EU-Methanregeln: Kommission prüft späteren Start der Importvorgaben
Veröffentlicht am: 29.09.2026 um 14:06 Uhr | dpa, AD HOC NEWSDie Europäische Kommission prüft eine Verschiebung der ab 1. Januar 2027 geplanten EU-Nachweispflichten für Methanemissionen bei Importen fossiler Brennstoffe.
Kommission prüft rechtliche Möglichkeiten
Energiekommissar Dan Jørgensen sagte am Rand eines Treffens der EU-Energieminister in Dublin, er habe seine Mitarbeiter angewiesen, nach dem Anhören der Bedenken einer Mehrheit der Mitgliedstaaten Möglichkeiten für einen späteren Beginn zu prüfen.
Zunächst solle geklärt werden, welche rechtlichen Optionen bestünden. Ob die Regeln tatsächlich verschoben würden, liege letztlich auch an den Mitgesetzgebern.
Nachweise für Lieferverträge
Nach den Vorgaben müssen Unternehmen ab 2027 bei bestimmten Lieferverträgen nachweisen, dass der Produzent im Herkunftsland seine Methanemissionen mindestens so sorgfältig überwacht und dokumentiert wie die EU dies von ihren eigenen Unternehmen verlangt.
Methan entsteht unter anderem in der Landwirtschaft, auf Deponien sowie in der Öl- und Gasindustrie. Seit 2024 gelten in der EU Regeln, die Methanemissionen aus dem Energiesektor verringern sollen.
Versorgungssicherheit als Grund
Als Grund für eine mögliche Verschiebung gilt die Sorge um die Versorgungssicherheit. Angesichts eines nach derzeitigem Stand schwierig erscheinenden Winters sollten alle vermeidbaren Unsicherheiten beseitigt werden, sagte Jørgensen.
Eine Verschiebung bedeute zugleich in keiner Weise einen Rückzieher von den Klimaschutzambitionen der EU. Bereits im Juli hatte die Kommission den Mitgliedstaaten nach Druck der US-Gaslobby empfohlen, drei Jahre lang keine Strafen gegen Unternehmen wegen bestimmter Verstöße gegen EU-Methanvorschriften zu verhängen.
Uneinigkeit in der Bundesregierung
In der Bundesregierung gab es zuletzt unterschiedliche Positionen. Energieministerin Katherina Reiche (CDU) sprach sich im Juli dafür aus, die Importregelungen der Methanverordnung um drei Jahre zu verschieben.
Umweltminister Carsten Schneider (SPD) war zuletzt gegen eine Aussetzung und verwies darauf, dass sein Ressort federführend sei.
Versorgungssicherheit als politischer Zielkonflikt
Die geplante Methanregel betrifft nicht den gesamten Gasverbrauch, sondern die Bedingungen für bestimmte Importe fossiler Brennstoffe. Unternehmen sollen ab 2027 nachweisen, dass Produzenten außerhalb der EU ihre Methanemissionen ähnlich sorgfältig überwachen und dokumentieren wie Unternehmen innerhalb der Union. Eine Verschiebung würde damit vor allem den Zeitpunkt der Kontrolle verändern, nicht das langfristige Klimaziel.
Der aktuelle Streit fällt in eine angespannte europäische Energiesituation. Die Gasspeicher der EU seien Ende September 2026 nach Angaben des Branchenverbands Gas Infrastructure Europe nur zu rund 70 Prozent gefüllt gewesen – etwa zwölf Prozentpunkte weniger als im Vorjahreszeitraum. Zugleich hätten höhere LNG-Nachfrage in Asien und geopolitische Spannungen die europäischen Gaspreise belastet.
Folgen für Klima und Verbraucher
Eine spätere Anwendung könnte kurzfristig die Zahl der Lieferanten verringern, die ihre Mess- und Nachweissysteme an EU-Vorgaben anpassen müssen. Für Energieunternehmen würde das Planungssicherheit schaffen und mögliche Engpässe bei der Beschaffung reduzieren. Gleichzeitig bliebe ein Teil der Methanemissionen länger ohne den vorgesehenen Nachweis.
Methan wirkt über kürzere Zeiträume besonders stark auf die Erderwärmung. Die EU-Regeln zielen deshalb auf Lecks und Freisetzungen entlang der fossilen Lieferkette. Für Verbraucher wäre eine Verschiebung nicht automatisch mit niedrigeren Preisen verbunden: Sie könnte Versorgungssorgen dämpfen, änderte aber nichts an globalen Gaspreisen, Speicherständen oder geopolitischen Risiken.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen
Euronews: „Zittern vor dem Winter: EU-Energiechef jagt Schockwelle durch die Hauptstädte“ (27.09.2026)
Der Bericht schreibe, Energiekommissar Dan Jørgensen habe wegen niedriger Speicherstände und angespannter Weltmärkte zu Einsparungen bei Gas und Strom aufgerufen. Anders als die dpa-Meldung konzentriere sich der Artikel auf die allgemeine Versorgungslage und nenne einen Speicherstand von rund 70 Prozent; offen bleibe, wie sich diese Lage auf den endgültigen Zeitplan der Methanregeln auswirke.
Medienübergreifend werde damit bestätigt, dass die europäische Energiepolitik derzeit zwischen Versorgungssicherheit, Preisen und Klimaschutz abwäge. Der konkrete Rechtsweg für eine Verschiebung sowie die Haltung der Mitgesetzgeber blieben offen.
