Deutsch-russischer Handel, Russland-Sanktionen

Russland-Handel: Deutsche Importe sinken um 96,4 Prozent

Veröffentlicht am: 21.10.2026 um 08:20 Uhr | dts-nachrichtenagentur, AD HOC NEWS
Der Handel zwischen Deutschland und Russland ist seit dem Beginn des Krieges stark eingebrochen. Besonders deutlich zeigt sich der Rückgang bei Importen, Unternehmensverflechtungen, Flugverkehr und Bildungsbeziehungen.

Handelsdaten zeigen wirtschaftlichen Rückzug

  • Deutschland importierte im ersten Halbjahr 2026 Waren für gut 0,5 Milliarden Euro aus Russland.
  • Die deutschen Exporte nach Russland erreichten im selben Zeitraum 3,4 Milliarden Euro.
  • 2024 gehörten 76 auslandskontrollierte Unternehmen in Deutschland zu russischen Muttergesellschaften.
  • Im Studienjahr 2025 begannen 1.700 russische Bildungsausländer ein Studium in Deutschland.
Finanzviertel von Moskau (Archiv) - Bild: via dts Nachrichtenagentur

Deutsch-russischer Handel verliert weiter an Bedeutung

Deutschland hat im ersten Halbjahr 2026 deutlich weniger Waren aus Russland importiert als fünf Jahre zuvor. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes sanken die Einfuhren gegenüber dem ersten Halbjahr 2021 um 96,4 Prozent auf gut 0,5 Milliarden Euro.

Auch die deutschen Exporte nach Russland gingen zurück, allerdings weniger stark: Sie lagen mit 3,4 Milliarden Euro um 73,1 Prozent unter dem Vergleichswert von 2021.

Importe bestehen vor allem aus Lebensmitteln und Metallen

Die russischen Lieferungen nach Deutschland setzten sich im ersten Halbjahr 2026 vor allem aus Nahrungs- und Futtermitteln im Wert von 206,1 Millionen Euro, Metallen im Wert von 168,3 Millionen Euro sowie chemischen Erzeugnissen im Wert von 95,9 Millionen Euro zusammen.

Fünf Jahre zuvor hatten Erdöl und Erdgas mit 9,2 Milliarden Euro und einem Anteil von 61,5 Prozent den deutschen Import aus Russland dominiert. Bei den Exporten entfielen 2026 dagegen 42,4 Prozent auf pharmazeutische Erzeugnisse, gefolgt von Maschinen sowie Nahrungs- und Futtermitteln.

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Weniger Unternehmen mit Russland-Bezug

Auch die direkten Unternehmensverflechtungen gingen zurück. 2024 gehörten 76 von gut 42.400 auslandskontrollierten Unternehmen in Deutschland zu einer russischen Muttergesellschaft; ihr Umsatzanteil lag bei 0,4 Prozent.

Deutsche Investoren kontrollierten 2024 noch 290 Unternehmen in Russland. Diese erzielten dort rund 13 Milliarden Euro Umsatz. 2021 waren es 481 Unternehmen mit einem Umsatz von rund 38 Milliarden Euro gewesen.

Kaum noch direkte Flugverbindungen

Das bestehende Direktflugverbot ließ die Zahl der Fluggäste mit Direktverbindungen zwischen Deutschland und Russland im ersten Halbjahr 2026 nahezu auf null sinken. Mit einem letztbekannten Streckenziel in Russland flogen noch gut 39.900 Passagiere von deutschen Hauptverkehrsflughäfen ab.

Das waren 95,9 Prozent weniger als im ersten Halbjahr 2019, als gut 978.300 Fluggäste mit diesem Streckenziel registriert wurden. Auch der persönliche Austausch veränderte sich: Im ersten Halbjahr 2026 zogen mehr russische Staatsangehörige aus Deutschland fort als zu.

Weniger russische Studienanfänger

Im Studienjahr 2025 begannen 1.700 russische Bildungsausländer ein Studium in Deutschland. Gegenüber 2021 entspricht das einem Rückgang um 40 Prozent; verglichen mit dem Höchststand von 2014 hat sich die Zahl mehr als halbiert.

Die Destatis-Zahlen markieren keinen kurzfristigen Ausschlag, sondern eine deutliche strukturelle Entflechtung der Wirtschaftsbeziehungen zwischen Deutschland und Russland seit dem russischen Angriff auf die Ukraine. Besonders stark fällt der Wandel bei den Importen aus: Erdöl und Erdgas, die im ersten Halbjahr 2021 noch den größten Teil der deutschen Einfuhren aus Russland ausmachten, spielen 2026 in der genannten Zusammensetzung keine zentrale Rolle mehr.

Die verbliebenen Handelsströme konzentrieren sich auf Waren, die von den Sanktionen weniger stark oder anders betroffen sind. Auf deutscher Seite dominieren bei den Exporten pharmazeutische Erzeugnisse, während Maschinen und Kraftwagen gegenüber der Zeit vor dem Krieg deutlich an Gewicht verloren haben. Das zeigt, dass der Austausch nicht vollständig beendet ist, aber wirtschaftlich eine andere Struktur besitzt.

Folgen für Unternehmen und Gesellschaft

Auch die Unternehmenszahlen verdeutlichen den Rückzug. Weniger russisch kontrollierte Firmen sind in Deutschland aktiv, und deutsche Investitionen in Russland haben an Zahl und Umsatz erheblich abgenommen. Damit sinken nicht nur Handelsvolumen, sondern auch direkte wirtschaftliche Abhängigkeiten und unternehmerische Präsenz.

Der Rückgang reicht über den Warenverkehr hinaus. Direktflüge nahezu vollständig, ein negativer Wanderungssaldo russischer Staatsangehöriger und weniger Studienanfänger aus Russland zeigen, dass sich die Beziehungen zugleich auf den Ebenen Mobilität, Bildung und persönlicher Austausch abgekühlt haben. Für deutsche Unternehmen bedeutet dies langfristig höhere Markteintrittsbarrieren, erschwerte Logistik und eine stärkere Orientierung auf andere Absatz- und Beschaffungsmärkte.

Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen

WDR: Sendung - Plusminus am Mi., 21.10.2026 (20.10.2026)

Die angekündigte Sendung befasst sich mit deutschen Unternehmen, die weiterhin auf dem russischen Markt aktiv sind. Der Schwerpunkt liegt damit stärker auf verbliebenen Geschäftsbeziehungen und ihrer Verantwortung, während die dts-Meldung die statistische Größenordnung des gesamten Rückgangs beschreibt.

NDR: Wirtschaft: Ist Gas aus Russland günstiger? (19.10.2026)

Der Beitrag greift die Frage nach russischem Gas und seinen wirtschaftlichen Folgen auf. Das ergänzt die dts-Zahlen um die Debatte über Energiepreise und mögliche Rückkehr wirtschaftlicher Abhängigkeiten; offen bleibt dabei, wie sich politische Entscheidungen auf die verbleibenden Handelsströme auswirken.

Gemeinsam ist den Beiträgen der Blick auf die fortbestehende Bedeutung des Russland-Geschäfts trotz des starken Rückgangs. Unterschiede bestehen beim Schwerpunkt: Statistik und Strukturwandel stehen der Frage nach Energie und einzelnen aktiven Unternehmen gegenüber.

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