Nitrat im Grundwasser: Wasserversorger lehnen regionale Düngeregeln ab
Veröffentlicht am: 25.09.2026 um 10:42 Uhr | dpa, AD HOC NEWS
Die bei der Agrarministerkonferenz in Würzburg diskutierte Regionalisierung von Düngeregeln stößt bei den Trinkwasserversorgern auf Ablehnung.
VKU warnt vor Flickenteppich
„Gewässerschutz braucht bundesweit einheitliche Regeln“, teilte der Verband kommunaler Unternehmen (VKU) mit. Seine Mitglieder sind vor allem Stadtwerke und versorgen nach Verbandsangaben rund 90 Prozent der Bevölkerung in Deutschland mit Trinkwasser.
Die Agrarminister von Bund und Ländern tagen seit Donnerstag in Würzburg und beraten über eine Neuregelung des Düngerechts. Im Raum steht unter anderem, den Ländern unterschiedliche Modelle für den Gewässerschutz zu ermöglichen.
Rote Gebiete könnten neu geregelt werden
Bisher weisen die Länder Regionen mit hoher Nitratbelastung als sogenannte rote Gebiete aus. Dort dürfen Landwirte Dünger nur noch in deutlich reduziertem Umfang ausbringen.
Die Regelung soll auf Druck der Landwirtschaft abgeschafft werden. An ihre Stelle könnte eine regionalisierte Regelung treten. Bayerns Agrarministerin und Vorsitzende der Agrarministerkonferenz, Michaela Kaniber (CSU), sagte: „Niemand hat Interesse, unser Lebensmittel Nummer eins zu gefährden - schon gar nicht unsere Bäuerinnen und Bauern.“
Warnung vor Wettbewerbsverzerrungen
Ein Verbandssprecher betonte: „Dem Grundwasser sind Ortsschilder und Ländergrenzen egal. Deshalb darf es beim Schutz unseres Grundwassers keinen Flickenteppich geben.“ Unterschiedliche Länderregelungen stellten einheitliche Standards im Gewässerschutz infrage und könnten zu Wettbewerbsverzerrungen führen.
Die bestehenden Vorgaben sollten daher zielgerichtet weiterentwickelt und dort verschärft werden, wo weiterhin eine erhöhte Nitratbelastung besteht.
Langfristiges Problem im Grundwasser
Nitrat gelangt vor allem durch Düngemittel und Wirtschaftsdünger aus der Landwirtschaft in Böden und Gewässer. Besonders belastet sind Regionen mit intensiver Tierhaltung oder starkem Anbau von Feldfrüchten. Weil Grundwasser nur langsam durch Bodenschichten strömt, wirken sich Veränderungen bei der Düngung häufig erst mit erheblicher Verzögerung aus.
Die sogenannten roten Gebiete setzen an diesem Problem an: In Zonen mit hoher Nitratbelastung gelten strengere Vorgaben für die Ausbringung von Dünger. Ihr Zweck ist, den Nitrateintrag zu verringern und die Anforderungen an den Gewässerschutz einzuhalten. Eine Abschaffung oder weitgehende Neuordnung würde deshalb nicht nur landwirtschaftliche Betriebe, sondern auch die Kontrolle der Wasserqualität betreffen.
Konflikt zwischen Einheitlichkeit und regionaler Steuerung
Die Debatte berührt einen grundlegenden Zielkonflikt. Regionale Regeln könnten örtliche Boden-, Klima- und Bewirtschaftungsbedingungen stärker berücksichtigen und Betriebe in weniger belasteten Gegenden entlasten. Unterschiedliche Vorgaben der Länder würden zugleich die Vergleichbarkeit erschweren und den Vollzug komplizierter machen.
Für Trinkwasserversorger stehen mögliche Folgekosten im Mittelpunkt. Steigt der Nitratgehalt im Rohwasser, können zusätzliche Messungen, neue Brunnenstandorte oder technische Aufbereitung erforderlich werden. Für Verbraucher kann das mittelbar höhere Entgelte bedeuten. Entscheidend wird daher sein, ob eine regionalisierte Regelung nachweisbar zu weniger Nitrat führt und bundesweit einheitliche Mindeststandards garantiert.
