DGUV Barometer: 91 Prozent der Azubis lernen Sicherheit im Betrieb
Veröffentlicht am: 13.10.2026 um 22:30 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Klassische Sicherheitsunterweisungen reichen oft nicht aus, um Arbeitsschutz nachhaltig in der Belegschaft zu verankern. Die Berufsgenossenschaft Energie Textil Elektro Medienerzeugnisse (BG ETEM) empfiehlt Unternehmen daher, Arbeits- und Gesundheitsschutz aktiv erlebbar zu machen.
Statt rein theoretischer Belehrungen setzt die Unfallversicherung auf Praxisübungen, realitätsnahe Szenarien und interaktive Formate. Die BG ETEM fungiert als gesetzliche Unfallversicherung für rund 4 Mio. Beschäftigte in gut 200.000 Mitgliedsbetrieben.
Interaktive Aktionsmedien und betriebliche Praxistage
Um Betriebe bei der Gestaltung praxisorientierter Maßnahmen zu unterstützen, stellt die Berufsgenossenschaft unter aktionsmedien-bgetem.de ausleihbare Aktionsmedien zur Verfügung. Das Angebot umfasst unter anderem ein Ladungssicherungsmodell, Rausch-Simulationsbrillen sowie spezielle Fahrsicherheitsseminare.
Wie solche Formate erfolgreich in den betrieblichen Alltag integriert werden können, thematisiert der Verband zudem im Rahmen seines Podcasts Ganz sicher. In Folge 57 erläutert Mathias Kütten von der VSE-Gruppe, wie Praxistage für Arbeitssicherheit strukturiert und wirksam umgesetzt werden können.
DGUV Barometer Bildungswelt zeigt Vorsprung der betrieblichen Ausbildung
Dass praxisnahe Wissensvermittlung direkte Wirkung zeigt, belegen aktuelle Daten aus dem DGUV Barometer Bildungswelt 2026, einer repräsentativen Befragung von Auszubildenden und Studierenden im Auftrag der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV).
Während 91% der Auszubildenden angeben, dass ihnen Sicherheit und Gesundheit während der Ausbildung vermittelt wurden, liegt dieser Anteil bei den Studierenden lediglich bei 53%. Entsprechend fühlen sich 72% der Auszubildenden gut oder sehr gut auf ein sicheres und gesundes Berufsleben vorbereitet, verglichen mit 40% bei den Studierenden.
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Im Ausbildungsumfeld werden zentrale Schutzthemen flächendeckend adressiert: Bei 92% der Auszubildenden wurde das Verhalten zur Unfallvermeidung thematisiert, bei 84% das Verhalten bei Unfällen geschult, bei 83% die Gefahrenerkennung und bei 82% das Verhalten im Brandfall.
Insgesamt schreiben 81% der Auszubildenden Sicherheit und Gesundheit im Betrieb einen hohen Stellenwert zu. Zudem verfügen 89% über alle nötigen Informationen, und 82% bestätigen, dass gefährliche Situationen ernst genommen werden.
Auch organisatorisch zeigt sich die betriebliche Praxis gefestigt: 72% der Auszubildenden wissen, wie eine Unfallmeldung erfolgt, während dies nur bei 30% der Studierenden der Fall ist.
Bei Problemen wissen 12% der Auszubildenden nicht, an wen sie sich wenden können – unter Studierenden liegt diese Quote bei 35%. 93% der Auszubildenden ist zudem der Schutz durch die gesetzliche Unfallversicherung bekannt. Insgesamt sehen 66% der Auszubildenden und 68% der Studierenden keinen konkreten Verbesserungsbedarf.
Risiken, Suchtprävention und seelische Gesundheit
Hinsichtlich der Unfallrisiken stehen Stolpern, Rutschen und Stürzen mit 65% an der Spitze, gefolgt von Wegeunfällen mit 52% und Gefahren durch Werkzeuge oder Maschinen mit über 40%.
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Im Bereich der Belastungen berichten Auszubildende von verbaler Aggression (42%), Diskriminierung (37%), Mobbing (28%), sexueller Belästigung (24%) und physischer Gewalt (14%). Unter Studierenden liegen die Vergleichswerte bei 23% für verbale Aggression, 33% für Diskriminierung, 12% für Mobbing, 25% für sexuelle Belästigung und 3% für physische Gewalt.
Ein weiterer Aspekt betrifft den Konsum von Suchtmitteln: 35% der Auszubildenden haben Alkohol und 40% andere Suchtmittel im Bildungsumfeld erlebt oder beobachtet. Bei Studierenden gaben 63% an, Alkoholkonsum beobachtet zu haben.
Klare Vorgaben sind vor allem in Betrieben etabliert: Fast 9 von 10 Auszubildenden berichten von eindeutigen Regeln, während dies bei Studierenden für Alkohol auf 38% und für andere Suchtmittel auf 47% zutrifft. Diese Regelungen stoßen auf breite Zustimmung: 97% der Auszubildenden und 92% der Studierenden halten klare Vorgaben für richtig.
Für das Arbeitsumfeld spielen zwischenmenschliche Faktoren eine überragende Rolle. Im DGUV Barometer 2026 bezeichnen 98% der Auszubildenden einen respektvollen Umgang und Wertschätzung als wichtig oder sehr wichtig.
Lernen und Weiterentwicklung nennen 96% (davon 65% als sehr wichtig), während ein sicherer Ausbildungsplatz sowie eine gute Zusammenarbeit für jeweils 60% sehr wichtig sind. 59% messen einer guten Anleitung diese höchste Priorität bei.
Die psychische Stabilität rückt parallel auch verbandsweit in den Fokus: Die DGUV begleitet die Woche der Seelischen Gesundheit vom 10. bis 20. Oktober 2026, die unter dem Leitgedanken steht, dass jede Psyche zählt.
