Rentenalter: DGB weist Forderungen nach späterem Eintritt zurück
Veröffentlicht am: 28.10.2026 um 10:48 Uhr | dts-nachrichtenagentur, AD HOC NEWSVorschläge der DGB-Rentenkommission
- Yasmin Fahimi wies Forderungen nach einem höheren Renteneintrittsalter am Mittwoch in Berlin zurück.
- Die Kommission strebt eine Netto-Versorgung von 70 Prozent des Durchschnittsverdiensts an.
- Vorgesehen sind unter anderem ein Demografiezuschuss des Bundes und eine betriebliche Altersvorsorge für alle Beschäftigten.
- Für gesundheitlich eingeschränkte Beschäftigte soll eine abschlagsfreie Teilrente möglich werden.
DGB lehnt höheres Rentenalter ab
Die Vorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbundes, Yasmin Fahimi, hat Forderungen nach einem späteren Renteneintrittsalter zurückgewiesen. Bei der Vorstellung der Empfehlungen der DGB-Rentenkommission sagte sie am Mittwoch in Berlin, die Lebenserwartung steige derzeit nicht so stark, wie das Renteneintrittsalter erhöht werde.
Gewerkschaft fordert andere Übergänge
Aus Sicht Fahimis wäre es daher eher angebracht, das Renteneintrittsalter wieder zu reduzieren. Sie verwies zugleich darauf, dass die Lebenserwartung zwischen Berufsgruppen wegen unterschiedlicher Erwerbsbiografien und Lebensrealitäten stark variiere.
Eine sachgerechte Abbildung der Lebenserwartung im Rentensystem sei deshalb nicht möglich. Die Finanzierung müsse unabhängig davon solide gestaltet werden, ohne die Herausforderungen durch Leistungskürzungen zu bewältigen.
Kritik an kapitalgedeckter Rente
Fahimi kritisierte außerdem das von der Arbeitsgemeinschaft für betriebliche Altersversorgung vorgeschlagene Modell einer kapitalgedeckten Rente. Es biete keinen zusätzlichen Schutz bei Erwerbsminderung oder für Hinterbliebene; zudem seien die zugrunde liegenden Zinserwartungen aus ihrer Sicht sehr ambitioniert.
Die DGB-Vorsitzende warnte, das Modell könne zu einer stärkeren Privatisierung führen und das Rentenniveau senken. Im Zentrum der eigenen Kommissionsvorschläge stehen dagegen die Sicherung des Lebensstandards im Alter, eine umfassende betriebliche Altersversorgung und bessere Übergänge für Beschäftigte, die nicht bis zur Regelaltersgrenze arbeiten können.
70 Prozent Netto-Versorgung als Ziel
Die Kommission bekräftigte, das Rentenalter müsse gesund erreicht werden. Sie strebt eine Netto-Versorgung von 70 Prozent des Durchschnittsverdiensts an.
Für die Finanzierung sollen hohe Einkommen, große Vermögen und Kapitalerträge stärker herangezogen werden. Zusätzlich soll ein Demografiezuschuss des Bundes aus Steuermitteln die demografischen Folgekosten abfedern; eine Finanzierung über Kürzungen bei Sozialleistungen oder höhere Verbrauchssteuern lehnt die Kommission ab.
Vorgaben für Arbeitgeber
Der DGB fordert außerdem eine Pflicht für alle Arbeitgeber, ihren Beschäftigten eine betriebliche Altersvorsorge auf tariflicher Basis anzubieten. Die gesetzliche Rentenversicherung soll zu einer Erwerbstätigenversicherung weiterentwickelt werden.
Als Brückenlösungen nennt die Kommission die Öffnung der Altersrente für Schwerbehinderte ab dem 62. Lebensjahr und eine abschlagsfreie Teilrente für gesundheitlich eingeschränkte Beschäftigte. Hinzu kommen ein Grundrentenzuschlag ohne Einkommensanrechnung und eine stärkere Einbeziehung verschiedener Finanzierungsquellen.
Die Debatte über das Renteneintrittsalter verbindet zwei unterschiedliche Fragen: die langfristige Finanzierung der gesetzlichen Rentenversicherung und die tatsächliche Möglichkeit, bis zur Regelaltersgrenze zu arbeiten. Der DGB stellt mit seinen Empfehlungen die Belastbarkeit der Beschäftigten und die Unterschiede zwischen Berufsgruppen in den Mittelpunkt.
Eine pauschale Kopplung des Rentenalters an die Lebenserwartung würde nach diesem Ansatz außer Acht lassen, dass körperlich belastende Tätigkeiten, gesundheitliche Einschränkungen und unterbrochene Erwerbsbiografien ungleich verteilt sind. Brückenmodelle wie abschlagsfreie Teilrenten oder ein früherer Zugang für Schwerbehinderte sollen diese Unterschiede im Übergang zwischen Erwerbsleben und Ruhestand abbilden.
Finanzierung und betriebliche Vorsorge
Die vorgeschlagene stärkere Heranziehung hoher Einkommen, großer Vermögen und von Kapitalerträgen markiert eine solidarische Finanzierungsrichtung. Der geforderte Demografiezuschuss würde die steigenden Ausgaben teilweise aus dem Bundeshaushalt tragen, während Kürzungen bei Sozialleistungen und höhere Verbrauchssteuern ausgeschlossen werden sollen.
Zusätzliche Bedeutung hat die Forderung nach einer verpflichtenden betrieblichen Altersvorsorge auf tariflicher Grundlage. Sie zielt darauf, die ergänzende Absicherung breiter zu verankern, steht aber zugleich für die grundsätzliche Auseinandersetzung darüber, wie stark die Alterssicherung kapitalgedeckt und privat organisiert werden soll.
