EU-Philippinen-Freihandelsabkommen: Zölle für Maschinen, Arzneimittel und Schweinefleisch sollen sinken
Veröffentlicht am: 22.09.2026 um 13:25 Uhr | dpa, AD HOC NEWSDie Europäische Union und die Philippinen haben sich grundsätzlich auf ein Freihandelsabkommen verständigt, das Zölle abbauen und den Marktzugang auf beiden Seiten verbessern soll.
Mehr als 94 Prozent der Zollpositionen
Nach Angaben der EU-Kommission sollen mehr als 94 Prozent der Zolltarifpositionen liberalisiert werden. Das soll mehr als 97 Prozent der Waren auf beiden Seiten abdecken. EU-Handelskommissar Maros Sefcovic verwies auf Chancen für europäische Unternehmen und Landwirte.
Profitieren könnten unter anderem Anbieter von Maschinen, Transportmitteln, Arzneimitteln und medizinischen Geräten. Auch für Schweinefleisch aus der EU sind Zollerleichterungen vorgesehen. Die Philippinen haben rund 113 Millionen Einwohner und gelten für europäische Exporteure als wichtiger Markt.
Öffentliche Aufträge und Lieferketten
Das Abkommen soll erstmals auch den philippinischen Markt für öffentliche Aufträge für ausländische Bieter öffnen. Vorgesehen sind außerdem Regeln zu Nachhaltigkeit, Schutzstandards, Energie und Rohstoffen sowie der Schutz Hunderter europäischer Lebensmittel mit geschützter Herkunftsbezeichnung.
Sefcovic betonte zudem die Bedeutung widerstandsfähigerer und stärker diversifizierter Lieferketten. Als Beispiel nannte er Halbleiter. Zusätzlich könnten sich nach Darstellung der EU-Kommission Investitionsmöglichkeiten im Bereich erneuerbarer Energien ergeben.
Verhandlungen nach Unterbrechung fortgesetzt
Die Verhandlungen über ein Freihandelsabkommen hatten 2015 begonnen und waren zwischenzeitlich unterbrochen worden. Seit März 2024 wurden sie wieder vorangetrieben. Die EU-Kommission bezeichnete die Einigung als Signal für ein verstärktes Engagement der Union im indopazifischen Raum.
2025 war die EU nach Angaben der Kommission der viertgrößte Handelspartner der Philippinen und stand für 8,3 Prozent des Warenhandels des Landes. Der bilaterale Warenhandel belief sich im vergangenen Jahr auf 17,6 Milliarden Euro; der Handel mit Dienstleistungen erreichte 2024 rund 10,3 Milliarden Euro.
Vertrag noch nicht unterschriftsreif
Wann das Abkommen unterzeichnet werden kann, ist noch offen. Beide Seiten müssen sich zunächst auf die Umsetzung und technische Einzelheiten verständigen. Danach folgen die rechtliche Prüfung, die Übersetzung in die Amtssprachen der EU sowie die Zustimmung der Mitgliedstaaten und des Europäischen Parlaments.
Teil eines breiteren EU-Kurses
Die Verständigung mit den Philippinen steht für den Versuch der Europäischen Union, ihre Wirtschaftsbeziehungen im indopazifischen Raum auszubauen. Die Region gewinnt für europäische Unternehmen an Bedeutung, weil dort wachsende Absatzmärkte, wichtige Seewege und zentrale Lieferketten zusammenkommen.
Für die Philippinen ist die EU bereits ein bedeutender Handelspartner, zugleich bleibt das bilaterale Handelsvolumen im Vergleich zu den großen Wirtschaftsbeziehungen der Union begrenzt. Der geplante Abbau von Zöllen könnte vor allem exportorientierten Branchen zugutekommen. Maschinen, Fahrzeuge, Arzneimittel und Medizintechnik gehören zu den Bereichen, in denen europäische Anbieter bereits stark vertreten sind. Erleichterungen für Schweinefleisch würden den Zugang für landwirtschaftliche Exporteure verbessern.
Chancen und Bedingungen
Die Einigung geht über reine Zollfragen hinaus. Der Zugang zu öffentlichen Aufträgen, Regeln für Energie und Rohstoffe sowie der Schutz geografischer Herkunftsbezeichnungen können Investitionen und langfristige Geschäftsbeziehungen erleichtern. Zugleich dürften Nachhaltigkeits- und Schutzstandards die Umsetzung anspruchsvoll machen.
Für Verbraucher und Unternehmen treten die möglichen Vorteile erst nach Abschluss der technischen Verhandlungen, der rechtlichen Prüfung und der politischen Zustimmung in Kraft. Die Einigung ist daher ein wichtiger Zwischenschritt, aber noch nicht das Ende des Verfahrens. Strategisch kann sie der EU helfen, Lieferketten stärker zu diversifizieren und ihre Präsenz in Südostasien auszubauen.
,tagesschau: „Freihandelsabkommen zwischen EU und Philippinen“ (22.09.2026)
Der Beitrag bestätige die grundsätzliche Verständigung zwischen der Europäischen Union und den Philippinen und ordne sie als aktuelles handelspolitisches Vorhaben ein. Einen abweichenden Schwerpunkt setze der Audio-Beitrag nicht; offen bleibe weiterhin, wann die technischen und rechtlichen Schritte abgeschlossen seien.
