DGUV, Vorschrift

DGUV Vorschrift 2: Neue Fachkräfte und digitale Betreuung seit Januar

18.06.2026 - 11:34:55 | boerse-global.de

Motivational Interviewing und neue Normen verändern die Arbeitssicherheit. Psychologische Ansätze sollen Unfallprävention verbessern und Kosten senken.

Verhaltenspsychologie in der Arbeitssicherheit: Neue Methoden im Fokus
DGUV - Arbeiter in Schutzausrüstung diskutieren mit einer Sicherheitsfachkraft in einer Industriehalle, um die Motivation für Arbeitsschutz zu erhöhen. 18.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

Das sogenannte Motivational Interviewing (MI) soll die Akzeptanz von Sicherheitsvorgaben erhöhen – etwa beim Tragen von Schutzausrüstung oder bei Lockout-Tagout-Verfahren.

MI versteht sich nicht als Ersatz für rechtliche Vorgaben, sondern als Ergänzung. Ziel ist es, Beschäftigte aktiv einzubinden, statt Anweisungen nur einseitig vorzugeben. Die Methode basiert auf vier zentralen Prozessen: Beziehungsaufbau, Fokussierung, Motivation und Planung.

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Neue Norm für komplexe Sicherheitsverfahren

Besonders relevant wird MI bei aufwendigen Verfahren wie dem Lockout-Tagout. Mit der neuen DIN EN 17975 gibt es seit Kurzem einen europaweiten Standard für die Kontrolle gefährlicher Energien bei Wartungsarbeiten. Psychologische Ansätze sollen sicherstellen, dass die Belegschaft diese Vorgaben nicht nur versteht, sondern auch eigenverantwortlich umsetzt.

Reformierte Vorschriften treiben Wandel voran

Der Trend zur Professionalisierung wird durch rechtliche Änderungen gestützt. Seit dem 1. Januar 2026 ist die reformierte DGUV Vorschrift 2 in Kraft. Wesentliche Neuerung: Neben Ingenieuren werden nun auch Experten aus Arbeitspsychologie, Humanmedizin oder Ergonomie als Fachkräfte für Arbeitssicherheit zugelassen.

Die Beschäftigtenzahl für die vereinfachte Regelbetreuung stieg von 10 auf 20 Personen. Zudem lassen sich künftig bis zu einem Drittel der Betreuungsstunden digital erbringen – sofern zuvor eine Begehung vor Ort stattfand.

Milliardenpotenzial durch bessere Prävention

Die wirtschaftliche Relevanz ist enorm. Laut einer aktuellen Studie zum betrieblichen Gesundheitsmanagement ließen sich durch vertrauensbasierte Ansätze jährlich rund 30,5 Milliarden Euro einsparen. Fehlzeiten, Präsentismus und Fluktuation sollen sinken.

Besonders psychische Erkrankungen treiben die Krankenstände. Im Jahr 2025 waren sie bei Frauen für über 22 Prozent der Langzeitausfälle verantwortlich, bei Männern für über 13 Prozent.

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Berliner Erklärung für mehr Kooperation

Führende Verbände reagieren: Am 11. Juni 2026 unterzeichneten der VDSI und Vertreter der Arbeitsmedizin die „Berliner Erklärung zur interdisziplinären Prävention“. Sie sieht eine intensivere Zusammenarbeit zwischen Sicherheitstechnik und Arbeitsmedizin vor.

Ein Beispiel aus der Praxis zeigt, wie das funktioniert: In der Textilhandelsbranche führten Wiederholungsbefragungen zur psychischen Gefährdungsbeurteilung Anfang 2025 zu messbaren Verbesserungen. Bei Beteiligungsquoten von über 80 Prozent lieferten die Erhebungen die Basis für gezielte Führungskräfte-Schulungen und organisatorische Anpassungen.

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