Mehr Flugrechte für Emirates: Streit um Folgen für deutsche Airlines und den BER
Veröffentlicht am: 11.09.2026 um 11:47 Uhr | dpa, AD HOC NEWS
Die Bundesregierung weitet die Flugrechte für Emirates in Deutschland aus und löst damit scharfe Reaktionen aus der Luftverkehrsbranche aus.
Bundesregierung erlaubt Emirates fünften Flughafen
Emirates darf künftig fünf statt bislang vier Flughäfen in Deutschland mit einer festgelegten Zahl an Verbindungen bedienen. Die Erweiterung der Rechte geht aus einer Mitteilung der Bundesregierung hervor, die am Donnerstag nach dem Besuch des Präsidenten der Vereinigten Arabischen Emirate, Scheich Mohammed bin Sajid, in Deutschland veröffentlicht wurde. Bislang fliegt Emirates Frankfurt, München, Düsseldorf und Hamburg an.
Deutsche Airlines und Verdi üben deutliche Kritik
Der Bundesverband der Deutschen Fluggesellschaften reagierte empört auf die Entscheidung. Geschäftsführer Michael Engel erklärte laut Verbandsmitteilung, die Interessen deutscher Fluggesellschaften und ihrer Beschäftigten seien bei der Entscheidung kaum berücksichtigt worden. Er sprach von einem Ausverkauf deutscher Arbeitsplätze und einem weiteren Schlag für die Unternehmen der Branche.
Auch die Gewerkschaft Verdi stellt sich gegen die Ausweitung der Emirates-Rechte. Verdi-Bundesfachgruppenleiter Luftverkehr und Maritime Wirtschaft Dennis Dacke bezeichnete die Entscheidung als fragwürdigen Deal zulasten inländischer Arbeitsplätze, der Wertschöpfung und eines Teils der kritischen Infrastruktur.
Chance für BER als internationales Drehkreuz
Die Wahrscheinlichkeit gilt als hoch, dass Emirates künftig auch den Hauptstadtflughafen BER in den Flugplan aufnimmt und mit dem Drehkreuz Dubai verbindet. BDF-Geschäftsführer Engel warnte, Berlin verschließe mit der Entscheidung alle Türen für andere Fluggesellschaften, die in Zukunft bereit gewesen wären, echte Langstrecken-Direktverbindungen von und nach Berlin anzubieten.
Vertreter der Unternehmensverbände Berlin-Brandenburg sehen die Entwicklung hingegen positiv. Auch Verkehrssenatorin Ute Bonde begrüßt die möglichen Emirates-Flüge und spricht von einem handfesten Standortvorteil für Berlin. Über Dubai könnten Passagiere aus der Hauptstadtregion künftig große Teile Asiens, Afrikas und Ozeaniens erreichen, die sie als wichtige Märkte für Wirtschaft, Tourismus und Wissenschaft bezeichnet.
Weitere Direktverbindungen nach Dubai geplant
Selbst wenn Emirates künftig vom BER nach Dubai fliegt, wäre die Strecke nicht exklusiv. Im Winterflugplan sind bereits zusätzliche Direktverbindungen vorgesehen: Condor will ab dem 25. Oktober Flüge von BER nach Dubai anbieten, Eurowings plant entsprechende Verbindungen ab dem 1. November. Damit würde der Hauptstadtflughafen innerhalb kurzer Zeit mehrere Anbieter für Direktflüge in die Golfmetropole erhalten.
Regulatorischer Rahmen und Wettbewerbsdebatte
Die Entscheidung der Bundesregierung, Emirates einen weiteren deutschen Flughafen zu eröffnen, steht im Spannungsfeld von Luftverkehrspolitik, Standortinteressen und internationalem Wettbewerb. Zugrunde liegen bilaterale Luftverkehrsabkommen mit den Vereinigten Arabischen Emiraten, in denen Anzahl der Flughäfen und Flugfrequenzen festgelegt werden. Kritiker aus deutschen Airlines und Gewerkschaften sehen darin eine Stärkung eines staatlich gestützten Wettbewerbers aus einem Drittstaat, während heimische Netzwerk-Carrier unter Kostendruck und härteren regulatorischen Vorgaben in Europa arbeiten.
Für Verbände wie den Bundesverband der Deutschen Fluggesellschaften ist die zentrale Sorge, dass zusätzliche Kapazitäten von Emirates vor allem Umsteigeverkehr auf die Drehkreuze Dubai und andere Golf-Hubs verlagern. Damit bestehe die Gefahr, dass Langstreckenverbindungen deutscher Airlines geschwächt werden und Wertschöpfung – von Wartung über Kabinenpersonal bis zu Bodenabfertigung – ins Ausland verlagert werde. Die Gewerkschaft Verdi knüpft daran die Frage der sozialen Standards, da Beschäftigungsbedingungen und gewerkschaftliche Organisation im Golfraum anders ausgestaltet sind als im deutschen Luftverkehr.
Chancen und Risiken für den Hauptstadtflughafen BER
Aus Sicht der Hauptstadtregion wiegt dagegen der Standortaspekt schwer. Der BER verfügt bislang über wenige interkontinentale Direktverbindungen, sodass Unternehmen, Forschungseinrichtungen und der Tourismus auf Umsteigeverbindungen über andere europäische Hubs angewiesen sind. Eine regelmäßige Verbindung mit einem globalen Drehkreuz wie Dubai könnte die internationale Erreichbarkeit Berlins deutlich verbessern und die Ansiedlung internationaler Firmen erleichtern. Die Verkehrssenatorin betont deshalb den Zugang zu Wachstumsmärkten in Asien, Afrika und Ozeanien als strategischen Vorteil.
Gleichzeitig entsteht mit den angekündigten BER-Verbindungen von Condor und Eurowings nach Dubai ein komplexes Konkurrenzverhältnis: Einerseits könnte Dubai als Destination insgesamt gestärkt und der BER attraktiver werden, andererseits drängt mit Emirates ein weiterer Anbieter mit großer Markenbekanntheit und dichtem globalem Netz in denselben Markt. Für Fluggäste bedeutet das kurzfristig mehr Auswahl und potenziell bessere Preise, für deutsche Airlines und Beschäftigte bleibt jedoch offen, ob zusätzliche Wettbewerbseffekte eher zu neuen Wachstumschancen oder zu Verdrängung und Kostendruck führen werden.
