DGUV-Branchenregel 115-401: Psychische Belastung rückt in den Fokus
24.06.2026 - 23:02:55 | boerse-global.de
Juni 2026 die überarbeitete Branchenregel 115-401 „Branche Bürobetriebe“ veröffentlicht. Der aktualisierte Rahmen für Sicherheit und Gesundheit in Büros verfolgt einen ganzheitlichen Ansatz. Im Fokus stehen nicht mehr nur die reine Ergonomie, sondern auch psychische Belastung, Arbeitsorganisation und Raumklima.
Die Neufassung integriert aktuelle rechtliche Verweise, etwa die Arbeitsstättenregel A6 zur Bildschirmarbeit. Das Ziel: Arbeitsplätze gesünder und menschengerechter gestalten.
Psychische Gesundheit wird zum Top-Thema
Auf dem 11. Präventionsforum in Berlin diskutierten am 23. und 24. Juni 2026 mehr als 200 Fachleute über mentale Gesundheit in der Arbeitswelt. Die Zahlen sind alarmierend: Psychische Störungen verursachten 2024 rund 16,7 Prozent der Arbeitsunfähigkeitstage. Ganze 42 Prozent der Erwerbsminderungsrenten gehen auf ihr Konto.
Experten sehen die Digitalisierung als zweischneidiges Schwert. Sie bietet Chancen, birgt aber durch Technostress erhebliche Risiken.
Die Initiative AOP-GA warnte am 23. Juni 2026 vor einer geplanten Lockerung des Arbeitszeitgesetzes. Ihre Botschaft: Die Abkehr vom Achtstundentag widerspricht aktuellen Forschungsergebnissen. Stattdessen brauche es präventive Maßnahmen und menschengerechte Bedingungen.
Viele Sicherheitsbeauftragte stehen vor der Herausforderung, die gesetzlichen Pflichten für moderne Arbeitsplätze zeitsparend umzusetzen. Diese kostenlose Anleitung zeigt Ihnen, welche Inhalte bei der Unterweisung wirklich zählen, und liefert eine fertige Muster-Präsentation für Ihren Betrieb. Büroarbeitsplatz-Unterweisung in Rekordzeit vorbereiten
Eine Alternative bietet das Modell des „Chronoworking“. Dabei werden Arbeitszeiten an den individuellen Biorhythmus angepasst. Studien aus Japan deuteten bereits 2022 darauf hin: Menschen mit spätem Chronotyp leiden bei starren Zeiten häufiger unter Schlafstörungen und Leistungseinbußen.
Homeoffice: Langes Sitzen wird zum Problem
Aktuelle Studienergebnisse vom 23. Juni 2026 beleuchten das Bewegungsverhalten beim hybriden Arbeiten. Eine Untersuchung mit 52 Teilnehmern nutzte die CUELA-Messmethode. Das Ergebnis: Beschäftigte im Homeoffice verbringen rund 46,2 Prozent Ihrer Arbeitszeit in langen Sitzphasen von mindestens 30 Minuten. Im Büro liegt dieser Wert mit 38,9 Prozent deutlich niedriger.
Im häuslichen Umfeld dominieren längere ununterbrochene Sitzzeiten. Dafür beobachteten Forscher dort häufigere Haltungswechsel während der Pausen.
Die internationale PURE-Studie unterstreicht die langfristigen Auswirkungen. Über zwölf Jahre begleitete sie mehr als 41.000 Erwachsene. Die Ergebnisse zeigen eine J-Kurve zwischen Sitzzeit und kardiovaskulärem Risiko. Das Optimum liegt bei etwa vier Stunden Sitzen pro Tag. Wer mehr sitzt, kann das Risiko durch tägliche Bewegung von 30 Minuten um drei bis vier Prozent senken.
Besonders am Büroarbeitsplatz werden gesundheitliche Risiken durch langes Sitzen oft unterschätzt, was rechtssichere Gefährdungsbeurteilungen unerlässlich macht. Erfahren Sie in diesem kostenlosen Report, wie Sie behördenkonforme GBUs erstellen und die sieben häufigsten Irrtümer im Arbeitsschutz vermeiden. Kostenlose Checklisten für die Gefährdungsbeurteilung sichern
Neue Hardware für den Bildschirmarbeitsplatz
Parallel zu den regulatorischen Entwicklungen präsentierten Hersteller am 23. und 24. Juni 2026 neue Lösungen. Novus stellte eine weiterentwickelte Monitortragarmserie vor. Ein neues Gelenk erhöht die Tragfähigkeit – selbst schwere 49-Zoll-Curved-Displays bleiben stabil. Das Unternehmen setzt verstärkt auf Nachhaltigkeit: Kunststoffkomponenten bestehen zu bis zu 97 Prozent aus Rezyklat.
Auch bei den Anzeigegeräten gibt es Neuerungen. EIZO kündigte zwei Ultrawide-Monitore mit integriertem KVM-Switch und USB-C-Schnittstellen an. Das 37,5-Zoll-Modell ist bereits verfügbar, eine Variante in 34,1 Zoll folgt im Herbst 2026. Der Hersteller gewährt auf diese Geräte eine Garantie von sieben Jahren.
Für den Gaming-Sektor gab es ebenfalls Neuigkeiten: Stühle mit integrierter Klimaanlage und Massagefunktion sowie High-End-Monitore mit bis zu 720 Hz Bildwiederholrate im Dual Frame Mode.
Ergonomie erreicht die Schulen
Die Debatte um ergonomische Standards erfasst zunehmend auch den Bildungssektor. Am 23. Juni 2026 forderten Eltern einer Schule in Saarbrücken eine Gefährdungsbeurteilung. Grund: die iPad-Pflicht im Unterricht. Schüler klagten über Kopf- und Rückenschmerzen, die Bildschirmzeiten lägen oft über den fachlichen Empfehlungen. Die DGUV befürwortete die Durchführung einer entsprechenden Beurteilung.
Für den sommerlichen Arbeitsschutz gab die Bundesagentur für Arbeit am 23. Juni 2026 zudem klare Richtlinien bekannt. Arbeitgeber müssen bereits ab einer Raumtemperatur von 26 Grad Gegenmaßnahmen prüfen. Ab 30 Grad sind Schutzmaßnahmen wie Jalousien oder Trinkwasser verpflichtend. Räume ohne entsprechende Schutzvorrichtungen gelten ab einer Innentemperatur von 35 Grad als ungeeignet für die Arbeit.
