Unicredit darf Commerzbank-Anteil über 30 Prozent erhöhen
Veröffentlicht am: 15.10.2026 um 21:02 Uhr | dpa, AD HOC NEWSUnicredits Weg zur Commerzbank-Kontrolle
- Die EZB genehmigte Unicredit, die Schwelle von 30 Prozent an der Commerzbank zu überschreiten.
- Nach Abschluss der Verfahren soll Unicredit rund 50 Prozent der Stimmrechte halten.
- Der Bund hält gut 13 Prozent und will Kündigungen sowie einen Verlust des Frankfurter Standorts verhindern.
Die Unicredit bekommt für die Übernahme von Commerzbank-Anteilen grünes Licht von der EZB-Bankenaufsicht. Damit kann die italienische Großbank die im Sommer über ein Tauschangebot gesicherten Commerzbank-Aktien in eigene Anteile umwandeln.
EZB erlaubt Überschreiten der 30-Prozent-Schwelle
Die EZB habe die Übernahme der Kontrolle über die Commerzbank genehmigt, teilte Unicredit mit. Die Bank dürfe die Schwelle von 30 Prozent der Kapitalbeteiligung überschreiten und ihren Anteil ohne Obergrenze weiter erhöhen.
Die verbleibenden aufsichtsrechtlichen Verfahren und Bedingungen für den Abschluss des Angebots sollen voraussichtlich gegen Jahresende abgeschlossen sein. Dann werde Unicredit über rund 50 Prozent der Stimmrechte verfügen und die Kontrolle über die Commerzbank übernehmen können.
Aktientausch soll Anteil deutlich erhöhen
Unicredit hatte im Mai ein Angebot für sämtliche Commerzbank-Aktien vorgelegt und sich damit Zugriff auf knapp die Hälfte der Anteile an dem Dax-Konzern gesichert. Für den Vollzug des Aktientauschs fehlte bislang die Genehmigung der EZB.
Nach Abschluss der ausstehenden Verfahren soll der Aktienanteil der Mailänder Großbank von knapp 30 auf fast 50 Prozent steigen. Unicredit kann nun außerdem weitere Commerzbank-Aktien am Markt kaufen oder ein weiteres Angebot vorlegen.
Bund will Stellenabbau verhindern
Die Unicredit bemüht sich seit rund zwei Jahren um die Commerzbank und hat ihren Anteil trotz des Widerstands aus Deutschland ausgebaut. Sie sieht Potenzial für Milliardeneinsparungen, einschließlich des Abbaus Tausender Stellen.
Unicredit und Commerzbank führen inzwischen Gespräche über einen möglichen Zusammenschluss. Der Bund hält gut 13 Prozent an der Commerzbank und will betriebsbedingte Kündigungen möglichst verhindern.
Zudem soll die Commerzbank als börsennotierte Aktiengesellschaft mit Sitz in Frankfurt erhalten bleiben und ihr starkes Mittelstandsgeschäft fortsetzen. Die EZB befürwortet grenzüberschreitende Bankenfusionen im Euroraum, um den EU-Binnenmarkt zu stärken.
Die EZB-Genehmigung beseitigt die zentrale aufsichtsrechtliche Hürde für Unicredit. Nach dem Aktientausch kann die italienische Bank ihren Anteil an der Commerzbank von knapp 30 Prozent auf fast 50 Prozent erhöhen und damit voraussichtlich gegen Jahresende die Kontrolle übernehmen.
Der Vorgang steht im Zusammenhang mit der seit rund zwei Jahren laufenden Annäherung Unicredits an das Frankfurter Institut. Die italienische Bank ist in Deutschland bereits über die Hypovereinsbank vertreten und begründet ihr Interesse unter anderem mit möglichen Effizienzgewinnen. Im Raum stehen Einsparungen in Milliardenhöhe und der Abbau Tausender Stellen.
Streit um Folgen für Beschäftigte
Für den Bund ist die Genehmigung politisch und wirtschaftlich relevant. Er hält gut 13 Prozent an der Commerzbank und will betriebsbedingte Kündigungen möglichst vermeiden. Außerdem soll die Bank als eigenständige börsennotierte Gesellschaft mit Sitz in Frankfurt und mit ihrem starken Mittelstandsgeschäft erhalten bleiben.
Die Entscheidung stärkt Unicredits Verhandlungsposition, ersetzt aber nicht die noch ausstehenden Verfahren und Bedingungen für den Abschluss des Angebots. Für Beschäftigte, Kunden und den deutschen Bankenmarkt wird deshalb entscheidend sein, wie die Eigentümerstruktur umgesetzt wird und ob daraus ein Zusammenschluss mit dem deutschen Institut folgt.
