Die Welt hat die Rallye verpasst
Veröffentlicht: 05.06.2009 um 13:44 Uhr, Redaktion AD HOC NEWS, Redaktionelle Verantwortung: Rafael Müller (Chefredaktion)Besser als in den vergangenen Tagen konnte es an Asiens Börsen gar nicht laufen. Die Märkte sind in Bestlaune – die Hausse nährt die Hausse. Nachdem die mögliche Korrektur, auf die viele Anleger gewartet haben, bisher ausblieb, drängen jetzt immer mehr Investoren auf den Markt. Sie müssen den Kursen hinterher rennen, da sie im Frühjahr den Einstieg nicht gewagt haben. Dies gilt nicht nur für die Privatanleger, sondern auch für die institutionellen Investoren. Die plötzliche Erholung hat fast alle Marktteilnehmer überrascht. Die Investmentbank JP Morgan schrieb in einer Studie Anfang dieser Woche zu Recht: „Die Welt hat die Rallye verpasst“.
Den ASIEN-TRENDS-Lesern ist dies glücklicherweise nicht passiert. Bereits seit Jahresbeginn haben wir wieder massiv zum Einstieg geraten. Gleichzeitig empfahlen wir seinerzeit, verstärkt auf zyklische Werte aus den Bereichen Export, Technologie und Rohstoffe zu setzen. Dadurch konnten erstklassige Titel zu Dumping-Preisen abgegriffen werden. Natürlich trafen auch wir bei unseren Kaufempfehlungen nicht immer die absoluten Tiefstpunkte. Dennoch gibt der Erfolg unserer Strategie recht. Auf der ASIEN-TRENDS-Empfehlungsliste liegen inzwischen mehr als die Hälfte aller Positionen über 40 Prozent im Plus. Zwei Titel haben sich binnen zweier Monate mehr als verdoppelt; in zwei weiteren Fällen haben wir bereits Gewinnmitnahmen in Höhe von 186 Prozent und 150 Prozent vorgenommen.
Gerade in Asien sind viele Titel immer noch sehr günstig zu haben. Die Region wurde von den internationalen Investoren in der Krise gemieden wie keine zweite. Allein die amerikanischen Anleger zogen 2008 insgesamt 42 Milliarden Dollar aus ihren Asien-Aktienfonds ab. Dabei ist, wie wir heute wissen, etwa das Bruttoinlandsprodukt Chinas im ersten Quartal um weitere 6,1 Prozent gestiegen; die indische Wirtschaft ist um 5,8 Prozent gewachsen. Im Gegensatz dazu brach die Wirtschaftsleistung in den USA im gleichen Zeitraum um 5,7 Prozent ein, das deutsche Bruttoinlandsprodukt schrumpfte um 3,8 Prozent. Seit März findet bei den Anlegern dementsprechend ein gewisses Umdenken statt. So pumpten etwa die amerikanischen Investoren, über die uns verlässliche Daten vorliegen, inzwischen wieder rund 14 Milliarden Dollar in Fonds, die sich rein auf Asien fokussieren. Die Mehrheit der Privatanleger sitzt aber immer noch auf ihren Festgeld-Konten, oder hofft auf weitere Kursgewinne am US-Aktienmarkt.
In einigen Jahren wird jedermann erkennen, dass die globale Krise für den Anleger vor allem eins war: Eine einmalige Chance auf hohe Renditen und Kursgewinne. Die große Mehrheit wird diese Gelegenheit aber wieder einmal nicht beim Schopfe packen, sondern weiter abwarten. Sie wird passiv bleiben, bis der Konjunktur-Himmel wieder voller Geigen hängt, und alle Welt zum Einstieg rät. Natürlich kann man auch dann noch Gewinne erzielen. Den Großteil der Aufschläge werden aber die frühen, wagemutigeren Investoren eingestrichen haben. Dieses Muster wiederholt sich in jedem Aktien-Zyklus. Es ist im Grunde kein Wunder, dass die meisten Anleger an der Börse kaum Geld verdienen.
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