DGB-Protest 26. September: Gewerkschaften mobilisieren gegen Rentenkürzungen
Veröffentlicht am: 21.09.2026 um 21:30 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Der Deutsche Gewerkschaftsbund ruft für Samstag, den 26. September 2026, zu bundesweiten Kundgebungen in 15 Großstädten auf. Im Zentrum der Proteste gegen die arbeitsmarkt- und sozialpolitischen Pläne der Regierungskoalition steht Nordrhein-Westfalen: Die dortige Demonstration beginnt um 10.45 Uhr in Essen.
Der DGB-Landesvorsitzende Thorben Albrecht rechnet mit 10.000 Teilnehmenden, während die DGB-Bundesvorsitzende Yasmin Fahimi als Hauptrednerin auftreten wird. Neben Essen finden Aktionen unter anderem in Berlin, Leipzig, Bremen und Freiburg statt.
Kritik an Einschnitten bei Rente, Gesundheit und Arbeitsrecht
Der bundesweite Aktionstag steht unter dem Motto, dass Arbeit, Gesundheit und Rente hart verdient seien. Der Gewerkschaftsbund wendet sich gegen das geplante Gesetzespaket und verlangt einen grundlegenden Kurswechsel. Landeschef Albrecht bezeichnete Kürzungsorgien als ungeeignetes Mittel für echte Reformen.
Die Gewerkschaften kritisieren insbesondere die geplante Attestpflicht ab dem ersten Krankheitstag, eine schrittweise Anhebung des Renteneintrittsalters sowie die Streichung der abschlagsfreien Rente nach 45 Beitragsjahren.
Ebenso stoßen Vorhaben zur Ausweitung von Befristungen, die faktische Abschaffung des Achtstundentags, höhere Zuzahlungen im Gesundheitsbereich, der Wegfall des Pflegebudgets sowie Verschlechterungen bei der Altersteilzeit auf scharfen Widerstand.
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Zur Gegenfinanzierung schlägt der DGB alternative Maßnahmen vor, darunter die Wiedereinführung der Vermögenssteuer, eine verpflichtende Betriebsrente sowie die Einzahlungspflicht von Selbstständigen und Abgeordneten in die gesetzliche Rentenversicherung. Albrecht verwies zudem auf Signale für Bewegung bei Spitzenpolitikern wie Lars Klingbeil aufseiten der SPD und Karl-Josef Laumann in der CDU.
Koalitionspartner ringen nach Landtagswahlen um Reformkurs
Der gewerkschaftliche Druck fällt in eine phase intensiver Debatten innerhalb der Berliner Koalition aus Union und SPD. Nach den jüngsten Landtagswahlen in Mecklenburg-Vorpommern, bei denen die CDU erstmals den Einzug in das Landesparlament verfehlte, und Berlin kündigte Bundeskanzler Friedrich Merz eine grundlegende Kurskorrektur an.
Merz hält am Bündnis mit den Sozialdemokraten sowie an den Reformen fest, da diese kommen müssten, und sieht seine eigene Position nicht gefährdet. Aus den Reihen der SPD wurden am 20. September 2026 hingegen Rufe nach einer inhaltlichen Neuausrichtung laut.
Parteichef Klingbeil forderte eine bessere Substanz bei den Beschlüssen zur Rentenpolitik, während Parlamentsgeschäftsführer Dirk Wiese mehr Pragmatismus anmahnte.
SPD-Generalsekretär Tim Klüssendorf distanzierte sich öffentlich, während Abgeordnete wie Annika Klose Nachverhandlungen bei der Rente mit 63, der Krankschreibung ab dem ersten Tag, Kettenbefristungen und dem Arbeitszeitgesetz verlangen. Nach Angaben des ZDF stehen bei der Rente mit 63 rund 10 Milliarden Euro auf dem Spiel.
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CDU-Generalsekretärin Franziska Hoppermann verwies auf vereinbarte Härtefallregelungen. Aus dem Parlamentskreis Mittelstand der CDU mahnte der Vorsitzende Christian von Stetten, die Regierung müsse notwendige Reformen bis zum Winter umsetzen. Er kritisierte Arbeitsministerin Bärbel Bas und bezifferte das Sparpotenzial der vereinbarten Maßnahmen auf mehrere Milliarden Euro.
Zugleich lehnte er den Haushaltsentwurf für 2027 von Finanzminister Klingbeil ab. Linke-Chefin Ines Schwerdtner forderte unterdessen einen sofortigen Reformstopp und bezog sich dabei direkt auf die anstehenden Sozialproteste.
Wirtschaftsverbände fordern Festhalten an Einsparungen
Gegenwind für den gewerkschaftlichen Protest kommt aus der Wirtschaft. In einem gemeinsamen Gastbeitrag verlangten BDI-Präsident Peter Leibinger und BDA-Präsident Rainer Dulger von der Regierungskoalition, den eingeschlagenen Reformkurs trotz der Wahlergebnisse fortzusetzen. Die geplante Abschaffung der abschlagsfreien Rente für langjährig Versicherte sei zwingend erforderlich, um Wettbewerbsfähigkeit, Wachstum und Beschäftigung zu sichern.
Darüber hinaus sprachen sich Leibinger und Dulger für eine Flexibilisierung des Arbeitsmarkts durch eine wöchentliche statt einer täglichen Höchstarbeitszeit aus. Sie forderten zudem den Abbau des Solidaritätszuschlags, eine vorgezogene Senkung der Körperschaftsteuer und eine spürbare Entlastung bei den Strompreisen.
Den aktuellen Entwurf zur Reform der Einkommensteuer wiesen die Spitzenverbände als kleinteilige Korrekturen mit lediglich minimalem Entlastungseffekt zurück.
