China, Deutschland

China liefert deutlich mehr Waren nach Deutschland

Veröffentlicht: 14.07.2026 um 06:18 Uhr, dpa.de

Die chinesischen Exporte nach Deutschland haben im Juni erneut stark zugelegt. Die Einfuhren aus der Bundesrepublik stiegen dagegen nur leicht. Das Missverhältnis beim Wachstum ist eklatant.

Chinas Exporte nach Deutschland sind im Juni erneut kräftig gestiegen. (Archivbild)  - Bild: XinHua/dpa
Chinas Exporte nach Deutschland sind im Juni erneut kräftig gestiegen. (Archivbild) - Bild: XinHua/dpa

Chinas Exporte nach Deutschland sind im Juni weiter kräftig gestiegen. In US-Dollar gerechnet lagen sie 27,2 Prozent höher als im Vorjahresmonat, wie aus Daten der Zollbehörde in Peking hervorgeht. Chinas Importe aus Deutschland legten dagegen nur um 3,1 Prozent zu, während die länderübergreifende Wachstumsquote um ein Vielfaches höher lag.

Auch im gesamten ersten Halbjahr wuchsen die chinesischen Lieferungen nach Deutschland deutlich stärker als die Einfuhren aus der Bundesrepublik. Die Exporte stiegen gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 19 Prozent, die Importe lediglich um 1,8 Prozent. Im ersten Halbjahr lieferte China somit Waren im Wert von 67,5 Milliarden Dollar (etwa 59,3 Milliarden Euro) nach Deutschland. Die Einfuhren aus der Bundesrepublik erreichten 45,2 Milliarden Dollar. Damit lag Deutschlands Handelsdefizit mit China bei 22,3 Milliarden Dollar.

Kräfteverhältnis im Handel verändert sich 

Deutschland hatte lange stark vom wirtschaftlichen Aufstieg Chinas profitiert und vor allem Autos, Maschinen und Spezialtechnik in die Volksrepublik verkauft. Inzwischen hat sich das Verhältnis verändert. Chinesische Unternehmen bieten selbst technologisch anspruchsvolle Produkte zu niedrigen Preisen auf den Weltmärkten an. Die Entwicklung sorgt deshalb auch für politische Diskussionen darüber, wie Deutschland und Europa mit der wachsenden Konkurrenz aus Fernost umgehen sollen.

Besonders groß ist der Konkurrenzdruck in der Autoindustrie und im Maschinenbau. Chinesische Hersteller gewinnen bei Elektroautos Marktanteile und bieten zunehmend auch anspruchsvolle Maschinen und Anlagen an. Zugleich ist Deutschland bei wichtigen Produkten wie Batterien und pharmazeutischen Vorprodukten stark von China abhängig.

Der Wettbewerb dürfte sich weiter verschärfen. China fördert gezielt Zukunftsbranchen wie Halbleiter, Robotik, Quantentechnologie, Wasserstoffnutzung und Biotechnologie. Viele dieser Bereiche stehen auch im Mittelpunkt der deutschen Hightech-Politik.

Chinas Handel auch mit anderen Regionen stark 

Chinas Außenhandel insgesamt wuchs im Juni kräftig. Anders als im Handel mit Deutschland legten dabei auch Chinas Importe stark zu. Die Exporte in alle Länder stiegen gegenüber dem Vorjahresmonat um 27 Prozent, die Importe sogar um 36 Prozent. In die EU exportierte China 18,5 Prozent mehr Waren, während die Einfuhren aus der EU um 9,2 Prozent stiegen. Im Handel mit den USA wuchsen die chinesischen Exporte um 13,9 Prozent und die Importe um 25,9 Prozent. Besonders kräftig legte der Handel mit Russland und den südostasiatischen Asean-Staaten zu. Die Exporte dorthin stiegen um 38 beziehungsweise 34,6 Prozent, die Importe um 38,6 beziehungsweise 26,8 Prozent.

Peking «gute Dynamik» aufrechterhalten

Die chinesische Zollbehörde blickt zuversichtlich auf die weitere Entwicklung. «Wir haben das Vertrauen und die Fähigkeit, die gute Dynamik im Außenhandel aufrechtzuerhalten», zitierte die staatliche Nachrichtenagentur Xinhua Wang Jun, stellvertretender Leiter der Behörde. Als wichtige Exporttreiber nannte Wang die weltweite Nachfrage nach Produkten für künstliche Intelligenz und Rechenzentren, grünen Technologien und Industrieausrüstung.

Die Deutsche Handelskammer in Nordchina bewertete die Zahlen hingegen kritischer. «Für deutsche Unternehmen mit China-Geschäft zeigen die Zahlen: Die chinesische Regierung setzt weiterhin auf Exporte als Wachstumsmotor, statt die derzeit schwächelnde Binnennachfrage und Investitionsbereitschaft zu fördern. Das birgt das Risiko, dass sich der leicht verbesserte Branchenausblick unserer Mitglieder wieder eintrübt», sagte Oliver Oehms, geschäftsführendes Vorstandsmitglied der Kammer.

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