Audi-Chef Döllner: 57 Prozent finden Trump-Auftritt falsch
Veröffentlicht am: 27.10.2026 um 13:41 Uhr | dpa, AD HOC NEWSFolgen für Audi und Neckarsulm
- Die YouGov-Befragung vom 26. Oktober umfasste 2.725 Erwachsene ab 18 Jahren.
- Audi will in Georgia unter anderem den großen SUV Q9 für den US-Markt bauen.
- Der VW-Sparplan sieht für Neckarsulm noch ein Jahr zur Vorlage eines tragfähigen Konzepts vor.
Umfrage sieht Döllners Trump-Auftritt kritisch
Eine Mehrheit der Menschen in Deutschland bewertet den Auftritt von Audi-Chef Gernot Döllner bei einer Wahlkampfveranstaltung von US-Präsident Donald Trump als unangemessen. 39 Prozent der Befragten sagten in einer repräsentativen YouGov-Umfrage, sie fänden den Auftritt „überhaupt nicht angemessen“, weitere 18 Prozent stuften ihn als „eher nicht angemessen“ ein.
Döllner hatte bei der Veranstaltung den Bau eines eigenen Audi-Werks im US-Bundesstaat Georgia angekündigt. Die Entscheidung löste Kritik aus, weil Audi interne Richtlinien hat, die Wahlkampfauftritte kurz vor Wahlen untersagen, und weil das Unternehmen zugleich den deutschen Standort Neckarsulm unter Spardruck setzt.
Befürworter bleiben deutlich in der Minderheit
Nur 7 Prozent hielten Döllners Auftritt „voll und ganz angemessen“, 11 Prozent nannten ihn „eher angemessen“. 25 Prozent äußerten keine Meinung oder wollten sich nicht äußern.
YouGov befragte am 26. Oktober 2.725 Erwachsene ab 18 Jahren. Die Ergebnisse gelten als repräsentativ für die deutsche Bevölkerung ab 18 Jahren. In den USA stehen am 3. November die Zwischenwahlen an.
Döllner verteidigt seine Teilnahme
Döllner begründete den Auftritt mit den Gesprächen über das geplante Werk in Georgia. Man sei gebeten worden, die Pläne gemeinsam mit dem US-Präsidenten öffentlich vorzustellen. Eine solche Einladung lehne man nicht ab; dies gebiete der Respekt vor dem Amt, erklärte der Audi-Chef.
Unterstützung erhielt er vom bayerischen Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger. Der Freie-Wähler-Politiker sagte, Döllner müsse realistisch einschätzen, wie solche Termine abliefen. Die Präsenz bei Trump könne Audi aus seiner Sicht bei den amerikanischen Absatzzahlen nutzen.
VW-Spitze war eingebunden
Der geplante Bau ist nach Angaben des Mutterkonzerns Volkswagen nicht allein von Döllner entschieden worden. VW erklärte, Konzernchef Oliver Blume sei von Beginn an in alle Planungen eingebunden gewesen.
Audi steht wirtschaftlich unter Druck. Absätze und Erträge sind seit Jahren rückläufig, Stellen wurden bereits abgebaut, weiterer Jobabbau steht im Raum. Im dritten Quartal gingen die Verkäufe in China und den USA zurück; die Zahlen für Gewinn und Umsatz will Audi am Freitag veröffentlichen.
US-Werk soll Audi wettbewerbsfähiger machen
Anders als BMW und Mercedes verfügt Audi bislang über kein eigenes Werk in den USA. Die amerikanischen Zölle treffen den Hersteller deshalb besonders stark. Döllner bezeichnete eine eigene Fertigung als strategisch und wirtschaftlich notwendig, weil Audi in den USA derzeit nicht profitabel arbeite.
In Georgia sollen unter anderem große SUVs wie der speziell auf den US-Markt zugeschnittene Q9 gebaut werden. Im ersten Halbjahr erzielte Audi auf Ebene des Teilkonzerns, zu dem auch Bentley, Ducati und Maserati gehören, einen Gewinn von 1,1 Milliarden Euro.
IG Metall fordert Zusagen für Neckarsulm
IG-Metall-Chefin Christiane Benner verlangte angesichts der US-Pläne konkrete Zusagen für die deutschen Standorte. Investitionen in den USA würden verkündet, während Beschäftigte in Deutschland um ihre Arbeitsplätze bangten, sagte sie im ZDF-„Morgenmagazin“.
Der VW-Sparplan vom Anfang September gibt dem baden-württembergischen Werk Neckarsulm noch ein Jahr Zeit, ein tragfähiges Konzept zur Kostensenkung vorzulegen. Andernfalls droht die Stilllegung. Wirtschaftsexperten rechnen in diesem Fall mit dem Verlust von etwa 50.000 Arbeitsplätzen in der Region.
Der Auftritt fällt in eine Phase, in der Audi gleichzeitig seine Präsenz auf dem US-Markt stärken und die Kosten in Deutschland senken muss. Ein eigenes Werk soll das Unternehmen unabhängiger von Importen machen und die Folgen amerikanischer Zölle begrenzen. Für Audi ist das besonders relevant, weil der Konzern bislang kein eigenes US-Werk besitzt und dort nach den Angaben in der Meldung nicht profitabel arbeitet.
Die Investition verschärft jedoch den Verteilungskonflikt innerhalb des Konzerns. Während in Georgia rund 4.500 Arbeitsplätze entstehen sollen, steht der Standort Neckarsulm unter erheblichem Spardruck. Der VW-Sparplan gibt dem Werk noch ein Jahr für ein tragfähiges Konzept; bei einem Scheitern droht die Stilllegung. In der Region wären davon nach Einschätzung von Wirtschaftsexperten etwa 50.000 Arbeitsplätze betroffen.
US-Strategie und deutscher Standort
Der Streit richtet sich deshalb nicht allein gegen den Wahlkampfauftritt. Er berührt die Frage, ob Audi seine internationale Expansion mit verlässlichen Perspektiven für die deutschen Werke verbindet. Die IG Metall verlangt entsprechende Zusagen, während die bayerische Politik den öffentlichen Auftritt als pragmatischen Beitrag zum US-Geschäft bewertet.
Für die weitere Debatte werden die am Freitag erwarteten Audi-Zahlen und die konkreten Pläne für Neckarsulm wichtig. Entscheidend ist außerdem, ob das US-Projekt die deutsche Produktion ergänzt oder mittelbar zu einer weiteren Verlagerung von Aufgaben führt.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen
Deutschlandfunk: „Audi-Chef als Wahlhelfer für Trump - Warum Autokonzerne in die USA abwandern“ (26.10.2026)
Der Beitrag ordne den Auftritt als Folge des Drucks auf deutsche Autokonzerne und der geplanten US-Investitionen ein. Anders als die dpa-Meldung liege der Schwerpunkt auf den wirtschaftlichen Gründen für die Verlagerungsdebatte und den Unternehmensrichtlinien.
SWR Aktuell: „Audi baut eigenes Werk in den USA“ (25.10.2026)
Der SWR berichte über ein geplantes Investitionsvolumen von vier Milliarden Euro, den geplanten Baustart 2027 und mögliche Auswirkungen auf Neckarsulm. Als offener Punkt werde dort insbesondere der noch ausstehende formale Beschluss der zuständigen Gremien genannt.
Beide Beiträge verbänden den Auftritt mit Audis US-Strategie und der angespannten Lage deutscher Standorte. Unterschiede gebe es beim Schwerpunkt: Während der Deutschlandfunk die politische Dimension und den Strukturwandel betone, stelle der SWR die Investitionsdaten und Neckarsulm in den Mittelpunkt.
