Deutschlands Wohnungsbau auf Zehnjahrestief: Nur 206.600 Fertigstellungen 2025
22.05.2026 - 22:47:48 | boerse-global.de
Mit 206.600 fertiggestellten Wohnungen im Jahr 2025 fiel die Zahl auf den niedrigsten Stand seit 2012. Das sind 18 Prozent weniger als im Vorjahr – und nicht einmal halb so viele, wie die Bundesregierung anpeilt.
Das selbst gesteckte Ziel von 400.000 neuen Wohnungen pro Jahr bleibt damit Wunschdenken. Branchenkenner warnen: Die Durststrecke ist noch nicht vorbei. Das Ifo-Institut rechnet für 2026 mit einem weiteren Absinken auf rund 185.000 Einheiten.
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Fehlbestand von 1,4 Millionen Wohnungen
Die Lücke zwischen Bedarf und Realität wird immer größer. Das Pestel-Institut schätzt den aktuellen Fehlbestand auf rund 1,4 Millionen Wohnungen. Andere Analysen gehen von mindestens einer Million aus.
Ein Problem: der Bauüberhang. Zum Jahreswechsel waren zwar 760.700 Wohneinheiten genehmigt, aber nicht fertig. Nur 307.200 davon befanden sich tatsächlich im Bau. Besonders alarmierend: 35.700 Baugenehmigungen verfielen – der höchste Wert seit 2002. Grund sind die schwierigen Finanzierungsbedingungen und gestiegenen Kosten.
Baukosten steigen – Iran-Krieg als Treiber
Die Kosten explodieren. Im ersten Quartal 2026 stiegen sie um 6 Prozent. Experten führen das unter anderem auf den Iran-Krieg zurück, der Energiepreise und Zinsen beeinflusst. Das Geschäftsklima im Wohnungsbau sank im April auf minus 28,4 Punkte – der stärkste Rückgang seit Frühjahr 2022. Die realen Auftragseingänge lagen im März 2026 um 7,7 Prozent unter dem Vorjahr.
Bauministerin Hubertz (SPD) spricht von einer Folge der vorangegangenen Krisenjahre. Die durchschnittliche Bauzeit von der Genehmigung bis zur Fertigstellung beträgt mittlerweile 27 Monate – 2020 waren es noch 20. Die Ministerin kündigte ein Maßnahmenpaket an: ein Upgrade des Baugesetzbuchs, den „Gebäudetyp E“ für einfacheres Bauen und eine verlängerte EH55-Plus-Förderung.
Immerhin: Die Baugenehmigungen stiegen 2025 um 10,6 Prozent auf 238.100 Einheiten. Ein Hoffnungsschimmer.
Opposition fordert Investitionsprogramm
Kritik kommt von der Opposition. Caren Lay (Linke) bezeichnete die Zahlen als beschämend und fordert ein massives Investitionsprogramm für sozialen Wohnungsbau. Verbändebündnisse verlangen zudem eine Senkung der Grunderwerbsteuer für Erstkäufer und weniger Bauvorschriften.
Bestandsimmobilien: Preise stabilisieren sich
Trotz der Neubau-Krise zeigt der Markt für Bestandswohnungen Lichtblicke. Der Postbank Wohnatlas 2026 prognostiziert bis 2035 einen realen Wertzuwachs von durchschnittlich 0,41 Prozent pro Jahr. 2025 stiegen die Preise real um 0,6 Prozent – der erste Anstieg seit vier Jahren.
Spitzenreiter ist Potsdam mit einem Plus von 14,3 Prozent auf durchschnittlich 5.897 Euro pro Quadratmeter. München bleibt mit 9.070 Euro die teuerste Stadt, verzeichnete aber nur ein Plus von 1,0 Prozent.
Die größten Gewinnerwartungen bis 2035: Leipzig (+1,9 Prozent pro Jahr), Schleswig-Holstein, Berlin und Bayern. Rückgänge gibt es in Sachsen-Anhalt (-0,5 Prozent), Thüringen (-0,2 Prozent) und Sachsen (-0,1 Prozent).
In den „Big 7“-Metropolen zeigt sich ein geteiltes Bild: Hamburg legte um 1,05 Prozent zu, Stuttgart verlor 1,37 Prozent. Wer im Vogtlandkreis kauft, zahlt rund 900 Euro pro Quadratmeter – und hat gute Verhandlungspositionen.
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Lokale Projekte trotzen der Krise
Trotz des schwierigen Umfelds entstehen neue Wohnprojekte. In Mannheim-Neckarau startete im Mai 2026 das generationenübergreifende Projekt „Jung und Alt am See“. 33 barrierefreie Wohnungen und eine Kindertagesstätte entstehen – gefördert mit 3,4 Millionen Euro. Fertigstellung: Herbst 2027.
In Soest baut man auf dem Kampschulte-Gelände 36 Wohneinheiten im KFW 55-Standard. Trotz Materialmangels und Preissteigerungen ist das Richtfest für den Frühsommer 2026 geplant. In Trier entstehen im Neubaugebiet Castelnau Mattheis 800 Wohneinheiten, davon 134 bereits fertig. 25 Prozent sind Sozialwohnungen.
Auch die Infrastruktur profitiert: In Mönchengladbach-Venn eröffnete im Mai die Grünanlage Flipsenpesch. Für 1,7 Millionen Euro entstand eine 29.000 Quadratmeter große Fläche mit Sportanlagen, Spielplätzen und Radschnellweg.
Ausblick: Langsame Erholung ab 2027?
Die Lage bleibt volatil. Die gestiegenen Genehmigungszahlen – plus 15 Prozent im ersten Quartal 2026 – deuten auf eine mögliche Belebung hin. Doch der Weg von der Genehmigung zum Einzug ist lang. Die Branche fordert staatliche Bürgschaften und steuerliche Entlastungen, um den Bauüberhang abzubauen.
Für 2027 rechnen Experten mit einer langsamen Erholung – vorausgesetzt, die Zinsen bleiben stabil und der angekündigte „Bau-Turbo“ wirkt. Bis dahin dürfte der Druck auf die Mietmärkte in den Ballungsräumen weiter steigen. Die Bauwirtschaft muss sich auf eine längere Phase der Anpassung an das neue Kostenniveau einstellen.
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