Ifo-Beschäftigungsbarometer, Arbeitsmarkt

Ifo-Beschäftigungsbarometer steigt: Arbeitsmarkt stabilisiert sich langsam

Veröffentlicht am: 28.09.2026 um 11:01 Uhr | dpa, AD HOC NEWS

Die Unternehmen in Deutschland planen weniger Stellenabbau: Das Ifo-Beschäftigungsbarometer steigt im dritten Monat in Folge auf 95,1 Punkte. Von einer echten Erholung kann laut Ifo jedoch noch keine Rede sein.

In der Industrie wird der Jobabbau nicht mehr so stark vorangetrieben wie zuletzt. (Archivbild) - Bild: Julian Stratenschulte/dpa
In der Industrie wird der Jobabbau nicht mehr so stark vorangetrieben wie zuletzt. (Archivbild) - Bild: Julian Stratenschulte/dpa

Die Unternehmen in Deutschland bremsen den Stellenabbau, doch in den meisten Branchen überwiegen weiterhin die Pläne, Arbeitsplätze abzubauen.

Barometer erreicht höchsten Stand seit August 2025

Das Beschäftigungsbarometer des Münchner Ifo-Instituts stieg den dritten Monat in Folge auf 95,1 Punkte. Zuletzt hatte der Index im August vergangenen Jahres auf diesem Niveau gelegen; höher war er zuletzt im Juli 2024.

„Der Arbeitsmarkt stabilisiert sich“, sagte Klaus Wohlrabe, Leiter der Ifo-Umfragen. Eine echte Erholung sei aber noch nicht in Sicht. In der Industrie und im Handel würden weiterhin Stellen abgebaut.

Dienstleistungen mit positivem Saldo

Positiv entwickelte sich der Dienstleistungssektor. Der Saldo lag bei plus 0,7 Punkten. Damit war der Anteil der Unternehmen mit geplanten Neueinstellungen höher als der Anteil der Unternehmen mit Abbauplänen.

Zusätzliche Beschäftigte suchen dem Ifo zufolge unter anderem Ingenieurbüros, Rechts- und Steuerberatungen sowie Wirtschaftsprüfer. Auch Leiharbeitsfirmen schöpften wieder etwas Hoffnung.

Industrie deutlich weniger pessimistisch

Auf dem Bau blieb der Saldo mit minus 1,2 Punkten leicht negativ und veränderte sich zuletzt kaum. Im verarbeitenden Gewerbe lag er bei minus 9,4 Punkten. Vor zwei Monaten hatte der Wert noch minus 18,2 betragen.

Besser als aktuell war der Industriesaldo zuletzt im März 2024. Einstellungen sind laut Ifo vor allem in der Nahrungsmittelindustrie sowie bei Herstellern von Datenverarbeitungsgeräten und elektronischen und optischen Erzeugnissen vorgesehen.

Handel bleibt Schlusslicht

Am schlechtesten schnitt der Handel mit minus 12,8 Punkten ab. Auch dieser Wert gehört jedoch zu den besseren der vergangenen Jahre. Abgesehen vom stagnierenden Handel verbesserten sich die Salden in allen Bereichen leicht, wodurch der Gesamtindex um 0,3 Punkte zulegte.

Der Vergleichswert 100 entspricht dem Durchschnitt des Jahres 2015. Die Schwelle hat keine zusätzliche Bedeutung für die Bewertung von Beschäftigungszuwachs oder Stellenabbau.

Signal für eine vorsichtige Stabilisierung

Das Ifo-Barometer misst die Beschäftigungspläne der Unternehmen und ist damit ein Frühindikator für den Arbeitsmarkt. Der Anstieg auf 95,1 Punkte bedeutet nicht, dass bereits mehrheitlich neue Stellen entstehen: Unter dem Strich überwiegen die Abbaupläne weiterhin. Entscheidend ist, dass sich die negative Tendenz den dritten Monat in Folge abgeschwächt hat.

Die Unterschiede zwischen den Branchen zeigen, wo die deutsche Wirtschaft derzeit besonders unter Druck steht. Industrie und Handel reagieren typischerweise stark auf schwache Nachfrage, hohe Kosten und zurückhaltende Investitionen. Dass sich der Industriesaldo gegenüber dem Stand vor zwei Monaten deutlich verbessert hat, spricht für eine Entspannung der Abbaupläne, nicht jedoch für eine breit angelegte Einstellungswelle.

Dienstleistungen als wichtigster Lichtblick

Der positive Saldo im Dienstleistungssektor fällt für Beschäftigte und Arbeitssuchende besonders ins Gewicht, weil dort viele unterschiedliche Tätigkeiten gebündelt sind. Ingenieurbüros, Beratungen und Wirtschaftsprüfer profitieren offenbar eher von weiterhin vorhandener Nachfrage nach Planung, Regulierung und Unternehmensdienstleistungen. Gleichzeitig bleibt der Handel der schwächste Bereich.

Für den Alltag bedeutet das: Der Arbeitsmarkt könnte zunächst widerstandsfähiger werden, während sich eine echte Erholung erst bei dauerhaft steigender Nachfrage und besseren Investitionsbedingungen zeigen würde. Der Indexstand unter 100 ist dabei kein Grenzwert für Beschäftigungszuwachs oder -abbau, sondern ein Vergleich mit dem Durchschnitt des Jahres 2015. Die nächsten Monatswerte werden daher vor allem zeigen, ob die Stabilisierung anhält und weitere Branchen erreicht.

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