DGUV-Tool, ESA

DGUV-Tool ESA: Praxiserprobte Lösungen sollen psychische Belastungen senken

Veröffentlicht am: 08.10.2026 um 12:48 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Psychisch bedingte Fehlzeiten nahmen zu; die DGUV verweist auf Gefährdungsbeurteilungen und praxiserprobte Maßnahmen.

DGUV setzt auf Prävention psychischer Belastungen am Arbeitsplatz
Ein heller, modern gestalteter Büroarbeitsplatz mit ergonomischen Möbeln und Pflanzen in einer ruhigen, professionellen Umgebung. Illustration mit AI erstellt.

Anlässlich der anstehenden Woche der Seelischen Gesundheit vom 10. bis 20. Oktober 2026, die unter dem Motto „Miteinander statt nebeneinander“ steht, rückt die Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung (DGUV) die gesundheitsgerechte Arbeitsgestaltung in den Fokus.

Als zentrales Instrument zur Prävention verweist der Verband auf die Gefährdungsbeurteilung psychischer Belastungen. Um Betriebe bei der praktischen Umsetzung zu unterstützen, bündelt das Online-Tool „Erfahrungsschatz Arbeitsgestaltung“ (ESA) branchenübergreifende Praxisbeispiele.

Unterstützung durch praxiserprobte Maßnahmen

Arbeitsdruck, ständige Unterbrechungen und zwischenmenschliche Konflikte gehören zu den Faktoren, die Beschäftigte im Arbeitsalltag belasten können. Nach Angaben der DGUV dient die Gefährdungsbeurteilung dazu, solche Risiken strukturiert zu erfassen und gezielte Gegenmaßnahmen einzuleiten.

Die Plattform ESA stellt konkrete Belastungssituationen, Gefährdungen, Schutzziele sowie praxisnahe Maßnahmen dar. Wie Dr. Stephan Fasshauer, DGUV-Hauptgeschäftsführer und amtierender Vorsitzender der Nationalen Präventionskonferenz (NPK), betonte, müssten Betriebe bei diesem Thema keineswegs bei null anfangen. Die psychische Gesundheit bildet im Jahr 2026 zudem das Schwerpunktthema der NPK.

Deutlicher Anstieg psychisch bedingter Fehlzeiten

Dass Handlungsbedarf besteht, unterstreichen aktuelle Erhebungen der Krankenkassen. Laut dem WIdO-Fehlzeiten-Report 2026 stiegen die Arbeitsunfähigkeitstage (AU-Tage) aufgrund psychischer Erkrankungen bei AOK-versicherten Beschäftigten innerhalb von zehn Jahren um knapp 42 Prozent: Während 2016 noch 284 Fehltage je 100 Mitglieder verzeichnet wurden, waren es im Jahr 2025 bereits 403 Tage. Bei Burnout-Diagnosen betrug der Zuwachs im selben Zeitraum 77 Prozent, von 11,0 auf 19,5 Ausfalltage je 100 Mitglieder.

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Um psychische Belastungen im Betrieb rechtssicher zu erfassen, benötigen Verantwortliche im Arbeitsschutz praxistaugliche Instrumente. Dieser kostenlose Report liefert bewährte Hilfsmittel, die in der Praxis und vor Behörden standhalten. Warum erfahrene Sifas bei der Gefährdungsbeurteilung auf diese Vorlagen schwören

Zwar machten psychische Erkrankungen im Jahr 2025 nur 14,1 Fälle je 100 Mitglieder aus – verglichen mit 80,3 Fällen bei Atemwegserkrankungen –, allerdings fielen die Ausfallzeiten mit durchschnittlich 28,5 Tagen je Fall deutlich länger aus als bei Atemwegsbeschwerden mit 5,7 Tagen.

Über alle Diagnosen hinweg lag der Krankenstand 2025 bei 23,3 AU-Tagen je Mitglied, nach 24,5 Tagen im Jahr 2022 und jeweils 23,9 Tagen in den Jahren 2023 und 2024. Im ersten Halbjahr 2026 bewegte sich das Niveau unter den Werten des Vorjahres.

Hohe Belastungen in Dienstleistungs- und Pflegeberufen

Besonders stark betroffen sind Berufe mit intensivem zwischenmenschlichem Kontakt. Im Dialogmarketing erfasste der WIdO-Report für 2025 bundesweit 39,0 psychisch bedingte Ausfallfälle je 100 Mitglieder. Es folgten Tätigkeiten in der Haus- und Familienpflege mit 25,6 Fällen, der Altenpflege mit 24,9, der Heilerziehungspflege und Sonderpädagogik mit 24,6 sowie der Kinderbetreuung mit 23,0 Fällen.

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Wer sich mit der Prävention von Überlastungen befasst, muss die gesetzlichen Anforderungen genau kennen. Kostenlose Vorlagen und Checklisten helfen Sifas und Arbeitgebern, Zeit zu sparen und rechtliche Risiken bei der Gefährdungsbeurteilung zu vermeiden. Gefährdungsbeurteilung: So erstellen Sie GBUs, die Aufsichtsbehörden sofort anerkennen

Auf regionaler Ebene zeigen sich vergleichbare Muster: In Mecklenburg-Vorpommern entfiel 2025 knapp ein Fünftel aller erfassten Fehltage auf psychische Diagnosen, bei 497 AU-Tagen je 100 AOK-Versicherte gegenüber rund 314 im Jahr 2016. Auch die AOK Bayern meldete für die vergangenen zehn Jahre einen Anstieg der psychisch bedingten Fehltage um knapp 41 Prozent auf 349 Tage je 100 Versicherte sowie ein Plus von 83 Prozent bei Burnout-Diagnosen.

Wachsende Belastung der Sozialkassen

Die langen Ausfallzeiten schlagen sich auch finanziell nieder. Nach WIdO-Berechnungen beliefen sich die Krankengeld-Ausgaben der gesetzlichen Krankenversicherung im Jahr 2025 auf 21,6 Milliarden Euro, was 6,1 Prozent der Gesamtausgaben entspricht – zehn Jahre zuvor lagen sie bei 11,2 Milliarden Euro beziehungsweise 5,2 Prozent.

Zwischen 2021 und 2025 wuchsen die Krankengeldfälle wegen psychischer Erkrankungen um knapp 25 Prozent. Die Ausgaben in diesem Segment kletterten um 54 Prozent, während somatisch bedingte Krankengeldzahlungen um 27 Prozent zulegten.

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