DHL Leipzig: 1.000 Stellen in zwei Jahren weggefallen
16.06.2026 - 07:09:31 | boerse-global.de
Die Gewerkschaft DPVKOM erhebt schwere Vorwürfe gegen den Logistikkonzern.
1.000 Stellen weniger – durch die Hintertür?
Die Bundesvorsitzende der DPVKOM, Christina Dahlhaus, kritisierte das Vorgehen von DHL scharf. Nach Einschätzung der Gewerkschaft seien am Hub Leipzig/Halle in den vergangenen zwei Jahren rund 1.000 Stellen durch die Hintertür weggefallen. Auch der dortige Betriebsrat stützt diese Wahrnehmung und spricht von einem strukturierten Abbau der Belegschaft.
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DHL bestätigte auf Anfrage einen deutlichen Rückgang der Beschäftigtenzahlen. Waren Anfang 2024 noch mehr als 7.000 Mitarbeiter am Standort tätig, lag die Zahl zu Beginn des Jahres 2026 bei über 6.000 Personen. Den Vorwurf eines gezielten oder verdeckten Stellenabbaus wies das Unternehmen jedoch zurück.
Natürliche Fluktuation oder strategischer Kahlschlag?
Die Unternehmensleitung begründet die Entwicklung mit der natürlichen Fluktuation. Frei werdende Stellen seien aufgrund der aktuellen Marktlage bewusst nicht neu besetzt worden. Als wesentlichen Faktor nennt DHL die rückläufigen Sendungsmengen, die der Konzern bereits seit 2022 verzeichne.
Während die Personalkapazitäten schrumpfen, investiert DHL Express weiter in die technische Infrastruktur. Auf 48.000 Quadratmetern Fläche, auf der täglich bis zu 60 Flugzeuge abgefertigt werden, wurde in den letzten drei Jahren verstärkt Videoanalytik zur Erkennung von Eindringlingen und Diebstahl implementiert. Die Maßnahmen dienen auch der Erfüllung strenger EU-Sicherheitsauflagen – insbesondere nachdem im Juli 2025 Brandsätze in Hubs in Leipzig und Birmingham für Sicherheitsalarme gesorgt hatten.
DHL setzt auf erneuerbare Energien
Trotz der Konsolidierung im klassischen Express-Geschäft plant die Konzernmutter einen massiven Ausbau in zukunftsträchtigen Segmenten. CEO Tobias Meyer kündigte an, den Umsatz im Bereich erneuerbare Energien von 600 Millionen Euro im Jahr 2025 auf rund drei Milliarden Euro zu verfünffachen.
Im Fokus stehen Logistiklösungen für Batterien, Windkraft- und Solaranlagen sowie Wasserstofftechnologien. Für Anfang 2027 plant DHL Supply Chain die Inbetriebnahme eines neuen europäischen Logistikzentrums für Hochvoltbatterien in den Niederlanden.
Sachsens Industrie im Umbruch
Der Stellenrückgang am DHL-Hub Leipzig reiht sich in eine Serie von Personalnachrichten aus der Region. Die Volkswagen AG treibt ihren Umbau voran, der bis 2030 den Wegfall von mehr als 35.000 Stellen in Deutschland vorsieht – auch die sächsischen Werke sind betroffen.
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Gleichzeitig kündigte die Molkerei Müller die Schließung von Landliebe-Standorten in Süddeutschland bis Ende 2026 an. Teile der Produktion sollen nach Leppersdorf in Sachsen verlagert werden. Auch in der Brauereiwirtschaft stehen Veränderungen an: Die Haus Cramer Gruppe verhandelt über Sozialpläne für rund 200 Beschäftigte, da Standorte in Herford und Paderborn im Laufe des Jahres 2026 geschlossen oder verkauft werden sollen.
