Arbeitsmarkt September: Herbstbelebung fällt voraussichtlich moderat aus
Veröffentlicht am: 29.09.2026 um 17:30 Uhr | dpa, AD HOC NEWS
Die Bundesagentur für Arbeit stellt in Nürnberg ihre Statistik für September vor, wobei wegen anhaltender Meldungen über Personalabbau nur eine moderate Herbstbelebung erwartet wird.
Arbeitslosigkeit bleibt voraussichtlich über drei Millionen
Der übliche Rückgang der Arbeitslosigkeit im September dürfte in diesem Jahr geringer ausfallen als in früheren Jahren. Ob die Zahl der Arbeitslosen unter drei Millionen sinkt, ist offen.
Im August waren 3,061 Millionen Menschen bei den Arbeitsagenturen arbeitslos gemeldet. Die Vorstandsvorsitzende der Bundesagentur für Arbeit, Andrea Nahles, soll die neuen Zahlen in Nürnberg vorstellen.
Personalabbau belastet den Arbeitsmarkt
Aus Unternehmen kommen weiterhin Meldungen über bevorstehenden Stellenabbau. Damit steht der Arbeitsmarkt unter Druck, obwohl sich die Konjunktur nach Einschätzung von Arbeitsmarktforschern zuletzt etwas stabilisiert hat.
Weniger Arbeitskräfte auf längere Sicht
Auf längere Sicht wird das Arbeitskräftepotenzial kleiner, weil viele Menschen in den Ruhestand gehen und weniger Menschen aus dem Ausland nach Deutschland kommen. Eine stabilere Konjunktur, auch infolge staatlicher Stimulierungspakete, könnte die Arbeitslosigkeit dennoch leicht sinken lassen.
Arbeitsmarkt reagiert verzögert
Die erwartete moderate Herbstbelebung passt zu einem Muster, bei dem sich die Konjunktur zunächst stabilisiert, Unternehmen bei Neueinstellungen aber vorsichtig bleiben. Das ifo-Beschäftigungsbarometer stieg im September auf 95,1 Punkte und damit den dritten Monat in Folge; der Wert liegt jedoch weiter unter dem Referenzwert von 100.
Entscheidend ist die unterschiedliche Entwicklung der Branchen. Dienstleister wie Ingenieurbüros, Rechts- und Steuerberatungen sowie Wirtschaftsprüfer planen eher zusätzliche Einstellungen. In Industrie und Handel überwiegen dagegen weiterhin die Abbaupläne. Besonders die industrielle Transformation, unter anderem in der Autoindustrie, belastet die Beschäftigungsperspektiven.
Struktureller Druck bleibt
Auch ein konjunktureller Aufschwung kann den Arbeitsmarkt deshalb nur schrittweise entlasten. Viele Beschäftigte der geburtenstarken Jahrgänge scheiden aus dem Erwerbsleben aus, während weniger junge Menschen nachrücken. Dadurch sinkt das Arbeitskräftepotenzial, zugleich verschärft sich der Fachkräftemangel in bestimmten Berufen.
Für Arbeitnehmer bedeutet das ein uneinheitliches Bild: In einzelnen Dienstleistungs- und Engpassberufen können Chancen steigen, während Industriearbeitsplätze und Tätigkeiten im Handel unter Druck bleiben. Für Unternehmen wird die Verfügbarkeit qualifizierter Arbeitskräfte damit neben der Nachfrage zu einem zentralen Wachstumsfaktor.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen
n-tv: „Aufschwung am Arbeitsmarkt dank Dienstleistungsbranche“ (28.09.2026)
Der Bericht ordne die bevorstehende September-Statistik in eine vorsichtige Stabilisierung ein und hebe hervor, der Dienstleistungssektor trage die positive Entwicklung. Zugleich betone er, Industrie und Handel bauten weiterhin Stellen ab; damit bestätige er die erwartete verhaltene Herbstbelebung, setze aber einen stärkeren Schwerpunkt auf den Fachkräftemangel und die Branchenunterschiede.
Merkur: „Wirtschaft wächst wieder – doch deutsche Firmen bauen weiter Stellen ab“ (28.09.2026)
Der Artikel schreibe, die deutsche Wirtschaft wachse inzwischen wieder, doch komme die Erholung am Arbeitsmarkt bislang kaum an. Er verweise auf weiterhin defensive Personalpläne in Industrie und Handel und stelle der vorsichtigen Konjunkturerholung die Prognose gegenüber, die Beschäftigung werde 2026 und 2027 noch zurückgehen.
Beide Berichte bestätigten den Gegensatz zwischen einer sich bessernden Konjunktur und einer zunächst nur begrenzten Beschäftigungswirkung. Der n-tv-Bericht rücke den Dienstleistungssektor und das schrumpfende Arbeitskräftepotenzial in den Mittelpunkt, während der Merkur-Artikel stärker die gesamtwirtschaftliche Erholung und deren verzögerte Wirkung auf Beschäftigung und Arbeitslosigkeit betone.
