Bundesbank, EZB-Zinsen

Deutschland-Wachstum: IWF hebt Prognose auf 1,3 Prozent an

Veröffentlicht am: 16.10.2026 um 07:27 Uhr | dpa, AD HOC NEWS
Bundesbank-Präsident Joachim Nagel hält eine länger anhaltende Erholung der deutschen Wirtschaft für möglich. Zugleich stellt er weitere Zinserhöhungen der Europäischen Zentralbank in Aussicht, falls die Inflation hoch bleibt.

EZB prüft weiteren Zinsschritt

  • Bundesbank-Präsident Joachim Nagel äußerte sich am Rande der IWF-Jahrestagung in Bangkok zur Geldpolitik.
  • Der IWF hob seine Wachstumsprognose für Deutschland 2026 auf 1,3 Prozent an.
  • Für Deutschland wäre 2026 das sechste Jahr in Folge mit einer Inflationsrate über zwei Prozent.
Bundestagspräsident Joachim Nagel sieht bei der Konjunktur kein «Strohfeuer». - Bild: Soeren Stache/dpa

Nagel sieht Erholung und warnt vor Inflation

Bundesbank-Präsident Joachim Nagel sieht Chancen für ein länger anhaltendes Anziehen des Wachstums in Deutschland und schließt ein erneutes Eingreifen gegen die Inflation nicht aus. Bei der Jahrestagung des Internationalen Währungsfonds in Bangkok sagte er, die Europäische Zentralbank werde alles Nötige tun, um die Inflation mittelfristig zum Zwei-Prozent-Ziel zurückzuführen.

Weitere Zinserhöhung bleibt möglich

Nagel verwies darauf, dass die Leitzinsen zuletzt zweimal erhöht worden seien, und schloss einen weiteren Schritt nicht aus, falls die Lage unverändert bleibe. Zugleich verteidigte er den Sitzungs-zu-Sitzungs-Ansatz der EZB, bei dem jede Entscheidung auf Grundlage der jeweils verfügbaren Daten getroffen wird.

Inflation bleibt über dem Ziel

Für Deutschland dürfte 2026 den Prognosen zufolge das sechste Jahr in Folge mit einer Inflationsrate über der Zwei-Prozent-Marke werden. Auch in Frankreich und Spanien ziehen die Preise an; in der Eurozone stieg die Inflation im September auf 3,8 Prozent.

IWF hebt Prognose für Deutschland an

Der IWF hat seine Wachstumsprognose für Deutschland für 2026 auf 1,3 Prozent angehoben. Nagel widersprach der Einschätzung, die erwartete Erholung könne sich lediglich als kurzfristiges Strohfeuer erweisen.

Nach ersten Effekten in diesem Jahr könne sich die Entwicklung im kommenden Jahr und möglicherweise bis 2028 fortsetzen, sagte der Bundesbank-Präsident. Zusammen mit der Umsetzung des Reformpakets der Bundesregierung und Impulsen durch Künstliche Intelligenz könne daraus ein anhaltender Aufschwung entstehen.

Die Aussagen von Bundesbank-Präsident Joachim Nagel verbinden zwei Entwicklungen, die für die deutsche Wirtschaft entscheidend sind: eine erwartete Erholung der Wirtschaftsleistung und ein anhaltender Preisdruck. Der IWF rechnet für Deutschland 2026 mit einem Wachstum von 1,3 Prozent. Damit würde die lange Phase schwacher Konjunktur zwar unterbrochen, die Erholung bliebe aber davon abhängig, ob sie sich über kurzfristige Impulse hinaus verstetigt.

Wachstum braucht strukturelle Impulse

Nagel verweist auf mögliche zusätzliche Schubkräfte durch das Reformpaket der Bundesregierung und den Einsatz Künstlicher Intelligenz. Entscheidend ist, ob daraus dauerhaft höhere Produktivität und Investitionen entstehen. Für Unternehmen und Beschäftigte bedeutet das: Eine bessere gesamtwirtschaftliche Entwicklung könnte Nachfrage und Beschäftigung stützen, dürfte aber nicht automatisch alle strukturellen Probleme der deutschen Wirtschaft lösen.

Inflation begrenzt den Spielraum

Gleichzeitig erschwert die zuletzt höhere Inflation eine schnelle geldpolitische Entlastung. Die EZB muss zwischen der Stabilisierung der Preise und der Unterstützung der Konjunktur abwägen. Nagels Hinweis auf einen möglichen weiteren Zinsschritt zeigt, dass die Zinsentwicklung von den kommenden Daten abhängt. Für Haushalte und Betriebe bleiben damit Finanzierungskosten, Kaufkraft und Preisentwicklung zentrale Unsicherheitsfaktoren.

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