Deutschlandfonds: 30 Milliarden Euro sollen 130 Milliarden Investitionen anstoßen
Veröffentlicht am: 19.10.2026 um 06:39 Uhr | Redaktion boerse-global.deDie Bundesregierung richtet am 19. und 20. Oktober 2026 erstmals den „Invest in Germany Summit“ aus. Das Spitzentreffen bringt rund 200 internationale und nationale Führungskräfte sowie Investoren mit Vertretern der deutschen Politik zusammen. Ziel der Konferenz ist es, in einem herausfordernden wirtschaftlichen Umfeld verstärkt privates Kapital für den Standort Deutschland zu mobilisieren.
Auftakt in Berlin und Pläne für Technologiekooperationen
Bundeskanzler Merz eröffnet die Veranstaltung am Montagabend mit einer Rede bei einem Empfang im Kraftwerk Berlin, einem ehemaligen Heizkraftwerk in Berlin-Mitte. Auf dem Programm steht unter anderem ein Bühnengespräch mit NVIDIA-Chef Jensen Huang. An dem Auftakt nehmen zudem mehrere Regierungschefs der Länder teil.
Für den Konferenztag am Dienstag in der ESMT am Schloßplatz sind Beratungen mit Vizekanzler Klingbeil und dem halben Bundeskabinett angesetzt. Zudem sind Gespräche von Merz, sechs Ministern und dem Investitionsbeauftragten Martin Blessing mit internationalen Finanzgrößen wie Blackrock-Chef Larry Fink und Amundi-Chefin Valérie Baudson vorgesehen.
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Am Rande des Gipfels zeichnen sich konkrete Vorhaben ab. So bereitet die Bundesregierung Medienberichten zufolge eine Kooperation im Bereich der künstlichen Intelligenz mit Nvidia vor. Der Bund sei demnach bereit, einen dreistelligen Millionenbetrag in ein gemeinsames Projekt einzubringen, an dem auch Siemens und Audi beteiligt sein sollen.
Zur langfristigen Mobilisierung von Mitteln soll zudem der von Bundesregierung und KfW initiierte „Deutschlandfonds“ beitragen. Dieser sieht vor, mit 30 Milliarden Euro an öffentlichen Geldern und Garantien insgesamt 130 Milliarden Euro an Investitionen in Bereichen wie Energie, Mittelstand, kritische Rohstoffe und Technologieunternehmen anzustoßen.
Gemischte Signale aus Industrie und Finanzwirtschaft
Trotz der politischen Initiative ist die Stimmung in Teilen der Wirtschaft angespannt. Aus der Pharmabranche sagte bis auf Sanofi-Chefin Garijo keiner der 36 BCR-Konzerne zu. Als Hintergrund gelten Sparpläne im deutschen Gesundheitswesen.
Zudem halbierte Eli Lilly kürzlich eine geplante Investition von 2,3 Milliarden Euro in Rheinland-Pfalz, während Boehringer Ingelheim Vorhaben von über 900 Millionen Euro stoppte.
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In der Energiebranche sorgt unterdessen eine Vorgabe der Bundesnetzagentur für Diskussionen, die einen finalen Investitionsentscheid bis Ende 2026 als Bedingung für die Netzentgeltbefreiung verlangt, welche bislang bis August 2029 galt.
Return Energy plant ab 2027 jährlich 1 Gigawatt Batteriespeicher mit 750 Millionen bis 1,2 Milliarden Euro Investition pro Jahr zu errichten; zugleich blieb die jüngste Offshore-Wind-Auktion im August 2025 ohne Gebot.
Aus der Finanzbranche kommen differenzierte Rückmeldungen. Yves Meyer-Bülow von I Squared sieht nach zwei Jahrzehnten unzureichender öffentlicher Investitionen erheblichen Nachholbedarf und eine historische Chance für die Infrastruktur. Roman Waleczek von Rothschild wertet das Treffen als wichtiges Signal.
Blackrock-Chef Larry Fink verwies darauf, dass Deutschland mit einer Schuldenquote von rund 64 Prozent mehr fiskalischen Spielraum besitze als viele andere Staaten und langfristig attraktiv bleibe, Investoren jedoch vor allem konkrete Taten sehen wollten.
Zurückhaltende Investitionstätigkeit und struktureller Handlungsbedarf
Ökonomen betonen die Dringlichkeit von Reformen. Michael Hüther vom Institut der deutschen Wirtschaft mahnte, private Investitionen in Maschinen und Anlagen hätten im zweiten Quartal 2026 preisbereinigt zehn Prozent unter dem Niveau vor der Corona-Pandemie gelegen. Nahezu das gesamte Wirtschaftswachstum der vergangenen sechs Jahre basiere auf staatlichen Impulsen.
Eine Studie von Allianz Research vom 16. Oktober 2026 beziffert den Rückgang der Gesamtinvestitionen in Deutschland von 2019 bis 2025 auf 6,4 Prozent, während diese im übrigen Euroraum um 6,7 Prozent und in den USA um 20,2 Prozent anzogen.
Die Deutsche Bundesbank meldete zudem, dass von Januar bis August 2026 mit 42,7 Milliarden Euro nur halb so viele ausländische Direktinvestitionen nach Deutschland flossen wie im Vorjahreszeitraum. DATEV-Chef Mayr plädiert angesichts einer Staatsquote von über 50 Prozent im Jahr 2025 für Bürokratieabbau und unternehmerische Freiräume, um Investitionshindernisse nachhaltig zu überwinden.
