DAX-Konzerne: Weltweit 47.700 Stellen weniger, 69 Prozent bauen ab
Veröffentlicht am: 29.09.2026 um 23:48 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Das Ifo-Beschäftigungsbarometer für Deutschland hat sich im September 2026 leicht verbessert und stieg auf 95,1 Punkte, nachdem im August 94,8 Punkte verzeichnet worden waren. Laut einer Umfrage des Ifo-Instituts unter Unternehmen aus der Industrie, dem Dienstleistungssektor, dem Handel und dem Baugewerbe deutet dies auf eine Stabilisierung des Arbeitsmarktes hin. Eine umfassende Erholung zeichne sich jedoch weiterhin nicht ab.
Sektorale Unterschiede in der Personalplanung
Innerhalb der verschiedenen Wirtschaftszweige zeigt sich ein uneinheitliches Bild. In der Industrie plant die Mehrheit der Unternehmen laut den Ifo-Ergebnissen weiterhin einen Personalabbau.
Einstellungspläne bestehen hier lediglich in spezifischen Teilbereichen wie der Nahrungsmittelindustrie sowie bei Herstellern von Datenverarbeitungsgeräten und elektronischen sowie optischen Erzeugnissen. Im Verarbeitenden Gewerbe verbesserte sich der Ifo-Saldo zwar auf ?9,4, verglichen mit ?18,2 zwei Monate zuvor, verbleibt jedoch im negativen Bereich.
Auch im Handel überwiegen derzeit die Pläne zum Stellenabbau. Der entsprechende Handelssaldo wurde mit ?12,8 angegeben. Im Gegensatz dazu halten sich bei den Dienstleistern Einstellungs- und Abbauvorhaben in etwa die Waage. Zusätzliches Personal wird in diesem Sektor vor allem von Ingenieur-, Rechts- und Steuerberatungen sowie von Wirtschaftsprüfern gesucht.
Im Baugewerbe wird damit gerechnet, dass die Zahl der Beschäftigten weitgehend konstant bleibt. Insgesamt stieg das Beschäftigungsbarometer zum dritten Mal in Folge, wobei der Gesamtindex eine Verbesserung um 0,3 Punkte erfuhr.
Demografischer Wandel und strukturelle Belastungen
Ergänzende Daten des IAB-Arbeitsmarktbarometers stützen die Einschätzung einer verhaltenen Entwicklung. Der Indikator stieg im September 2026 geringfügig um 0,1 auf 99,6 Punkte. Diese Verbesserung ist jedoch ausschließlich auf die Arbeitslosigkeitskomponente zurückzuführen, während die Beschäftigungskomponente leicht sank.
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Der IAB-Forscher Enzo Weber wies darauf hin, dass der Arbeitsmarkt unter anderem aufgrund des demografisch bedingten Rückgangs des Arbeitskräftepotenzials schrumpfe. Zudem belasteten Unsicherheit und strukturelle Probleme, insbesondere im industriellen Sektor, die Dynamik.
Auf europäischer Ebene stagnierte das European Labour Market Barometer im September bei 99,9 Punkten und blieb damit knapp unter der neutralen Marke von 100. Weber zufolge lasse sich daraus weder ein klarer Aufschwung noch eine akute Krise ableiten.
Stellenstreichungen bei Großkonzernen und in der Medienbranche
Eine Analyse von EY-Parthenon verdeutlicht die Situation bei deutschen Großunternehmen. Demnach sank die weltweite Beschäftigung bei den im DAX gelisteten Konzernen um rund 47.700 Stellen bzw. 1,2 % auf insgesamt 4,06 Mio. Beschäftigte.
In Deutschland betrug der Rückgang 1 %, im Ausland 1,3 %. Besonders betroffen waren Unternehmen mit mehr als 100.000 Mitarbeitern, von denen 69 % Personal abbauten. Kleinere DAX-Unternehmen hingegen konnten ihre Beschäftigtenzahl insgesamt um 3,5 % steigern.
Branchenspezifisch verzeichneten Luftfahrt und Verteidigung ein Plus von 4,3 %, während der Konsumgütersektor (?4,5 %) und Pharma/Life Sciences (?4,0 %) Rückgänge hinnehmen mussten. In der Automobilindustrie schrumpfte die Belegschaft an den Heimatstandorten um rund 4 %, während sie im Ausland leicht um etwa 1 % stieg.
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Auch im Medienbereich halten die Sparmaßnahmen an. Der Unterhaltungskonzern Disney kündigte unter CEO Josh D’Amaro den Abbau mehrerer hundert Stellen an, vor allem in der IT-Entwicklung und im Personalwesen. In Deutschland besetzt der WDR frei werdende Stellen künftig nicht mehr eins zu eins nach und kürzt die Budgets für freie Mitarbeitende. Auch RTL Deutschland und Sky reduzieren laut Berichten Kosten und Doppelstrukturen.
Erwartungen an die offizielle Arbeitsmarktstatistik
Für den 30. September 2026 wird die Veröffentlichung der aktuellen Arbeitsmarktstatistik durch die Bundesagentur für Arbeit in Nürnberg erwartet. Experten rechnen lediglich mit einer moderaten Herbstbelebung. Im August 2026 waren in Deutschland 3,061 Mio. Menschen arbeitslos gemeldet. Ob diese Zahl im September unter die Marke von 3 Mio. sinkt, gilt als ungewiss, da der saisonübliche Rückgang geringer ausfallen dürfte als in vergangenen Jahren.
Langfristig prognostizieren Forschungsinstitute jedoch eine leichte Entspannung. Die BIP-Wachstumsprognose für 2026 wurde von 0,6 auf 1,3 % angehoben.
Die Arbeitslosenquote wird für das Jahr 2026 bei 6,4 % erwartet und soll bis 2028 auf 5,8 % sinken, während staatliche Stimulierungspakete und eine stabilere Konjunktur stützend wirken könnten.
