Datensouveränität, Giottoai

Datensouveränität: Giotto.ai öffnet europäische KI-Alternative

17.06.2026 - 07:32:39 | boerse-global.de

Nach US-Sicherheitsanordnung blockiert Anthropic Top-KI-Modelle. Europa reagiert mit Forderungen nach Souveränität und eigener Technologie.

US-KI-Zugangssperre: Europa sucht eigene Wege und Alternativen
Datensouveränität - Ein futuristisches, leuchtendes neuronales Netzwerk über einer Karte Europas und der Schweiz, das digitale Souveränität und KI-Entwicklung symbolisiert. 17.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

Am 12. Juni 2026 erließ Washington eine Sicherheitsanordnung, die den Zugriff auf bestimmte KI-Systeme für ausländische Nutzer blockiert. Nur einen Tag später sperrte Anthropic seine Top-Modelle Fable 5 und Mythos 5 für alle nicht-amerikanischen Staatsangehörigen. Die Begründung: Die Modelle könnten Schwachstellen in Software aufspüren – ein Risiko für Cyberangriffe.

Branchenberichte zeigen, dass KI zunehmend bei der Erstellung von Malware zum Einsatz kommt. Mythos 5 gilt als führend bei der Analyse von Sicherheitslücken. OpenAIs GPT-5.5 übertrifft es jedoch in Teilbereichen komplexer Angriffsketten. Google beobachtete zudem weitgehend autonome Malware-Operationen mit KI-Unterstützung. Anthropic selbst kritisierte die Anordnung als intransparent.

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Europa warnt vor Abhängigkeit

Die Reaktionen aus Europa ließen nicht lange auf sich warten. Bitkom-Präsident Ralf Wintergerst schlug am 15. Juni Alarm: „Wenn der Zugang zu den leistungsfähigsten Werkzeugen vom Wohlwollen einer ausländischen Regierung abhängt, gefährdet das die Wettbewerbsfähigkeit und Sicherheit Deutschlands und Europas.“ Seine Forderung: Eigene KI-Kompetenzen aufbauen.

Auch EU-Digitalkommissarin Henna Virkkunen bezog Stellung. Europa sei ein wichtiger Wirtschaftspartner, kein Sicherheitsrisiko, betonte sie. Sie rief die USA zur Zusammenarbeit auf. Experte Anselm Küsters vom Centrum für Europäische Politik spricht von einem der folgenreichsten Eingriffe in die internationale KI-Politik. Deutsche Sicherheitspolitiker warnen vor strategischer Erpressbarkeit.

Schweizer Lösung: Giotto.ai öffnet souveränes System

Am 16. Juni präsentierte das Lausanner Unternehmen Giotto.ai eine Alternative. Es öffnete sein eigenes KI-Modell und Betriebssystem für ausgewählte Behörden und institutionelle Partner. CEO Aldo Podestà: „Unser Ziel ist die Unabhängigkeit von ausländischen Plattformen.“ Ab Juli soll das System auch für Fachleute, Forscher und Entwickler zugänglich sein.

Die Infrastruktur ist auf Datensouveränität ausgelegt. Der Zugriff erfolgt über in Europa gehostete Server, eigene IT der Kunden oder lokale Workstations. Für kleinere Unternehmen und Behörden gibt es eine Büro-Workstation für bis zu 30 Mitarbeiter – einmalig 60.000 Schweizer Franken. Die Serverversion für Großunternehmen kostet rund 120.000 Franken. Entwickelt wurde das Modell in Kooperation mit der Schweizer Armee und dem Rüstungskonzern Ruag. Es verspricht hohe Effizienz bei geringem Rechenaufwand.

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G7-Gipfel: Diplomatie um den Technologie-Zugang

Die technologische Abschottung war am 16. Juni auch Thema am Rande des G7-Gipfels in Evian-les-Bains. US-Handelsminister Howard Lutnick beriet mit Vertretern der Partnerstaaten über ein Modell für vertrauenswürdige Partner. Ziel: Kontrollierte Ausnahmen von den Zugangssperren.

An einem Arbeitsessen nahmen auch Führungskräfte von Anthropic, OpenAI und Google teil. Die EU-Vertreter bemühen sich besonders um den Wiederzugang zu Mythos. Parallel fordern Verbände wie der Bundesverband IT-Mittelstand (BITMi) beschleunigte Investitionen in europäische Kapazitäten. Die Abhängigkeit von politischen Entscheidungen aus Washington soll dauerhaft sinken.

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