Elterngeld, Familienpolitik

SPD-Frauen fordern vierwöchige Familienstartzeit mit vollem Lohn

Veröffentlicht am: 14.09.2026 um 18:47 Uhr | dts-nachrichtenagentur, AD HOC NEWS

Die SPD-Frauen schlagen eine vierwöchige Familienstartzeit mit vollem Lohnausgleich für Partner nach der Geburt vor, um geplante Einschnitte beim Elterngeld auszugleichen. Der Vorschlag setzt auf ein Umlageverfahren, an dem sich Arbeitgeber finanziell beteiligen sollen.

SPD-Frauen wollen Familienstartzeit einführen
Zwei Frauen mit Kinderwagen (Archiv) - Bild: via dts Nachrichtenagentur

Die SPD-Frauen sprechen sich für die Einführung einer Familienstartzeit aus, um geplante Einschnitte beim Elterngeld abzufedern. Der Vorschlag sieht vor, Partner nach der Geburt eines Kindes für vier Wochen bei vollem Lohnausgleich freizustellen.

SPD-Frauen kritisieren Kürzungspläne beim Elterngeld

Auslöser ist ein Beschluss der SPD-Frauen, in dem die von Ministerin Prien vorgeschlagenen Kürzungen beim Elterngeld als gleichstellungspolitischer Rückschritt bezeichnet werden. Ein wesentlicher Teil der Einsparungen würde demnach dadurch entstehen, dass in vielen Familien die bislang von der Mutter genutzten zwölf Monate faktisch auf neun Monate reduziert würden. Dies würde nach Ansicht der Sozialdemokratinnen die finanzielle Absicherung junger Familien in einer sensiblen Phase schwächen.

Konzept einer vierwöchigen Familienstartzeit

Um das Elterngeld kurzfristig in seiner bisherigen Form zu erhalten, fordern die SPD-Frauen eine vierwöchige Familienstartzeit unmittelbar nach der Geburt. Partner sollen in diesem Zeitraum bei vollem Lohnausgleich von der Arbeit freigestellt werden. Ziel ist es, beiden Elternteilen in den ersten Wochen mehr gemeinsame Zeit mit dem Kind zu ermöglichen und zugleich den Druck zu mindern, frühzeitig wieder voll ins Erwerbsleben einzusteigen.

Finanzierung über Umlageverfahren

Finanziert werden soll die Familienstartzeit nach dem Vorschlag der SPD-Frauen über ein Umlageverfahren, an dem sich auch Arbeitgeber beteiligen. In dem Beschluss wird betont, man sei der Überzeugung, dass Arbeitgeber ihren Anteil leisten müssten für ein Land, das familienfreundlich ist und das Bekommen von Kindern fördert. Kinder würden später selbst zu Arbeitnehmern und damit zur wirtschaftlichen Basis beitragen.

Belastung für Unternehmen laut SPD begrenzt

Die SPD argumentiert, dass Unternehmen durch die Umlage nicht übermäßig belastet würden. Felix Döring, SPD-Abgeordneter und Mitglied im Haushaltsausschuss, erklärte dem "Spiegel", ein Unternehmen mit 100 Mitarbeitern müsste durchschnittlich gut 400 Euro pro Monat in die Umlage einzahlen. Unternehmen dieser Größenordnung würden nach seiner Einschätzung mit diesem Beitrag nicht überfordert. Damit soll deutlich gemacht werden, dass die vorgeschlagene Familienstartzeit aus Sicht der SPD finanzierbar ist und zugleich die Vereinbarkeit von Familie und Beruf stärken könne.

Die Forderung der SPD-Frauen nach einer vierwöchigen Familienstartzeit zielt auf eine kurzfristige Absicherung des bestehenden Elterngeldsystems und reagiert unmittelbar auf die geplanten Kürzungen von Bildungsministerin Prien. Im Zentrum steht die Sorge, dass die bisher von vielen Müttern genutzten zwölf Elterngeld-Monate faktisch auf neun Monate schrumpfen würden und damit die finanzielle Planbarkeit in der frühen Phase des Familienlebens sinkt.

Hintergrund des Konflikts um das Elterngeld

Elterngeld ist in Deutschland ein zentrales Instrument, um Eltern nach der Geburt eines Kindes ein Stück weit vom Erwerbsdruck zu entlasten und ihnen Zeit für Betreuung und Bindung zu ermöglichen. Die diskutierten Einschnitte würden insbesondere Familien mit mittleren Einkommen treffen und könnten dazu führen, dass Mütter früher als geplant in den Beruf zurückkehren müssen. Die SPD-Frauen sehen darin einen gleichstellungspolitischen Rückschritt, weil traditionelle Rollenbilder verstärkt und die innerfamiliäre Verteilung von Sorgearbeit verfestigt werden könnten.

Gleichstellung und Rolle der Arbeitgeber

Mit der Familienstartzeit wird ein alternativer Ansatz skizziert, der den Partner – häufig den Vater – vier Wochen lang bei vollem Lohnausgleich freistellt. Das soll die gemeinsame Verantwortung beider Elternteile von Beginn an stärken und die ersten Wochen nach der Geburt als besonders sensible Phase absichern. Der vorgeschlagene Umlagemechanismus, an dem sich Arbeitgeber beteiligen, soll die Kosten breiter verteilen und zugleich ein Signal setzen, dass familienfreundliche Rahmenbedingungen als gesamtgesellschaftliche Aufgabe verstanden werden. Zugleich betont die SPD-Seite, dass die finanzielle Belastung für Unternehmen aus ihrer Sicht moderat bleibt.

Mögliche Folgen für Familien und Arbeitswelt

Kommt eine Familienstartzeit wie skizziert, könnte sie die Debatte über partnerschaftliche Aufteilung von Erwerbs- und Sorgearbeit neu beleben. Für Familien entstünde eine zusätzliche, klar planbare Phase gemeinsamer Betreuung unmittelbar nach der Geburt. In der Arbeitswelt würde eine solche Regelung die Personalplanung rund um Geburten strukturieren, könnte aber auch Fragen nach der Ausgestaltung der Umlage, der Vereinbarkeit mit bestehenden Elternzeit-Regelungen und der Beteiligung verschiedener Branchen aufwerfen.

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