DHL-Chef, Briefzustellung

DHL-Chef beklagt: Briefzustellung ist nicht mehr rentabel

13.05.2026 - 11:51:15 | boerse-global.de

DHL verzeichnet drastischen Rückgang der Briefmengen und sieht das Geschäft nur noch als Ergänzung zum Paketsegment.

DHL-Chef beklagt: Briefzustellung ist nicht mehr rentabel - Foto: über boerse-global.de
DHL-Chef beklagt: Briefzustellung ist nicht mehr rentabel - Foto: über boerse-global.de

DHL-CEO Tobias Meyer erklärte am Montag, dass die tägliche Briefzustellung wirtschaftlich nicht mehr zu halten sei. 2025 sanken die Briefmengen um sieben Prozent – und der Abwärtstrend beschleunigt sich dramatisch.

Briefgeschäft wird zum Zusatzgeschäft

Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Im ersten Quartal 2026 brach das Briefvolumen um 13 Prozent ein. DHL führt dies unter anderem auf das Ende von Sondereffekten durch die Bundestagswahl zurück. Das Management betont: Das Briefgeschäft fungiert zunehmend nur noch als Ergänzung zum robusten Paketsegment.

Anzeige

Viele Geschäftsbriefe verstoßen gegen DIN 5008 – ohne dass es der Absender weiß. Diese kostenlose Word-Vorlage zeigt, wie ein normgerechter Brief wirklich aussehen muss. Professionelle Geschäftsbrief-Vorlage nach DIN 5008 jetzt kostenlos sichern

Eine Abspaltung der Briefsparte steht laut Unternehmensangaben nicht zur Debatte. Die Zukunftsfähigkeit hänge jedoch maßgeblich von geeigneten regulatorischen Rahmenbedingungen ab. Das neue Postgesetz, das am 1. Januar 2025 in Kraft trat, hat die rechtlichen Grundlagen bereits verändert. Eine vollständige Einstellung der täglichen Zustellung sei aber noch nicht absehbar, so die Norddeutschland-Vertretung des Konzerns.

Automatisierte Briefe als neuer Trend

Während die klassische Post schrumpft, entstehen neue Geschäftsmodelle. Anbieter wie LetterFlow vermarkten automatisierte Briefversand-Dienste speziell für kleine und mittlere Unternehmen (KMU) sowie Handwerksbetriebe. Ab rund 1,10 Euro pro Sendung können Firmen über CSV-Importe und Adresslisten Massenbriefe verschicken. Der physische Brief wird so zum skalierbaren Akquisitionskanal umfunktioniert.

Die Digitalisierung erfasst auch die interne Dokumentenverwaltung. Management-Experten der T&O Group betonten am Dienstag, dass traditionelle Berichtswesen zunehmend durch Echtzeit-Steuerung auf Systembasis ersetzt werden. Übermäßige manuelle Berichterstattung sei ein Symptom struktureller Defizite, die moderne Projektsteuerung beseitigen müsse.

Software-Riesen stellen um

Die Softwarebranche reagiert: SAP kündigte im Mai 2026 den Ausbau seiner Field Service and Asset Management (FSA)-Suite an, die bis 2027 die bestehende Multiresource Scheduling (MRS)-Lösung ablösen soll. Auch Microsoft Project Online wird zum 1. Oktober 2026 eingestellt. Die TPG The Project Group hat bereits Migrationslösungen für den Umzug auf moderne Strategieplattformen entwickelt.

Frankreich zwingt zur E-Rechnung

Ein entscheidender Treiber der Digitalisierung sind EU-weite Regulierungen. Deutsche Unternehmen mit Geschäften oder Umsatzsteuer-Registrierung in Frankreich müssen sich auf die Pflicht zur E-Rechnung im französischen B2B-Bereich vorbereiten. Ab dem 1. September 2026 müssen alle Firmen in Frankreich elektronische Rechnungen empfangen können.

Große und mittlere Unternehmen sind dann auch zum Ausstellen in spezifischen digitalen Formaten wie Factur-X oder UBL verpflichtet. Alle übrigen Betriebe folgen bis September 2027. Hinzu kommen parallele Echtzeit-Meldepflichten. Deutsche Tochtergesellschaften müssen ihre Buchhaltungs- und Büroprozesse frühzeitig anpassen.

Anzeige

Die Umstellung auf elektronische Abrechnungsprozesse ist für viele Unternehmer eine große Herausforderung. Ein kostenloser Experten-Ratgeber erklärt Schritt für Schritt, welche Formate und Archivierungsregeln bei der E-Rechnungspflicht wirklich zählen. E-Rechnungen rechtssicher einführen – Gratis-Report jetzt herunterladen

Münchner Rathaus wird zum Co-Working-Space

Auch die Arbeitsumgebung verändert sich. In München eröffneten Oberbürgermeister Dominik Krause und Digitalisierungschefin Dr. Laura Dornheim am Dienstag einen neuen Co-Working-Space im Rathaus. Die flexiblen Arbeitsplätze für Verwaltungsmitarbeiter signalisieren den Wandel hin zu agileren Arbeitsmodellen im öffentlichen Dienst.

Der Büroimmobilienmarkt in Bayern spiegelt diesen trend wider: Die Leerstandsquote liegt bei 6,3 Prozent – das entspricht 1,8 Millionen Quadratmetern. In München sind es rund acht Prozent. Ein Teil dieser Flächen wird umgenutzt: Ein ehemaliges Bürogebäude im Münchner Loferfeld wurde kürzlich in 33 Wohnungen für das „Housing First“-Programm der Diakonie umgewandelt.

Weiterbildung für die papierlose Zukunft

Die Nachfrage nach spezialisierten Qualifikationen steigt. Organisationen wie die GFN und die Bundesagentur für Arbeit setzen auf Zertifizierungen für Büro- und Projekt organisation mit modernen digitalen Werkzeugen. Die Programme umfassen Technologien wie Business Process Management (BPM), Dokumenten-Management-Systeme (DMS) sowie den Einsatz von KI-Agenten und Robotic Process Automation (RPA).

Spezielle Seminare, etwa am 1. Oktober 2026 am WIFI NÖ in St. Pölten, konzentrieren sich auf digitales Zeitmanagement und systematische elektronische Ablage. Assistenten und Führungskräfte sollen so auf das papierlose Büro vorbereitet werden.

Ausblick: Das entscheidende Jahr

Der Zeitraum zwischen Mitte 2026 und Ende 2027 wird für die europäische Büroverwaltung zur Bewährungsprobe. Die Abschaltung von Microsoft Project Online im Oktober 2026 und der Start der französischen E-Rechnungspflicht im September 2026 werden eine Welle von Software-Upgrades und Prozessneugestaltungen auslösen.

Das erfolgreiche Büro von morgen wird sich nicht durch Aktenschränke oder Poststellen auszeichnen, sondern durch die Fähigkeit, KI-gesteuerte Aufgabenverwaltung zu integrieren und mit zunehmend synchronisierten europäischen Digitalstandards Schritt zu halten.

Wirtschaftsnachrichten lesen ist gut - trading-notes lesen ist besser!

Wirtschaftsnachrichten lesen ist gut - <b>trading-notes</b> lesen ist besser!
Seit 2005 liefert der Börsenbrief trading-notes verlässliche Anlage-Empfehlungen – dreimal pro Woche, direkt ins Postfach. 100% kostenlos. 100% Expertenwissen. Trage einfach deine E-Mail Adresse ein und verpasse ab heute keine Top-Chance mehr. Jetzt abonnieren.
Für. Immer. Kostenlos.
de | wirtschaft | 69322070 |