Corona-Virus belastet globale Konjunktur

07.02.2020 - 16:44:52 | ad-hoc-news.de

Die wirtschaftlichen Folgen des Corona-Virus für die Weltwirtschaft sind noch nicht abzusehen, allerdings zeichnen sich erste Einbrüche für deutsche Unternehmen ab.

Büro-Hochhaus - Foto: über dts Nachrichtenagentur
Büro-Hochhaus - Foto: über dts Nachrichtenagentur
Der Vorstandsvorsitzende des Münchner Automobilzulieferers Webasto, Holger Engelmann, geht von einem deutlichen Einbruch bei den Umsatzzahlen aufgrund des Corona-Virus in China aus. Die Situation in China ist für unser Unternehmen als sehr kritisch einzuschätzen, äußerte der Topmanager gegenüber der „Süddeutschen Zeitung“. Ein ohnehin schon schwieriges Geschäftsjahr, wird durch die Ereignisse in China zusätzlich enorm belastet. Aufgrund der Verkehrswende in Europa sind die Automobilzulieferer mit einem Krisenszenario konfrontiert, das durch die rückläufigen Verkaufszahlen und die Produktionsausfälle in der Folge des Corona-Virus verschärft wird. Die Auswirkungen lassen sich derzeit zwar noch nicht im Endeffekt beziffern, aber wir spüren die ersten Erschütterungen ganz deutlich. Der Autozulieferer betreibt in China insgesamt elf Produktionsanlagen, die aktuell aufgrund der befürchteten Pandemie alle geschlossen sind. In China steht alles still, und vor dem 9.Februar wird sich daran auch nichts ändern. Wir planen derzeit eine Produktionsaufnahme für die zweite Februarwoche, aber ob sich das umsetzen lässt, ist mehr als fraglich. Zumindest die Produktionsanlagen in der chinesischen Provinz Hubei, die besonders unter den Folgen des Corona-Ausbruchs leidet, werden wohl wesentlich länger stillliegen. Selbst wenn wir morgen wieder anfangen könnten, würde es bis in den März dauern, bis wir wieder auf dem Produktionsniveau vor der Schließung wären. Das Geschäftsjahr 2020 wird interessant und „sportlich“, wie es Engelmann ausdrückt. Die Handelskonflikte zwischen China und den USA, der Umbau der Mobilitätssysteme und nun die Produktionsausfälle in China, werden sich in der nächsten Zeit für alle Zulieferer zu einer existenziellen Herausforderung verdichten, ist sich der Webasto-Chef sicher. Der Automobilzulieferer ist derzeit dabei, seine Produktions- und Lieferketten zu hinterfragen, um in Zukunft noch schneller auf Veränderungen im Markt reagieren zu können. Hier gibt es noch ein Potential, das wir ausschöpfen werden, ist sich Engelmann sicher. Wir haben eine In-Time-Produktion mit kurzen Wegen, um eine maximale Flexibilität zu gewährleisten und regional agieren zu können. Diese Strategie werden wir auch weiterhin verfolgen. Der Webasto-Vorstand kann sich sogar vorstellen, dass der Corona-Virus den Prozess der Globalisierung bremsen, wenn nicht gar umkehren kann. Wir werden zunächst versuchen, unsere Lieferketten in der Volksrepublik zu schließen. Webasto kam mit den ersten Infektionen, die in Deutschland festgestellt wurden, in die Schlagzeilen. Mehrere Mitarbeiter und deren Familienangehörige waren an dem Corona-Virus erkrankt und in Münchner Kliniken eingewiesen worden, nachdem eine chinesische Mitarbeiterin des Konzerns an einem Workshop in der Unternehmenszentrale teilgenommen hatte. Die Mitarbeiterin, die kurz zuvor aus Shanghai angereist war, hatte sich durch einen Besucher aus Wuhan mit dem Virus infiziert. Bis zum 12.Februar bleibt die Unternehmenszentrale in Stockdorf bei München nahezu ausgestorben. Die überwiegende Mehrzahl der 1.000 Mitarbeiter ist ins Homeoffice ausgewichen. Die Webasto-Mitarbeiter mussten seit den Ereignissen neue Erfahrungen machen, so der Webasto-Chef. Es gab Fälle, in denen Kindern von Mitarbeitern der Zugang zu Kindertagestätten verwehrt wurde. Partner von Webasto-Beschäftigten wurden freigestellt und wieder nach Hause geschickt. Und das, obwohl sie nicht zu den Risikogruppen gehörten. Wir haben versucht, uns der Thematik offen zu nähern und transparent zu kommunizieren. Engelmann mahnte mehr Rationalität und Sachlichkeit im Umgang mit dem Virus an. Ich kann nachvollziehen, dass sich die Menschen in der Umgebung Sorgen machten, aber es gäbe kein Grund für eine Panik. Wenn die Konsequenz unserer Transparenz die Stigmatisierung unserer Mitarbeiter ist, werden wir das nächste Mal lange nachdenken, ob wir wieder so vorgehen werden, äußerte der Vorstandschef gegenüber der „Süddeutschen Zeitung“.

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