Industrieroboter: Autoindustrie bremst Ausbau in Deutschland
Veröffentlicht am: 24.09.2026 um 13:30 Uhr | dpa, AD HOC NEWS
Deutschland hat 2025 deutlich weniger neue Industrieroboter installiert und droht im internationalen Automatisierungswettlauf gegenüber China und den USA zurückzufallen.
Neuinstallationen gehen zurück
Nach Angaben der International Federation of Robotics (IFR) wurden in Deutschland 24.800 neue Industrieroboter installiert. Das entsprach 41 Prozent aller Anlagen, die in der Europäischen Union neu in Betrieb genommen wurden.
Im Vergleich zum Vorjahr sank die Zahl der Neuinstallationen in Deutschland jedoch um acht Prozent. Die Bundesrepublik lag damit weltweit auf Rang fünf – hinter Südkorea, Japan, den USA und China.
Autoindustrie als größter Abnehmer
Als Hauptgrund für den Rückgang nannte die IFR die sinkende Nachfrage aus dem verarbeitenden Gewerbe. „Die industrielle Automation in Deutschland ist auf hohem Niveau“, sagte IFR-Präsidentin Jane Heffner.
Besonders stark bremse die schwache Nachfrage aus der deutschen Autoindustrie. Die Branche blieb mit 5.800 neu installierten Robotern und einem Anteil von 23 Prozent zwar der größte Abnehmer, 2020 hatte ihr Anteil jedoch noch bei 40 Prozent gelegen.
Unsicherheit bei Elektroautos
Schwache Absätze bei Elektrofahrzeugen sowie politische und wirtschaftliche Unsicherheiten hielten nach Einschätzung der IFR Investitionen zurück. Auch in der Metallverarbeitung sowie in der Chemie- und Kunststoffindustrie gingen die Installationen zurück.
Für 2026 rechnet die Organisation mit einem weiteren Rückgang der Gesamtnachfrage. Ab 2027 dürften die Installationszahlen wieder steigen. Wachstumspotenzial sehen die Experten vor allem bei kleinen und mittleren Unternehmen.
China baut Vorsprung aus
China installierte 2025 laut IFR 354.000 Industrieroboter. Von fünf weltweit neu installierten Anlagen entfielen demnach inzwischen drei auf China – ein neuer Höchststand.
In der chinesischen Elektro- und Elektronikindustrie wurden 96.400 Anlagen installiert, 16 Prozent mehr als im Vorjahr. Die chinesische Autoindustrie erreichte mit 78.900 Robotern ebenfalls einen neuen Höchststand.
USA überholen Japan
Auch die USA machen nach IFR-Angaben schnelle Fortschritte. Sie überholten erstmals Japan und wurden zum zweitgrößten Markt der Welt für jährliche Neuinstallationen.
Automatisierung als Standortfaktor
Die Robotikzahlen zeigen nicht, dass Deutschland technologisch unautomatisiert wäre. Mit 24.800 neu installierten Anlagen bleibt das Land der mit Abstand größte Einzelmarkt in der Europäischen Union. Der Rückgang ist vielmehr ein Signal für nachlassende Investitionsbereitschaft in zentralen Industriezweigen.
Besonders wichtig ist die Autoindustrie, weil sie traditionell zu den größten Abnehmern industrieller Roboter gehört. Sinkende Fahrzeugabsätze, der kostspielige Umstieg auf Elektroantriebe und der wachsende Wettbewerbsdruck aus China erschweren es deutschen Herstellern und Zulieferern, gleichzeitig Beschäftigung zu sichern und Produktionsprozesse zu modernisieren.
China setzt Maßstab
China verfügt mit 354.000 Neuinstallationen über eine deutlich größere industrielle Basis und baut seine Robotik seit Jahren strategisch aus. Die chinesische Elektro- und Elektronikindustrie sowie der Automobilsektor investieren weiter, während Deutschland zunächst mit der Schwäche seiner Leitindustrien umgehen muss.
Für den Standort entscheidet deshalb nicht allein die Zahl der Roboter. Ausschlaggebend sind auch Software, künstliche Intelligenz, Energie- und Arbeitskosten sowie die Fähigkeit kleiner und mittlerer Unternehmen, Automatisierung wirtschaftlich einzusetzen. Die von der IFR erwartete Erholung ab 2027 würde Deutschland eine Perspektive eröffnen, beseitigt aber nicht den aktuellen Investitionsrückstand.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen
Tagesschau: „Baden-Württemberg Bosch wächst leicht - und setzt Sparkurs mit Abbau von 22.000 Stellen fort“ (23.09.2026)
Der Bericht hebe hervor, die Autozuliefersparte Mobility belaste das Ergebnis des Bosch-Konzerns und der Stellenabbau werde fortgesetzt. Damit bestätige er den im dpa-Bericht beschriebenen Investitionsdruck in der Autoindustrie, setze den Schwerpunkt aber auf die Folgen für Zulieferer und Beschäftigung.
FOCUS online: „Düstere Dudenhöffer-Prognose: „2030 haben wir nur noch 500.000 Beschäftigte in der Auto-Branche““ (23.09.2026)
Der Artikel stelle die Kosten, den China-Wettbewerb und den schwierigen Übergang zur Elektromobilität als zentrale Belastungen dar. Zugleich werde betont, längere Arbeitszeiten allein reichten nicht aus; nötig seien auch Investitionen in Elektrofahrzeuge, Software, künstliche Intelligenz und effizientere Fertigung.
Beide Beiträge bestätigten damit den strukturellen Druck auf die deutsche Autoindustrie, betrachteten jedoch unterschiedliche Folgen: Der erste Bericht fokussiere einen großen Zulieferer und Arbeitsplätze, der zweite die Wettbewerbsfähigkeit und industriepolitische Reformen.
