Spritpreise, Tankrabatt

Spritpreise sinken vor Tankrabatt deutlich – Steuernachlass startet um Mitternacht

Veröffentlicht am: 30.09.2026 um 15:33 Uhr | dpa, AD HOC NEWS

Die Preise für Benzin und Diesel sind bereits am Mittwoch deutlich gefallen – wenige Stunden vor dem Start des Tankrabatts. Ab Donnerstag soll der Steuernachlass von 16,7 Cent je Liter vollständig an die Verbraucher weitergegeben werden.

Die Spritpreise sinken bereits vor dem Start des Tankrabatts.  - Bild: Sina Schuldt/dpa
Die Spritpreise sinken bereits vor dem Start des Tankrabatts. - Bild: Sina Schuldt/dpa

Die Preise für Benzin und Diesel sind am Mittwoch bereits vor dem Start des Tankrabatts deutlich gesunken.

Preise am Vormittag niedriger

Super E10 kostete nach Angaben des ADAC um 10.00 Uhr 4,2 Cent weniger als 24 Stunden zuvor. Diesel verbilligte sich im selben Zeitraum um 3,9 Cent. Kurz vor dem Preisanstieg am Mittag lagen beide Kraftstoffsorten beim Spritpreisportal Tankerkönig sogar rund fünf Cent unter dem Niveau des Vortags.

Der Anstieg zur Mittagszeit fiel dennoch etwas stärker aus als zuletzt. Bereits am Dienstag waren die bundesweiten Tagesdurchschnittspreise zurückgegangen: E10 kostete 2,258 Euro je Liter, Diesel 2,409 Euro.

Ölmarkt als möglicher Faktor

Der ADAC konnte die Preisbewegung nicht eindeutig erklären. Eine Rolle dürfte nach Einschätzung des Automobilclubs die jüngste Entspannung an den internationalen Ölmärkten gespielt haben. Zudem hätten die Kraftstoffpreise zuvor ein außergewöhnlich hohes Niveau erreicht.

Steuernachlass startet um Mitternacht

Ab Donnerstag gilt ein Steuernachlass von 16,7 Cent je Liter. Er betrifft nur den Kraftstoff, der nach Mitternacht die Tanklager und Raffinerien verlässt. Der Branchenverband Fuels und Energie erwartet trotzdem, dass die Entlastung sofort vollständig weitergegeben wird.

„Die neuerliche Senkung von Energie- und Mehrwertsteuer wird ab 1. Oktober um Mitternacht ohne Einschränkungen und Aufschläge weitergegeben - wie schon im Mai und Juni“, sagte Hauptgeschäftsführer Christian Küchen. Der ADAC erwartet dagegen einen schrittweisen Rückgang.

Streit über Mitnahmeeffekte

ADAC-Kraftstoffexperte Christian Laberer forderte eine möglichst schnelle und vollständige Weitergabe. Zugleich befürchte der Automobilclub Mitnahmeeffekte, bei denen der Steuerrabatt nicht vollständig bei den Autofahrern ankomme.

Der Branchenverband widerspricht und verweist auf den intensiven Wettbewerb unter rund 14.000 Tankstellen. Andere Kostenfaktoren könnten sich bei der Preisbildung verändern, argumentierte Küchen.

Keine Engpässe erwartet

Beim Tankrabatt im Mai und Juni hatten unter anderem das Ifo-Institut, die Monopolkommission und das Bundeskartellamt eine weitgehende, aber nicht vollständige Weitergabe festgestellt. Der Branchenverband wies diese Einschätzung zurück.

Der ADAC rechnet trotz der erwarteten hohen Nachfrage nicht mit leeren Tankstellen. Auch beim vorherigen Tankrabatt im Mai habe es keine Engpässe gegeben.

Entlastung hängt vom Markt ab

Der Steuernachlass von 16,7 Cent je Liter gilt vom 1. Oktober bis zum Jahresende. Rechnerisch kann das eine Tankfüllung von 50 Litern um etwa 8,35 Euro verbilligen. Der tatsächliche Preis an der Zapfsäule hängt jedoch zusätzlich von Rohölnotierungen, Raffineriekosten, Transport, Wechselkursen und der Preispolitik der Tankstellen ab.

Die Ausgangslage ist für Autofahrer besonders angespannt: Der September gilt bereits vor seinem Ende als teuerster Tankmonat seit Beginn der ADAC-Vergleichsreihe. Als Gründe werden ein hohes Ölpreisniveau und eingeschränkte Raffineriekapazitäten genannt. Die nun beobachteten Rückgänge können den außergewöhnlich hohen Monatsdurchschnitt daher nur begrenzt verändern.

Streit über Weitergabe

Die zentrale politische Frage lautet, wie viel der staatlichen Entlastung bei den Verbrauchern ankommt. Für den Tankrabatt im Frühjahr kamen mehrere wirtschaftspolitische Prüfungen zu dem Ergebnis, dass die Senkung weitgehend, aber nicht vollständig weitergegeben worden sei. Die Mineralölwirtschaft weist diese Bewertung zurück und verweist auf Wettbewerb zwischen rund 14.000 Tankstellen.

Für Pendler, Familien und Unternehmen mit hohem Kraftstoffverbrauch ist deshalb nicht nur der Mitternachtspreis relevant, sondern die Entwicklung über mehrere Tage. Ein schneller Preisvergleich kann helfen, regionale Unterschiede zu nutzen. Zugleich bleibt die Maßnahme sozial ungezielt: Wer viel fährt, erhält absolut mehr Entlastung als Menschen mit geringem oder keinem Autobesitz.

Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen

FOCUS online: „Spritpreise könnten trotz Tankrabatts nicht sinken“ (29.09.2026)

Der Bericht betone, der Steuerrabatt müsse nicht automatisch vollständig an den Tankstellen ankommen. Der ACE warne vor ausbleibenden deutlichen Preisrückgängen; zugleich verweise der Artikel auf frühere Bewertungen, wonach die Entlastung im Frühjahr nur unvollständig weitergegeben worden sei, während die Mineralölwirtschaft dies bestreite.

MDR: „Ökonom Ragnitz kritisiert Tankrabatt als sozial ungerecht“ (29.09.2026)

Das Medium schreibe, der Ökonom Joachim Ragnitz halte den Tankrabatt für sozial unausgewogen, weil auch einkommensstarke Autofahrer gleichermaßen profitierten. Der Bericht bestätige den bevorstehenden Start und die rechnerische Entlastung, setze den Schwerpunkt aber auf die Verteilungswirkung und fordere gezieltere Hilfen für Pendler, Vielfahrer und Menschen mit geringem Einkommen.

Beide Berichte bestätigten den Start des Tankrabatts und die fehlende Gewissheit über eine vollständige Weitergabe. Unterschiedliche Schwerpunkte lägen bei der kurzfristigen Preisentwicklung und bei der sozialen Zielgenauigkeit; offen bleibe, wie stark die Entlastung im konkreten Tankstellenpreis sichtbar werde.

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