Ladesäulen für E-Autos: Auslastung steigt trotz vieler freier Ladepunkte
Veröffentlicht am: 29.09.2026 um 04:00 Uhr | dpa, AD HOC NEWS
Die Auslastung öffentlicher Ladesäulen für Elektroautos nimmt nach Angaben mehrerer großer Betreiber in Deutschland zu, bleibt angesichts des starken Ausbaus der Infrastruktur aber insgesamt auf niedrigem Niveau.
Vattenfall meldet deutlich mehr geladene Energie
Vattenfall teilte mit, dass an seinen Ladesäulen in Deutschland seit Jahresbeginn rund zwei Drittel mehr Strom geladen worden sei als im gesamten Vorjahr. Das schwedische Unternehmen führte den Anstieg sowohl auf höhere Kraftstoffpreise als auch auf den Ausbau der Ladeinfrastruktur zurück.
Auch die größten Anbieter bestätigen eine zunehmende Nutzung. EnBW, nach der Zahl der Ladepunkte mit Abstand der größte Betreiber in Deutschland, erklärte, die Auslastung sei wegen der vielen Lademöglichkeiten insgesamt gering. Auf diesem Niveau entwickele sie sich jedoch „generell sehr gut“.
Eon und EWE sehen wachsenden Bedarf
Eon teilte mit, grundsätzlich eine zunehmende Nutzung der öffentlichen Ladeinfrastruktur zu beobachten. Der Essener Energiekonzern begründete die Entwicklung vor allem mit der wachsenden Zahl von Elektroautos.
EWE nannte konkrete Zahlen: Die eigenen Ladepunkte seien durchschnittlich 30 Prozent stärker ausgelastet als im Vorjahr. Der Oldenburger Energieversorger verwies auf steigende Zulassungszahlen bei Elektroautos und höhere Ölpreise.
Mehr Nachfrage vor allem an Schnellladern
Aral teilte für den Energiekonzern BP mit, dass die Auslastung der Schnellladesäulen zunehme. Als Grund nannte das Unternehmen den Hochlauf der Elektromobilität in Deutschland und den deutlichen Anstieg der Neuzulassungen.
Nach dem Elektromobilitätsmonitor des Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft waren 2025 im Durchschnitt zwölf Prozent der öffentlichen Ladepunkte gleichzeitig belegt. Der Verband erklärte, die geringe zeitgleiche Belegung zeige, dass der Ausbau des Ladeangebots dem Hochlauf vollelektrischer Pkw weiterhin deutlich voraus sei.
Ladesäule und Ladepunkt sind nicht dasselbe
Eine Ladesäule kann über mehrere Ladepunkte verfügen. An jedem Ladepunkt kann gleichzeitig nur ein Fahrzeug geladen werden.
Mehr Nachfrage bei weiterhin großer Reserve
Die Betreiberangaben zeichnen ein einheitliches Bild: Öffentliche Ladeinfrastruktur wird häufiger genutzt, bleibt im Verhältnis zum vorhandenen Angebot aber vielerorts noch wenig ausgelastet. Die im DPA-Bericht genannte durchschnittliche gleichzeitige Belegung von zwölf Prozent im Jahr 2025 bedeutet, dass statistisch zahlreiche Ladepunkte frei waren, während der Bedarf regional und zu bestimmten Tageszeiten deutlich höher liegen kann.
Für Autofahrer ist deshalb nicht allein die Zahl der Ladepunkte entscheidend. Wichtig sind Standort, Ladeleistung, Zuverlässigkeit, Bezahlmöglichkeiten und die Frage, ob Schnelllader entlang stark befahrener Strecken verfügbar sind. Der Ausbau kann Wartezeiten verringern, zugleich aber den wirtschaftlichen Druck auf Betreiber erhöhen, wenn viele Anlagen nur in Spitzenzeiten ausgelastet sind.
Ölpreis und Elektroauto-Bestand als Treiber
Steigende Kraftstoffpreise machen die Betriebskosten von Verbrennern sichtbarer und können den Umstieg auf ein Elektroauto attraktiver machen. Gleichzeitig wächst mit den Neuzulassungen die Zahl potenzieller Nutzer der öffentlichen Infrastruktur. Dass das Ladenetz schneller wachsen kann als die Fahrzeugflotte, erklärt die weiterhin niedrige Durchschnittsbelegung.
Der weitere Hochlauf wird damit zu einer Balanceaufgabe: Betreiber müssen dort investieren, wo Nachfrage entsteht, und Stromnetze sowie Standorte ausreichend dimensionieren. Für Verbraucher dürfte die zunehmende Nutzung mittelfristig mehr Auswahl bringen, aber auch den Wettbewerb um stark frequentierte Schnellladepunkte verschärfen.
