IG Metall fordert fünf Prozent mehr Lohn für Metallbeschäftigte
Veröffentlicht am: 23.09.2026 um 12:13 Uhr | dpa, AD HOC NEWSDie IG Metall fordert fünf Prozent mehr Geld für die gut 3,7 Millionen Beschäftigten der deutschen Metall- und Elektroindustrie.
Zwölf Monate Laufzeit
Der neue Tarifvertrag soll nach Vorstellung der Gewerkschaft zwölf Monate gelten. Zusätzlich will sie eine Gewinnbeteiligung für Beschäftigte in besonders erfolgreichen Unternehmen durchsetzen und über die Sicherung von Arbeitsplätzen und Standorten verhandeln.
„Wir gehen mit kämpferischem Realismus in die Verhandlungen“, sagte die IG-Metall-Vorsitzende Christiane Benner in Frankfurt. Die Beschäftigten erwarteten sichere Jobs, einen Ausgleich für gestiegene Preise und einen gerechten Anteil an den Gewinnen der Unternehmen.
Erste Gespräche ab 7. Oktober
Die ersten regionalen Verhandlungen mit den Arbeitgeberverbänden sind ab dem 7. Oktober geplant. Die aktuellen Tarifverträge laufen am 31. Oktober aus. Weil in dieser Runde auf eine nachlaufende Friedenspflicht verzichtet wurde, sind danach sofort Warnstreiks möglich.
Autoindustrie unter Druck
Die Tarifverträge regeln die Arbeitsbedingungen unter anderem in der Autoindustrie, im Maschinenbau, in der Metallbearbeitung, der Elektrotechnik und im sonstigen Fahrzeugbau. Die Tarifrunde steht im Zeichen eines massiven Stellenabbaus in der Autoindustrie und drohender Werksschließungen, etwa bei Volkswagen.
Gegen Einschnitte hatte die IG Metall am Montag bei einem bundesweiten Aktionstag rund 175.000 Beschäftigte mobilisiert. Für die Beschäftigten der Volkswagen AG wird nicht in dieser Flächentarifrunde verhandelt; dort gilt ein eigener Haustarifvertrag. Auch für sie fordert die Gewerkschaft fünf Prozent mehr Geld bei zwölf Monaten Laufzeit.
Unterschiedliche Lage der Branchen
Während die Autobranche tief in der Krise steckt und der Maschinenbau angeschlagen ist, laufen die Geschäfte in der Elektroindustrie besser. Der sonstige Fahrzeugbau profitiert von Staatsausgaben für Rüstung. Auch Medizintechnik sowie Luft- und Raumfahrt entwickeln sich nach Angaben der IG Metall positiv.
„Metall und Elektro ist mehr als Autoindustrie“, sagte Benner. Die Lage sei besser, als die Arbeitgeber sie darstellten. IG-Metall-Tarifvorständin Nadine Boguslawski verwies auf die gestiegenen Lebenshaltungskosten und sagte: „Wer Aufschwung will, braucht Kaufkraft.“
Streit über die 35-Stunden-Woche
Besonders umstritten sind Forderungen nach Mehrarbeit ohne Lohnausgleich. Benner nannte einen Angriff auf die 35-Stunden-Woche „nicht akzeptabel“. Boguslawski sagte, eine Kündigung des Manteltarifvertrags wäre eine „Kriegserklärung“.
Mercedes-Aufsichtsratschef Martin Brudermüller hatte zuvor die Rückkehr zur 40-Stunden-Woche für dasselbe Gehalt angeregt. Mercedes-Benz hat mit der Schließung von zwei deutschen Werken gedroht, sollten die Kosten nicht sinken. Gesetzlich vorgeschrieben ist die 35-Stunden-Woche nicht.
Abschluss unter schwierigerem Vorzeichen
In der Tarifrunde 2024 hatte die IG Metall sieben Prozent mehr Geld gefordert und eine Erhöhung um 5,1 Prozent in zwei Schritten erreicht. Damals war die wirtschaftliche Lage in den großen Branchen besser.
Tarifrunde in einer gespaltenen Industrie
Die Forderung trifft auf eine Metall- und Elektroindustrie mit stark auseinanderlaufender Geschäftslage. In der Autoindustrie und im Maschinenbau stehen Kostendruck, Produktionsrückgänge und Stellenabbau im Mittelpunkt. Gleichzeitig profitieren Rüstungsunternehmen sowie Teile der Elektro-, Medizin- und Luftfahrttechnik von einer robusteren Nachfrage.
Damit verfolgt die IG Metall einen zweigleisigen Ansatz: Ein allgemeines Lohnplus soll die seit Jahren erhöhten Lebenshaltungskosten ausgleichen und die Kaufkraft stützen. Eine Gewinnbeteiligung für besonders erfolgreiche Unternehmen würde den Flächentarifvertrag stärker an der jeweiligen wirtschaftlichen Lage ausrichten. Für Beschäftigte in unteren Entgeltgruppen könnte eine soziale Komponente besonders relevant sein.
Arbeitszeit als zentraler Konflikt
Die Debatte über die 35-Stunden-Woche reicht über die aktuelle Entgeltrunde hinaus. Arbeitgeber sehen längere Arbeitszeiten als möglichen Beitrag zur Kostensenkung und Wettbewerbsfähigkeit; die Gewerkschaft betrachtet den tariflichen Standard als Ergebnis früherer Auseinandersetzungen und als Schutz vor einer Verlagerung des Anpassungsdrucks auf die Beschäftigten.
Für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer wird entscheidend sein, ob die Verhandlungen branchenspezifische Unterschiede abbilden können, ohne die gemeinsame Tarifstruktur auszuhöhlen. Nach dem 31. Oktober steigt der Druck, weil dann Warnstreiks möglich sind. Die Gespräche betreffen damit nicht nur das Einkommen, sondern auch die Frage, wie industrielle Arbeitsplätze in Deutschland gesichert und Veränderungen verteilt werden.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen
Der Bericht bestätige die Forderung nach fünf Prozent mehr Lohn und stelle ihr die Kritik von Südwestmetall gegenüber. Anders als die dpa-Meldung konzentriere er sich auf Baden-Württemberg und hebe die gegensätzliche Bewertung der wirtschaftlichen Folgen hervor; zugleich betone er die Verbindung von Lohnplus und Arbeitsplatzsicherung.
BR24: „IG Metall Bayern fordert fünf Prozent mehr“ (22.09.2026)
Der Beitrag bestätige die zwölfmonatige Laufzeit und ergänze die bayerische Forderung nach einer höheren Ausbildungsvergütung sowie einer sozialen Komponente. Er stelle die regional unterschiedlichen Unternehmenslagen und den möglichen Konflikt mit dem Prinzip eines einheitlichen Flächentarifvertrags stärker heraus.
Beide Berichte beschrieben die Tarifrunde als Spannungsfeld zwischen notwendiger Entlastung der Beschäftigten und dem Kostendruck kriselnder Betriebe. Offen bleibe, wie stark erfolgreiche Unternehmen zusätzlich herangezogen werden könnten und ob die Arbeitgeber eine Differenzierung nach Branchen oder Unternehmen akzeptierten.
