Dekarbonisierung: Berlin startet Potenzialstudie für grüne Wirtschaft
05.06.2026 - 10:27:46 | boerse-global.de
Über 100 Unternehmer kamen zur Energie-Effizienz-Konferenz in Rostock zusammen.
Berlin startet Potenzialstudie für grüne Wirtschaft
Die Berlin Partner für Wirtschaft und Technologie GmbH hat Anfang Juni eine umfassende Potenzialstudie ausgeschrieben. Ziel ist es, den Dekarbonisierungsbedarf der Hauptstadt-Unternehmen genau zu analysieren und Handlungsempfehlungen abzuleiten. Innovative Lösungen sollen die Wettbewerbsfähigkeit des Standorts sichern. Interessierte Firmen können ihre Angebote bis zum 23. Juni einreichen.
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Die Initiative kommt nicht von ungefähr: Auf der MPI-Konferenz in Berlin betonten Regierungsvertreter, dass das Wirtschaftswachstum der Stadt seit über einem Jahrzehnt über dem Bundesdurchschnitt liegt. Mehr als 100.000 Industriearbeitsplätze sind inzwischen entstanden. Unternehmen wie Endless Industries und C1 Green Chemicals präsentierten dort Projekte zur Skalierung klimaneutraler Technologien – etwa klimaneutrales Methanol.
Wärmepumpen-Kaskade senkt CO2 in Dortmund
In Dortmund wurde ein Infrastrukturprojekt für den Gebäudesektor abgeschlossen. Vaillant und der Dienstleister Alois Müller installierten bei der Wohnungsbaugesellschaft DOGEWO21 eine sechsstufige Wärmepumpenkaskade. Die Anlage versorgt zwei Mehrfamilienhäuser aus den 1960er-Jahren. Der CO2-Ausstoß sinkt dadurch um rund 20,5 Tonnen pro Jahr. Die Energieeffizienzklasse der Gebäude verbesserte sich von F auf B.
In Rostock kamen Anfang Juni über 100 Unternehmer zur zweiten Energie-Effizienz-Konferenz. Klimaschutzminister Till Backhaus unterstrich die Verbindung zwischen Energieeinsparung und Klimazielen. Als Praxisbeispiele dienten die Null-Emissions-Fabrik von Florida Eis sowie Konzepte der Mecklenburgischen Brauerei Lübz.
Keramikindustrie spart 30 Prozent Erdgas
Das vom Bundeswirtschaftsministerium geförderte Projekt CONSINTEC zeigt Fortschritte in der industriellen Fertigung. Eine neue Sintertechnologie für die Keramikherstellung senkt den Erdgasverbrauch um bis zu 30 Prozent. Möglich machen das eine optimierte thermische Nachverbrennung und eine angepasste Ofenplanung. Die Universität Bayreuth unterstützte das Vorhaben mit Analysen zum Entbinderungsverhalten der Werkstoffe.
Für den Bausektor gibt es am 12. Juni in Sarstedt eine Technik-Tour. Das Kompetenzzentrum Serielles Sanieren präsentiert modulare Energiezentralen und Energiefassaden. Sie sollen den Sanierungsprozess beschleunigen und effizienter gestalten.
Hohe Kosten und steigende Insolvenzen belasten die Transformation
Trotz technologischer Fortschritte bleibt der ökonomische Rahmen anspruchsvoll. Creditreform beziffert die Ausfallrate deutscher Unternehmen für 2025 auf 1,88 Prozent. Für das laufende Jahr prognostiziert die Agentur einen Anstieg auf 2,08 Prozent. Besonders betroffen sind Branchen wie Verkehr, Logistik und Bau.
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Kritische Stimmen warnen vor den hohen Kosten der Transformation. In aktuellen Wirtschaftsbeiträgen werden die Gesamtkosten für die Klimaneutralität bis 2045 auf rund 5 Billionen Euro geschätzt. Die Produktion in der Industrie sei gegenüber 2018 deutlich zurückgegangen – eine Deindustrialisierung drohe.
CCS: CO2-Leitung „Ruhbens“ konkretisiert sich
Ein Baustein für unvermeidbare Emissionen bleibt die Abscheidung und Speicherung von CO2 (CCS). Der Bundestag machte Ende Januar den Weg für die Speicherung unter dem Meer frei. Nun konkretisieren sich grenzüberschreitende Kooperationen. Geplant ist die CO2-Leitung „Ruhbens“, die Emissionen aus Nordrhein-Westfalen – geschätzt bis zu 40 Millionen Tonnen jährlich – zum Hafen Antwerpen-Brügge transportieren soll. Dort entstehen Infrastrukturen für die Einlagerung.
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