Grüner Stahl, Stahlindustrie

Grüner Stahl: Milliardenumbau der deutschen Stahlindustrie vor großen Hürden

Veröffentlicht am: 28.09.2026 um 04:00 Uhr | dpa, AD HOC NEWS

Die deutsche Stahlindustrie investiert Milliarden in den Abschied von Kohle und Koks. Im Saarland soll der Umbau die Emissionen deutlich senken – doch hohe Wasserstoffkosten, fehlende Mengen und Billigimporte erschweren den Weg.

  • Im Saarland werden Milliarden für den Umbau der Stahlproduktion investiert. (Archivbild)  - Bild: Andreas Arnold/dpa
    Im Saarland werden Milliarden für den Umbau der Stahlproduktion investiert. (Archivbild) - Bild: Andreas Arnold/dpa
  • Bei der Transformation gibt es noch Hürden. (Archivbild) - Bild: Laszlo Pinter/dpa
    Bei der Transformation gibt es noch Hürden. (Archivbild) - Bild: Laszlo Pinter/dpa
Im Saarland werden Milliarden für den Umbau der Stahlproduktion investiert. (Archivbild)  - Bild: Andreas Arnold/dpa Bei der Transformation gibt es noch Hürden. (Archivbild) - Bild: Laszlo Pinter/dpa

Die deutsche Stahlindustrie stellt ihre Produktion schrittweise auf klimafreundlichere Verfahren um, im Saarland kostet die Transformation rund 4,6 Milliarden Euro.

Milliarden für den Umbau

Bund und Land fördern das Vorhaben mit 2,6 Milliarden Euro. Den verbleibenden Betrag tragen die Unternehmen selbst. An der Saar arbeiten die Stahl-Holding-Saar sowie große Hersteller wie Thyssenkrupp in Duisburg und die Salzgitter AG in Niedersachsen an vergleichbaren Umstellungsprojekten.

Der Umbau soll die CO2-Emissionen der Branche deutlich verringern. Stahl zählt zu den größten industriellen CO2-Emittenten in Deutschland und spielt deshalb eine wichtige Rolle beim Erreichen der Klimaziele.

Wasserstoff ersetzt Kohle und Koks

Als grüner Stahl gilt meist Stahl, der mit möglichst klimafreundlich erzeugtem Wasserstoff hergestellt wird. Dieser soll in Direktreduktionsanlagen die Kohle und den Koks ersetzen, die in klassischen Hochöfen dem Eisenerz den Sauerstoff entziehen.

Dabei entsteht zunächst fester Eisenschwamm statt flüssigem Roheisen. Anschließend wird er eingeschmolzen und zu Stahl weiterverarbeitet. Als Beiprodukt fällt bei der wasserstoffbasierten Reduktion Wasser statt CO2 an.

Saarland plant deutliche Emissionssenkung

Die neuen Anlagen in Dillingen und Völklingen sollen die CO2-Emissionen bis Anfang der 2030er Jahre um bis zu 55 Prozent senken. Das entspricht rund 4,8 Millionen Tonnen pro Jahr. Bis 2045 soll die Produktion CO2-neutral werden.

In der Anfangsphase soll noch Erdgas eingesetzt werden, später Wasserstoff. Damit ist die Umstellung auf eine ausreichende und bezahlbare Versorgung mit klimafreundlichem Wasserstoff angewiesen.

Hohe Kosten und Konkurrenz aus dem Ausland

Wasserstoff ist derzeit deutlich teurer als fossile Alternativen. Nach Einschätzung von Experten dürfte grüner Wasserstoff auch 2030 mindestens doppelt so teuer sein wie grauer Wasserstoff, der aus Erdgas gewonnen wird.

Das verteuert grünen Stahl gegenüber konventionell produziertem Stahl. Zugleich ist grüner Wasserstoff bislang nicht in ausreichender Menge verfügbar. Hinzu kommt die Konkurrenz durch billige Stahlimporte aus Ländern mit häufig weniger strengen Umweltauflagen.

EU will heimische Produktion schützen

Die EU-Kommission hat zum 1. Juli eine Verordnung zum Schutz des europäischen Stahlmarkts erlassen. Sie soll Billigstahl-Importe begrenzen und teilweise verteuern.

Die Industrie fordert außerdem wettbewerbsfähige Strompreise. Ein weiterer Ansatz sind grüne Leitmärkte: Öffentliche Aufträge, etwa beim Ausbau des Schienennetzes, sollen die Nachfrage nach CO2-reduziertem Stahl stärken.

Ein Milliardenumbau mit langer Vorlaufzeit

Die Stahlindustrie gehört zu den emissionsintensivsten Grundstoffbranchen. Ihre Dekarbonisierung ist deshalb für die deutschen Klimaziele besonders relevant, zugleich aber technisch und finanziell anspruchsvoll: Bestehende Hochöfen müssen schrittweise durch Direktreduktionsanlagen und Elektroöfen ergänzt oder ersetzt werden.

Das Saarland steht dabei exemplarisch für den Zielkonflikt zwischen Klimaschutz und industrieller Wettbewerbsfähigkeit. Die geplanten Investitionen sichern langfristig Produktionsmöglichkeiten und Beschäftigung, erhöhen kurzfristig aber den Kapitalbedarf der Unternehmen und die Abhängigkeit von verlässlichen Förderbedingungen. Dass zunächst Erdgas und später Wasserstoff eingesetzt werden soll, zeigt zudem, dass die Umstellung in mehreren Phasen erfolgt.

Entscheidend sind Energie und Nachfrage

Ob grüner Stahl wirtschaftlich hergestellt werden kann, hängt nicht allein von den Anlagen ab. Benötigt werden ausreichende Mengen erneuerbarer Energie, ein leistungsfähiges Wasserstoffnetz und Strompreise, die im internationalen Wettbewerb bestehen können. Ohne diese Voraussetzungen drohen hohe Produktionskosten und eine Verlagerung von Investitionen.

Ebenso wichtig ist die Nachfrage. Öffentliche Beschaffung, etwa für Schienen, Brücken oder Gebäude, kann einen Markt für CO2-ärmeren Stahl schaffen. Für Verbraucherinnen und Verbraucher bleibt die Entwicklung vor allem indirekt spürbar: Stahl steckt in Fahrzeugen, Maschinen und Bauwerken. Die Transformation entscheidet damit nicht nur über Emissionen, sondern auch über industrielle Wertschöpfung und Arbeitsplätze in Deutschland.

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