeeper-Status erwartet die Kommission für November dieses Jahres. Verstöße gegen die DMA-Auflagen können teuer werden: Bußgelder von bis zu zehn Prozent des weltweiten Jahresumsatzes sind möglich.
Die Cloud-Sparte rückt damit ins Visier der Regulierer – ein klares Signal für die wachsende Bedeutung dieser Infrastruktur. In der Vergangenheit führte die Kommission bereits Verfahren gegen Apple und Meta, die in Bußgeldern im dreistelligen Millionenbereich endeten.
Europa setzt auf eigene Cloud-Lösungen
Die Regulierung der US-Marktführer ist Teil einer breiteren Strategie. Anfang Juni stellte die EU-Kommission ein Paket zur technologischen Souveränität vor. Kernstück: der „Cloud and AI Development Act“ (CADA). Er soll die Rechenzentrumskapazitäten in Europa innerhalb von fünf bis sieben Jahren verdreifachen und Genehmigungsverfahren auf maximal zwölf Monate begrenzen. Das Investitionsprogramm InvestAI stellt dafür 200 Milliarden Euro bereit.
Die EU stuft AWS und Microsoft als Gatekeeper ein – mit weitreichenden Folgen für Ihr Unternehmen. Wer seine Cloud-Strategie nicht anpasst, riskiert Bußgelder von bis zu zehn Prozent des weltweiten Jahresumsatzes. Dieser Report liefert die entscheidenden Schritte zur DMA-Compliance und zeigt europäische Alternativen auf. Jetzt kostenlosen Compliance-Report anfordern
Parallel treibt das „EUROPA-Konsortium“ die Entwicklung eines eigenen, quelloffenen KI-Modells voran. Es soll über 400 Milliarden Parameter verfügen und in 24 EU-Sprachen trainiert werden – auf Basis von 6.000 spezialisierten Prozessoren. Verfügbar sein soll das Modell zwischen Ende 2027 und Mitte 2028.
Deutsche Unternehmen fordern Alternativen
Die Notwendigkeit europäischer Cloud-Lösungen untermauert der Bitkom Cloud Report 2026. Demnach halten 85 Prozent der befragten Unternehmen die Abhängigkeit von US-Anbietern für zu hoch – ein Anstieg um sieben Prozentpunkte im Vergleich zum Vorjahr. Zwar nutzen 71 Prozent der Firmen US-Dienste, doch 91 Prozent würden deutsche Anbieter bevorzugen, sofern diese verfügbar sind.
64 Prozent der Unternehmen sehen sich durch die US-Politik gezwungen, ihre Cloud-Strategie zu überdenken. Die Bereitschaft für mehr Datensouveränität ist hoch: 37 Prozent der Firmen würden einen Cloud-Dienst nutzen, der Daten ausschließlich in Deutschland speichert – selbst wenn er funktionale Defizite aufweist.
Strengere Regeln für Rechenzentren und KI
85 Prozent der deutschen Unternehmen halten die Abhängigkeit von US-Cloud-Anbietern für zu hoch – und 64 Prozent überdenken ihre Cloud-Strategie. Der EU AI Act kommt ab August 2026 mit ersten Transparenzpflichten. Nutzen Sie die Frist, um auf europäische Alternativen umzusteigen. Europäische Cloud-Alternativen jetzt prüfen
Neben der Wettbewerbsregulierung verschärfen sich auch die ökologischen Anforderungen. Die Bundesregierung einigte sich auf eine Reform des Energieeffizienzgesetzes. Neubauten müssen strengere Energiewerte erreichen, der Umstieg auf erneuerbare Energien ist bis Anfang 2030 Pflicht.
Gleichzeitig rücken die Compliance-Fristen des EU AI Acts näher. Ab dem 2. August 2026 greifen erste Transparenzpflichten und Anforderungen für Hochrisiko-KI-Systeme. Aktuelle Untersuchungen zeigen: Viele marktführende KI-Modelle erfüllen die EU-Anforderungen noch nicht vollständig. Während US-Modelle bei Compliance-Aufgaben teils führend sind, positionieren sich europäische Alternativen als datenschutzkonforme Optionen für den Binnenmarkt.
