Diesel-Rabatt: Nur 12 Cent von 17 Cent an Verbraucher weitergegeben
30.06.2026 - 23:51:51 | boerse-global.de
Am 30. Juni verzeichneten Tankstellen bundesweit massive Preissprünge. Der ADAC meldete zur Mittagszeit einen Anstieg von 24 Cent beim Diesel und 20,3 Cent bei Super E10. Im Tagesdurchschnitt kostete ein Liter E10 1,861 Euro, Diesel lag bei 1,784 Euro.
Die Entwicklung hatte sich bereits abgezeichnet: Seit dem 23. Juni waren die Preise kontinuierlich gestiegen – E10 um 4,4 Cent, Diesel um 5,3 Cent. An zahlreichen Tankstellen bildeten sich lange Schlangen. In Magdeburg berichteten Beobachter von Spitzenwerten mit bis zu 31 Cent Aufschlag pro Liter.
ADAC kritisiert ungerechtfertigte Preispolitik
Der ADAC bezeichnete die Entwicklung als ungerechtfertigt. Der Grund: Die Rohölpreise waren im gleichen Zeitraum gesunken. Experten verwiesen zudem auf die sogenannte 12-Uhr-Regel. Rund 90 Prozent der Preisanhebungen fanden demnach im Zeitfenster zwischen 11:50 und 12:10 Uhr statt.
Kartellamt: Rabatt wurde nicht vollständig weitergegeben
Kartellamtspräsident Mundt zog am 29. Juni eine kritische Bilanz. Die Steuerreduktion von insgesamt rund 17 Cent pro Liter sei nicht vollumfänglich an die Verbraucher weitergegeben worden. Das Ifo-Institut bestätigte diese Einschätzung.
Bei Superbenzin (E5 und E10) wurde der Rabatt nahezu vollständig weitergegeben. Bei Diesel entfielen jedoch nur 12 Cent der Entlastung auf die Endkunden. Das Kartellamt leitete daraufhin Verfahren gegen alle deutschen Raffineriebetreiber ein. Geprüft werden mögliche Wettbewerbsverstöße.
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Der Branchenverband en2x widersprach der Darstellung. Die Verbraucherzentralen warnten vor Extragewinnen der Mineralölkonzerne auf Kosten der Steuerzahler.
1,6 Milliarden Euro Kosten für den Steuerzahler
Der Tankrabatt war als dreimonatige Senkung der Energiesteuer auf das EU-Mindestmaß konzipiert. Rechnerisch ergab sich eine Entlastung von 14 Cent plus Mehrwertsteuer – insgesamt 16,7 Cent pro Liter. Die Kosten für den Bundeshaushalt belaufen sich auf rund 1,6 Milliarden Euro.
DIW-Chef Fratzscher sprach sich gegen eine Fortführung oder Wiederholung solcher Instrumente aus.
Ausblick: Weiterer Preissprung am 1. Juli erwartet
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Für den 1. Juli erwarten Branchenexperten einen weiteren Preissprung. Gegen 12 Uhr steigen die Steuersätze wieder auf ihr ursprüngliches Niveau. Der Bundesverband freier Tankstellen (bft) rechnet mit einem anhaltend hohen Ansturm bis zum Mittwochmittag.
In der politischen Debatte wurden bereits Modelle für Preisdeckel nach internationalem Vorbild diskutiert. Gleichzeitig beeinflusst eine Einigung zwischen den USA und dem Iran die Marktlage – die Rohölpreise sinken. Der Preis für die Sorte Brent lag zuletzt bei 63,40 Euro pro Fass.
