Commerzbank-Übernahme: Bund verlangt schnelle Zusagen von UniCredit-Chef Orcel
Veröffentlicht am: 29.09.2026 um 17:16 Uhr | dpa, AD HOC NEWSDie Bundesregierung verlangt von Unicredit-Chef Andrea Orcel schnelle und verbindliche Zusagen für den Fall einer Übernahme der Commerzbank.
Bund pocht auf Standort und Mittelstand
Nach einem Treffen mit Finanzminister Lars Klingbeil (SPD) erwartet die Bundesregierung, dass Unicredit sich zum Erhalt der Commerzbank als börsennotierte Aktiengesellschaft mit Sitz in Frankfurt bekennt. Zudem solle das Mittelstandsgeschäft ausgebaut werden und sollten wesentliche Entscheidungen in Deutschland fallen.
Aus Regierungskreisen hieß es, man erwarte die Zusagen zeitnah. Ziel müsse eine tragfähige Wachstumsstrategie für die Commerzbank sein. Zugleich gehe es um den Standort Deutschland, die Rechte der Beschäftigten und einen konstruktiven Dialog mit dem Betriebsrat.
Orcel will offenbar schneller übernehmen
Zuvor war berichtet worden, Orcel drücke bei der geplanten Übernahme aufs Tempo und gehe auf Konfrontation zum Bund. Demnach wolle er alle zehn Aufsichtsratsmitglieder der Anteilseigner austauschen und Commerzbank-Chefin Bettina Orlopp absetzen.
Dies solle über eine außerordentliche Hauptversammlung geschehen, sobald alle erforderlichen behördlichen Freigaben vorliegen. In einem grundlegenden Szenario könnte Unicredit dem Bericht zufolge bis Ende Februar 2027 die Kontrolle erlangen, im besten Fall bereits im Januar. Bislang war das zweite Quartal 2027 in Aussicht gestellt worden.
Orlopp verweist auf Vertrag bis 2029
Orlopp bekräftigte gegenüber der Deutschen Presse-Agentur in Frankfurt, sie habe einen Vertrag bis 2029. Voraussetzung sei, dass sie das Vertrauen des Aufsichtsrats habe und mit ihm über die Strategie einig sei.
Orcel wolle nach den Berichten außerdem die Forderung der Bundesregierung zurückweisen, weiterhin mit zwei Sitzen im Commerzbank-Aufsichtsrat vertreten zu sein. Damit könnte der Bund trotz seines Anteils von gut 13 Prozent weiter unter Druck geraten. Die Beteiligung stammt aus der Rettung der Bank während der globalen Finanzkrise.
EZB-Entscheidung wird im Oktober erwartet
Unicredit hatte im September 2024 den Aktienverkauf des Bundes für den Einstieg bei der Commerzbank genutzt und inzwischen Zugriff auf fast 50 Prozent der Anteile. Eine Genehmigung der Europäischen Zentralbank steht noch aus; eine Entscheidung wird im Oktober erwartet. Die EZB hat sich wiederholt positiv zu grenzüberschreitenden Bankenfusionen geäußert.
Der Bund kann die Übernahme wegen seiner Minderheitsbeteiligung nicht allein verhindern. Er könnte seinen Anteil an Unicredit verkaufen, doch wäre das angesichts des hohen Commerzbank-Kurses teuer.
Bankenfusion mit europäischer Tragweite
Der Konflikt berührt eine Grundfrage der europäischen Bankenpolitik: Soll eine große deutsche Geschäftsbank eigenständig bleiben oder Teil eines grenzüberschreitenden Konzerns werden? Die Europäische Zentralbank steht solchen Zusammenschlüssen grundsätzlich offen gegenüber. Zugleich unterliegt eine Kontrollübernahme bankaufsichtlichen Genehmigungen. Die erwartete Entscheidung im Oktober ist deshalb ein wichtiger nächster Schritt.
Staatlicher Einfluss trotz Minderheitsbeteiligung
Der Bund hält gut 13 Prozent an der Commerzbank und ist damit zweitgrößter Aktionär. Dieser Anteil reicht nicht aus, um eine Übernahme allein zu verhindern, verschafft dem Staat aber erheblichen Einfluss auf die Zusammensetzung des Aufsichtsrats und auf die politischen Bedingungen des Prozesses. Ein Verkauf an Unicredit könnte diesen Einfluss beenden, wäre beim derzeit hohen Aktienkurs jedoch kostspielig.
Folgen für Standort und Beschäftigte
Für Kunden und Beschäftigte entscheidet sich an den Zusagen, wie stark die Commerzbank künftig in Deutschland verankert bleibt. Ein Erhalt des Frankfurter Sitzes und ein Ausbau des Mittelstandsgeschäfts würden die bisherige Rolle des Instituts stützen. Gleichzeitig erhöht ein schneller Kontrollwechsel den Druck auf Strategie, Führung und mögliche Einsparungen. Besonders relevant bleiben daher der Dialog mit dem Betriebsrat, die Rechte der Beschäftigten und die Frage, ob Orlopps Vertrag bis 2029 auch unter einem neuen Aufsichtsrat Bestand hat.
