DAX-Vorstände, Rekordgehälter

DAX-Vorstände kassieren Rekordgehälter – Lohnschere öffnet sich weiter

01.05.2026 - 13:11:40 | boerse-global.de

DAX-Chefgehälter steigen 2025 um 14 Prozent, während Arbeitnehmerlöhne nur leicht zulegen. Die Schere zwischen Vorstands- und Belegschaftsvergütung öffnet sich weiter.

DAX-Vorstände kassieren Rekordgehälter – Lohnschere öffnet sich weiter - Foto: über boerse-global.de
DAX-Vorstände kassieren Rekordgehälter – Lohnschere öffnet sich weiter - Foto: über boerse-global.de

Während die Reallöhne der Beschäftigten endlich wieder das Vorkrisenniveau von 2019 erreichten, legten die Vergütungen der DAX-Chefs um zweistellige Prozentbeträge zu. Das zeigt eine neue Analyse des Handelsblatt-Forschungsinstituts.

Die durchschnittliche Gesamtvergütung der 40 DAX-Vorstandsvorsitzenden kletterte im Geschäftsjahr 2025 auf 6,9 Millionen Euro – ein Plus von 14 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Zum Vergleich: Die Reallöhne der Arbeitnehmer stiegen im selben Zeitraum nur um 1,9 Prozent.

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Die Millionen-Klasse wächst

Erstmals verdienten sieben DAX-Konzernchefs mehr als zehn Millionen Euro. An der Spitze: Christian Klein von SAP mit 16,2 Millionen Euro, knapp gefolgt von Christian Sewing (Deutsche Bank), dessen Vergütung um satte 195 Prozent auf 16,1 Millionen Euro explodierte. Grund waren Sonderzahlungen und aktienbasierte Boni, die vom Kursfeuerwerk am deutschen Aktienmarkt profitierten – die Kurse stiegen 2025 um knapp 23 Prozent.

Weitere Top-Verdiener: Roland Busch (Siemens, 12,3 Mio. Euro), Timotheus Höttges (Deutsche Telekom) und Oliver Bäte (Allianz) mit jeweils rund 11,6 Millionen Euro.

Insgesamt schütteten die DAX-Konzerne 261,3 Millionen Euro an ihre Vorstände aus – der dritte Anstieg in Folge (2024: +10 %, 2023: +2 %).

Reallöhne endlich auf Vorkrisenniveau

Die gute Nachricht für die Beschäftigten: Die Kaufkraft erholt sich. Das Statistische Bundesamt bestätigte Ende Februar 2026 einen Reallohnanstieg von 1,9 Prozent für 2025. Die nominalen Löhne stiegen um 4,2 Prozent, die Inflation lag bei 2,2 Prozent. Damit erreichte der Reallohnindex wieder die Marke von 100 Punkten – das Niveau von 2019.

Besonders die unteren Einkommensgruppen profitierten: Im zweiten Quartal 2025 verzeichneten die Geringverdiener (unterstes Fünftel) mit 6,5 Prozent das stärkste nominale Lohnplus, getrieben vom Mindestlohn und Tariferhöhungen.

Chemie-Branche: Das Gegenbeispiel

Doch der Trend ist nicht einheitlich. In der Chemie- und Pharmaindustrie, dem industriellen Kern Deutschlands, sieht die Lage völlig anders aus. Der Verband angestellter Akademiker und Führungskräfte (VAA) meldete für 2025 einen Einbruch der Boni um über 55 Prozent. Die Gesamteinkommen stagnierten (+0,2 Prozent). Im Oktober 2025 einigten sich VAA und Arbeitgeber darauf, die Mindestjahresgehälter für Akademiker einzufrieren.

Die Arbeitgeber begründeten dies mit fehlender „Verteilungsmasse“ – ein klares Zeichen der wirtschaftlichen Stagnation in der Industrie.

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Warum die Kluft wächst

Die Vergütung der Vorstände ist zunehmend an den Aktienkurs gekoppelt. Eine Studie der DSW und der TU München zeigte bereits für 2024: DAX-Vorstände verdienten im Schnitt 41-mal mehr als ihre Belegschaft. Diese „Vertikalität“ dürfte sich 2025 weiter verschärft haben.

Zwar sind inzwischen alle DAX-Konzerne verpflichtet, ESG-Kriterien (Umwelt, Soziales, Unternehmensführung) in ihren Vergütungssystemen zu verankern. Kritiker bemängeln jedoch, dass diese oft als zusätzliche Bonustürme dienen, selbst wenn klassische Kennzahlen wie der Gewinn schwächeln.

Ausblick 2026: Wohin steuert die Lohnschere?

Ob sich die Kluft weiter öffnet, hängt von der Börsenentwicklung und den anstehenden Tarifrunden ab. Analysten von Bohill Partners beobachten, dass viele Unternehmen angesichts geopolitischer Unsicherheiten bei breiten Lohnsteigerungen zurückhaltend sind.

Einige Firmen haben bereits reagiert: Die Grenke AG legte Anfang 2026 ein überarbeitetes Vergütungssystem vor, das stärker auf langfristiges Wachstum setzt. Die Frage bleibt, ob die Aufsichtsräte mehr Zurückhaltung üben – oder die Entkopplung von Vorstandsgehältern und wirtschaftlicher Realität weitergeht.

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